Trotz einem lange zu kühlen / regnerischen Frühjahr, dann einer Hitzewelle zur falschen Zeit (Juni!) und auch danach einer nur kurzen Erholungsphase vor neuerlicher Hitze konnten wir doch einiges ernten: Tomaten, Buschbohnen, Mangold, Zucchini, Bauerngurken – nur die Kürbisse und die versuchsweise gepflanzte Melone haben sich nicht gut entwickelt und sind vergleichsweise winzig. Der Palmkohl litt ebenso wie der neue Meerrettich an der Trockenheit, denn in der Regel fahren wir nur jeden 2.Tag in den Garten, um zu gießen.

Wie jedes Jahr hatte wir viele Tomanten angepflanzt: Im Gewächshaus Tigerella, Matina, Marmande, Brandywine yellow und apricot – keine gute Wahl, denn nur Tigerella war ergiebig, die anderen kaum oder garnicht. Unsere Schuld, denn Matina, Marmande und die Brandywine-Sorten sind eigentlich Freilandtomaten, die offenbar mehr Sonne brauchen. Draußen sind sie nämlich gut gewachsen und waren so ertragreich, dass ich wieder Tomatensoße in Gläsern heiß abfüllen konnte. Geschmacklich fand ich dieses Jahr die Brandywine Yello besonders gut, aber auch alle anderen waren voll in Ordnung, nur Lilith – eine kleine gelbe Cocktailtomate – ist mir ein wenig zu sauer geblieben.
Die Abenteuertomate 2026: Ertragreich, aber schnell vertrocknend
Jedes Jahr bauen wir eine Tomatensorte an, die wir noch nicht kennen. 2026 haben wir uns für eine „super einfache kompakte Strauchtomate mit bestem Geschmack“ entschieden, nämlich die OpenSky® Schlingel Max® von Lubera. Wir bekamen sie als ca. 60 cm hohe Pflanzen als Ersatz für die nicht alle angegangenen Samen, die wir gekauft hatten – recht großzügig von Luibera!
Es sollte eine Tomate werden, die uns kaum Arbeit macht, hier Luberas Steckbrief, der zu diesem Anliegen gut passte:
Wuchstyp/Wuchs: kompakte Strauchtomate bis zu 85 cm hoch und eher breit wachsend.
Kultur: sehr einfach, kein Ausgeizen nötig, wächst als vieltriebiger Strauch
Ernte: sehr fruchtbar, produziert bis zu 100 eher kleine Tomaten, von unten nach oben, ab Juli reif.
Früchte: schöne, eher kleine runde, rote Tomaten
Geschmack: absoluter Geschmacksfavorit, sehr interessanter nur wenig süsser Geschmack, sehr tomatig-gemüsig und würzig.
Resistenz: gute Toleranz gegen Kraut und Braunfäule (Phytophthora infestans) im Freiland, gut für den ungeschützten Freilandanbau geeignet.
Trotz der Reise im engen Karton sind die Tomaten schnell angewachsen, haben sich sichtbar erholt und bald geblüht. Hier ein Bild von 10.Juni:

Sie wuchsen dann zügig in die Breite und entwickelten jede Menge Triebe nach allen Seiten, sowie jede Menge Blätter und Blüten. Also alles wie versprochen! Allerdings begannen sie bald, stellenweise zu vertrocknen, was keine andere unserer Tomaten zu diesem Zeitpunkt tat. Ich gab es bald auf, die vertrockneten Teile zu entfernen, denn es nahm zügig zu, obwohl wir jede Menge gegossen haben!
Am 4.August sah das dann so aus:

Trotz der fortschreitenden Vertrocknung konnten wir immer wieder kleine Tomaten ernten. Als „reif“ haben wir sie angesehen, wenn sie auf der Unterseite rot wurden, ansonsten blieben sie schwarz. Seit allerdings immer mehr Triebe ganz oder teilweise vertrocknet sich, hat sich der Reifeprozess sehr verlangsamt. Noch jetzt sind viele unreife, extra kleine Tomaten vorhanden, aber da kommt jetzt wohl nicht mehr viel. Es ist zuwenig grünes Blattwerk für die Photosynthese übrig. (100 Früchte pro Pflanze kann durchaus stimmen, sofern sie alle reif werden würden, was hier sicher nicht mehr passiert).
