Nicht lange nach unserer Übernahme des damals noch garnicht „wilden“ Gartens haben wir einen typischen Anfängerfehler gemacht: ca. 8 Meter zum Nachbargarten waren kaum bepflanzt, es herrschte freie Sicht in beide Richtungen. Wobei das „drüben“ in etwa das Gegenteil dessen zeigte, was wir mit unserem Garten vorhatten. Eine Hecke musste her – und gerne schnell!
Wir pflanzten also Heckenpflanzen aus der Umgebung, von denen wir schon wussten, dass sie zügig wachsen: Gemeiner Flieder und heimischer Hartriegel. Und ach wie schön: es ging wirklich schnell, dass an diesem Gartenrand ein dichtes Gebüsch entstanden war, das sich aber auch gerne ausbreitet.

Ja, Hartriegel hört eben nicht auf, zu wachsen, wenn es genug ist. In der Höhe jedes Jahr locker 40 cm und mehr, aber dann eben auch unterirdisch, über Wurzelausläufer, die „überall“ ihre Triebe nach oben schicken: Ausbreitung, Raum gewinnen – und seitdem bekämpfen wir dieses Verhalten mühevoll – und es nervt!
Da der Nachbar sich auch garnicht mehr im anliegenden Gartenbereich aufhält, überlegen wir zur Zeit, ob und wie wir das Hartriegelgewirr beseitigen könnten und wie wir es gerne ersetzen würden. Sowas wie Thujas kommt natürlich nicht in Frage, es sollte schon eine insektenfreundliche Hecke sein, bzw. gern gleichzeitig auch ein „Vogelschutz- und Nährgehölz“. Diese sind meist auch gleich insektenfreundlich (Vögel fressen die Beeren / Samen, Bienen et al besuchen die Blüten).
Klassische Obstgehölze – oder was?
Ein paar neue Beerensträucher wären eine Option, davon haben wir nicht viele, sind aber auch nicht sehr erfolgreich im Anbau. Warscheinlich müsste wir sie mehr päppeln. Immerhin: Grundsätzlich sind klassische Beerensträucher insektenfreundlich, denn ihre Blüten bieten Honigbienen, Wildbienen und Hummeln wertvollen Nektar und Pollen. Besonders beliebt bei Insekten sind Himbeeren und Brombeeren, sowie Johannisbeeren und Stachelbeeren. Haben wir alle, aber nur die (wilde) Brombeere prosperiert so richtig – fast mit demselben Ausbreitungsdrand wie der Hartriegel! Die Ergebnisse engagierter Züchter tun sich eher schwer…

Brombeerhecke
Was, wenn keine Beeren? Dass die Hecke in Spe den Vögeln und Insekten etwas bieten soll, ist das eine. Die einzelnen Gehölze müssen aber auch winterhart sein, was z.B. die beliebte Glanzmispel (als Neophyt sowieso umstritten) nicht überall ist. Auch der für Berlin typiachew sandige Grund mit Neigung zur Trockenheit sollte für die Pflanzen kein Mega-Hindernis sein!
Bienenfreundlich“ ist nicht gleich insektenfreundlich
Wussted Ihr das? Es gibt ja nicht nur die Blüten für Pollen und Nektar, wodurch viele Gehölze als „bienenfreundlich“ gelten, die ansonsten aber nicht viel bieten. Auch die Blütezeit spielt eine Rolle: Wenn nur zwei Wochen im Frühling auf den Blüten viel los ist, aber das dann alles war, ist der ökologische Gesamtwert auch nicht besonders hoch.
Wenn ich nun Gehölze recherchiere, die sowohl für Bienen, andere Insekten und Vögel viel bieten, werden mir heimische Büsche wie Weißdorn, Schlehe, Gemeiner Schneeball, das Pfaffenhütchen und Bauernrosen angeboten. Schön und gut, aber die werden gerne recht breit, so viel Platz ist da garnicht. Und für den Schneeball passt der Boden nicht.
Also vielleicht noch ein paar Kupferfelsenbirnen?. Davon haben wir schon einige und sind begeistert. Nicht nur Insekten und Vögel mögen sie, die kleinen blauschwarzen Beeren schmecken auch uns – wenn wir denn welche abbekommen! Und im Frühjahr blüht sie üppig und verlässlich.

Kupferfelsenbirne, blühend
Tabula rasa?
Es gibt noch eine andere Idee, die einiges für sich hat: Wir entfernen die aktuelle Hecke so gut es geht, legen dann einen Streifen Teichfolie auf die Erde – und darauf kommt eine Reihe Bautuppen (40 x 40 x 80), in denen wir anderswo Tomaten pflanzen.

Hinterm Gartenhaus: 7 Bautuppen, die mit Tomaten bepflanzt werden.
Ob sich der gut eingewurzelte Hartriegel auf diese rüde Art „umbringen“ ließe, steht allerdings in den Sternen! Zum Nachbarn hin müssten wir vielleicht sogar eine Wurzelsperre setzen, aber zur Gartenmitte hin wären Austriebe zu erwarten.
Noch ist nichts entschieden.Vielleicht habt Ihr ja noch andere Vorschläge? Dann bitte gerne in den Kommentaren!
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Wilde Brombeeren, naturnahe Gärten und ein bisschen Gartenphilosophie
31. Juli 2026 um 15:49
Früher war eine Hecke einfach eine Hecke. Heute muss sie gleichzeitig Insektenhotel, Vogelrestaurant, Sichtschutz, Klimaanlage, Nahrungsergänzungsmittel und ästhetisches Statement sein. Man wartet fast darauf, dass der Weißdorn beim Pflanzen eine kleine Präsentation hält: „Guten Tag, ich unterstütze Biodiversität, speichere CO₂ und passe farblich hervorragend zur Terrasse.“
Ich wünsche viel Erfolg beim Kampf gegen den Hartriegel. Wobei ich vorsichtig wäre. Nach allem, was man so hört, hat dieser Gegner Zeit.
31. Juli 2026 um 17:24
@Bock: danke für deinen Kommentar! Unser Anspruch an die Hecke kommt im Rahmen des Projekts, unseren Garten möglichst naturnah zu gestalten – trotz bzw. mit der in KGAs vorgeschriebenen „kleingärtnerischen Nutzung“.
Wer einen Zier- oder Erholungsgarten plegt, wird andere Ansprüche an die Hecken haben!
Unseres Erachtens spricht für die möglichst insekten- und vogelfreundlichen Hecken, dass wir Menschen der Tierwelt jede Menge Raum genommen, ihn allein für unsere Zwecke bebaut, asphaltiert und chemisch gestützt belandwirtschaftet haben. Die Masse der von Menschen gemachten Technosphäre hat die gesamte lebende Biomasse der Erde (die Biosphäre) sogar inzwischen übertroffen.
Da schaffen wir gerne ein wenig Ausgleich, verzichten auf den Sichtschutz und viel Ästhetik, wie sie in der Gartengestaltung vielfach praktiziert wird.