Warum vertrocknen Tomatentriebe?
Dieses Phänomen der zügig vertrocknenden Triebe ließ uns vermuten, dass es am Wassermangel liegt. Zwar halten alle anderen Sorten eine ein tägige Gießpause aus, die haben aber auch nicht so viele Triebe und Blätter wie der „Schlingel“, der dem Namen Strauchtomate alle Ehre macht.
Aber: auch auf meinem Balkon stehen zwei dieser Sorte: ein Nordseite-Balkon, der früh morgens ein paar Stunden Morgensonne von rechts / Osten bekommt. Obwohl ich hier jeden Tag die Erdfeuchte kontrollierte und gegossen habe, sind auch hier Triebe vertrocknet, wenn auch nicht so umfangreich. Aktuell (6.9.) sieht das so aus:

Die Balkon-Schlingel stehen auch nicht wie im Garten in trotz jahrelanger Bodenverbesserung immer noch sandigem Boden, sondern in guter Blumenerde! Also woran liegts?
Mittlerweile sind auch andere Tomatenpflanzen teilweise vertrocknet, vielleich ist das auch einfach Braunfäule. Das kann es allerdings beim Schlingel nicht gewesen sein, nicht schon Mitte/Ende Juli.
Wegen des guten Geschmacks, des im Vergleich (z.B. mit Lilith) recht hohen Ertrags und der prinzipiellen Robustheit vermuten wir, dass der OpenSky® Schlingel Max® in Gärten mit besserer Erde und direkt am Haus (wg. täglichem Gießen) nicht so vertrocknen würde. Wir kennen die Ursache nicht, es könnte ja sonst etwas sein, irgend ein Pilz in unserer Erde – keine Ahnung!
Jedenfalls werden wir nächstes Jahr wohl wieder Black Cherry oder Königin der Nacht pflanzen und eine neue „Abenteuertomate“ auswählen.
Macht gerne Vorschläge in den Kommentaren!
***
Update / Korrektur: es war die Sorte Freilandtomate OpenSky® Schlingel Filou® – hatte mich beim Bloggen vertan. Ändert aber nichts an den Erfahrungen und Analysen, da auch diese Sorte derselben neuen OpenSky-Serie angehört und eine ertragreiche Buschtomate ist.
Und sonst:
Lila Herbstastern (oder „Plausch am Gartenzaun!“)
Diffuse Angst / Digital Diary, mein Hauptblog
6. September 2026 um 17:58
Ich konnte heuer zum ersten Mal Tomaten ernten. Bisher gab es immer irgendwelche Probleme! Dieses Jahr habe ich von einem Bekannten Schokotomaten-Pflänzchen geschenkt bekommen. Ich habe sie auf der Terrasse in Töpfen stehen und ernte immer noch. Keine Braunfäule… nichts!
Ich bin wirklich begeistert.
Viele Grüße von
Margit
7. September 2026 um 19:46
@Margit: Schokotomaten – nie gehört, werde ich recherchieren. Danke für den Tipp!
Wenig später: du meinst vielleicht Kumato? Die hatten wir schon öfter und dieses Jahr leider ausgelassen. Waren immer top!
8. September 2026 um 10:49
Der Vergleich zwischen Garten und Nordbalkon ist besonders interessant: Dass die Triebe an beiden Standorten vertrocknen, macht die Ursache schwer einzugrenzen. Wäre beim nächsten Versuch ein direkter Vergleich mit Black Cherry am gleichen Standort möglich? Mich würde interessieren, ob der Schlingel bei gleicher Pflege wieder früher Blattmasse verliert. Viele Grüße, Mark von HN Insider
8. September 2026 um 13:35
Hallo Claudia,
spannend, dass ausgerechnet der „Schlingel“ sowohl im Garten als auch auf dem Balkon dieses Vertrocknen der Triebe gezeigt hat. Hast du die Pflanzen im Kübel regelmäßig mit Tomatendünger versorgt – und weißt du noch ungefähr, wie groß die Töpfe beziehungsweise wie viel Erde den Pflanzen zur Verfügung stand? Bei dem breiten Wuchs und den vielen Fruchtansätzen könnte ich mir vorstellen, dass ein begrenzter Wurzelraum trotz täglichen Gießens bei Wasser und Nährstoffen schnell an seine Grenzen kommt. Dass die Pflanzen im Garten ähnlich reagiert haben, lässt mich allerdings auch an eine besondere Empfindlichkeit der Sorte oder etwas denken, das die gelieferten Pflanzen möglicherweise schon mitgebracht hatten.
Viele Grüße
Sarah-Ann
9. September 2026 um 23:24
Hallo Claudia;,
Vielen Dank für den ausführlichen Erfahrungsbericht! Die Schlingel Max hatte ich bisher noch gar nicht auf dem Schirm. Interessant finde ich vor allem das Problem mit den vertrocknenden Trieben, obwohl ausreichend gegossen wurde. Vielleicht reagiert die Sorte aufgrund ihres sehr buschigen Wuchses empfindlicher auf Hitze- oder Wurzelschäden als andere Tomaten. Geschmack und Ertrag scheinen ja trotzdem überzeugend gewesen zu sein. Bei uns haben sich dieses Jahr Black Cherry und einige robuste Cocktailtomaten besonders bewährt. Ich bin schon gespannt, welche Abenteuertomate es 2027 wird.
Grüße
Andre
14. September 2026 um 18:49
Ich mag solche Saisonrückblicke besonders, weil sie viel realistischer sind als die üblichen Sortenbeschreibungen im Handel. Auf dem Papier klingt eine kompakte, pflegeleichte und sehr ertragreiche Tomate natürlich ideal – im eigenen Garten zeigt sich dann aber erst, wie stark Standort, Boden, Hitze und Wasserversorgung das Ergebnis verändern können.
Beim „Schlingel Max“ finde ich den Widerspruch besonders interessant: viele Triebe, Blüten und Früchte und grundsätzlich ein guter Ertrag, gleichzeitig aber dieses ungewöhnlich frühe Vertrocknen. Dass dasselbe Phänomen abgeschwächt sogar bei den Pflanzen auf dem Balkon mit anderer Erde und täglicherer Kontrolle aufgetreten ist, macht die Sache noch rätselhafter. Deshalb würde ich Wassermangel allein auch nicht besonders überzeugend finden.
Schön finde ich, dass du die Sorte trotzdem nicht einfach als schlecht abhaken kannst. Geschmack und Ertrag waren offenbar durchaus überzeugend – nur die Bedingungen haben nicht optimal zusammengepasst.
Die Brandywine Yellow klingt dagegen nach einer Sorte, die allein wegen des Geschmacks einen weiteren Versuch verdient. Und genügend Tomaten für selbst eingekochte Sauce sind nach diesem schwierigen Sommer ja eigentlich schon ein ziemlich gutes Ergebnis.
Bin gespannt, welche Sorte 2027 die nächste „Abenteuertomate“ wird!
15. September 2026 um 10:29
@alle: herzlichen Dank für Eure Kommentare, die mich sehr freuen!
Ja, der „Schlingel“ ist keine irgendwie schlechte Sorte, noch jetzt ernten wir Früchte und es sind mittlerweile bestimmt mehr als 100 pro Pflanze!
18. September 2026 um 21:41
Sieht für mich nach einer Krankheit aus welche die Pflanze im Frühling beim einpflanzen erwischt hat. Kühle Temperaturen / zu viel Feuchtigkeit, ev. auch bedingt durch eigenen Kompost oder zu hohem Salzgehalt (Dünger), das kann die Pflanze nachhaltig schädigen. Bei mir sind dieses Jahr zwei Pflanzen eingegangen, und eine dritte (die absolut robusteste Sorte die ich kenne und jedes Jahr anbaue) hat’s knapp überlebt und sieht etwa so wie die in ihrem Bild aus.
19. September 2026 um 08:50
Vorletzten Sommer wuchs, nein wucherte, u. a. der „Schlingel“ auf unserem exponierten Südbalkon an der Hauswand. Diese Pflanze war ertragreich und schön bis in den Herbst. Ebenso vier andere Sorten.
Dieses Jahr war alles anders. Selbst die hitzebewährte „Caro Riche“ litt extrem unter dem heißen Wetter. Die Blätter sind trotz regelmäßigem Giessen wie im Blog beschrieben vertrocknet. Ich denke, Pflanzen sind Individuen und reagieren wie wir Menschen unterschiedlich auf das Wetter.
19. September 2026 um 10:04
Liebe Claudia,
ein wirklich schöner Bericht – vielen Dank. Deine Idee mit den Abenteuertomaten find ich klasse, mache ich meist auch so – bislang nur ohne die coole Bezeichnung.
In Bezug auf die „vertrocknete“ Tomate wage ich aus meiner nun fast dreizigjährigen Gartenerfahrung mit dem Anziehen von Tomaten mal eine andere These:
Deine Schlingel Max (welch putziger Name ) hat zuviel Wasser bekommen und wurde dadurch geschwächt und anfällig für Erkrankungen mit Symptomen des Abtrocknens einzelner Triebe.
Klar bei der Anzucht und kurz nach dem Pflanzen achte ich auch auf genügend Feuchtigkeit. Doch sobald die Pflanze angewachsen ist, bin ich mehr als geizig mit dem Wasser. In dieser sehr trockenen Saison haben meine Tomaten insgesamt etwa drei mal Gießwasser erhalten, nachdem sie sich im normalen Gartenboden etabliert hatten. Ich geize die Pflanzen auch nur sehr selten aus, was die Ernte erhöht. (Doch dieses Durcheinander muss man mögen .)
Wenn deine anderen Sorten aus eigenem Saatgut gezogen sind, sind sie an die hohe Gießmenge angepasst. (So wie meine Sorten an die eher mäßige Versorgung mit Gießwasser )
Dazu kommt noch, dass diese Sorte woanders „groß“ geworden ist und einfach andere Bedingungen hatte, bis sie bei dir eingezogen ist. Vielleicht bekommt sie ja zukünftig noch mal eine Chance mit selbst gewonnenen Saatgut .
Dir weiterhin viel Freude und Erfolg beim Gärtnern und Bloggen und gute Ernten.
19. September 2026 um 13:28
Guten Tag, gerade habe ich deinen Tomatenbericht gelesen. Mein Eindruck ist, dass Du viel zu viel gegossen hast und sich da vermutlich eine Krankheit breit gemacht hat. Ich giesse meine Tomaten im Gewächshaus und draussen seit Jahren höchstens alle drei Tage und das klappt wunderbar. Tomaten können sehr tief wurzeln. Auch vermeide ich dadurch die Braunfäule.
19. September 2026 um 13:46
Ich würde anhand der Bilder mal behaupten das es sich bei deiner Tomate eher um Schlingel Filou handelt. https://www.lubera.com/de/shop/freilandtomate-opensky-schlingel-filou_produkt-2284319.html.
Schlingel Max und Moritz sind rote Tomaten ohne diesen deutlich sichtbaren Schwarzanteil.
Schlingel Max und Moritz waren in diesem Jahr bei mir aber auch deutlich vitaler als die schwarze Schlingel Filou.
21. September 2026 um 00:00
Ich glaube die Tomaten wurden ertränkt. Meine Buschtomaten im Freiland wurden beim Pflanzen gut angegossen und dann kaum noch, auch diesen Sommer nicht und sie tragen massenweise Früchte. Manchmal wenn sie den ganzen Tag an der prallen Sonne schlapp hingen, haben sie sich in der Nacht wieder erholt, auch ohne giessen.
21. September 2026 um 13:56
@alle: danke für Eure Kommentare und Ideen! Ja, ich glaube jetzt auch, dass das viele Gießen nicht gut war – ist halt schwer gefallen, die PFlanen „leiden“ zu sehen in der Hitzewelle. Und ja, es war die Freilandtomate OpenSky® Schlingel Filou® – da hab ich mich beim Bloggen vertan!
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26. September 2026 um 15:19
Ich hab jedes Jahr über 100 Tomatenpflanzen sowohl draußen als auch im Folientunnel. Dieses Jahr hatte ich eine Handvoll Pflanzen, die genau so aussahen wie Deine hier, mit einzelnen vertrockneten Blättern. Ersatz konnte ich es mir auch nicht erklären, ertränkt hab ich sie ganz bestimmt nicht. Aber irgendwann hab ich Spinnmilben entdeckt. Und zwar nur an denjenigen Pflanzen mit den vertrockneten Blättern. Ich hab dann Raubmilben besorgt, und die neuen Triebe wachsen nun gesund nach.