Bodenvorbereitung: Umgraben?

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Das Umgraben der Beete im Herbst kommt langsam aus der Mode. Immer mehr Publikationen und naturnahe Gärtner haben einiges an Überzeugungsarbeit geleistet, so dass diese herbstliche Mega-Maloche an Beliebtheit deutlich verloren hat. Ein guter Boden ist ein LEBENDIGER Boden – also einer, in dem Kleinlebewesen zusammen mit der Erde und den Pflanzenwurzeln ein fröhliches „Bodenleben“ entfalten können. Das natürlich empfindlich gestört würde, wenn man mit dem Spaten ran geht und das Unterste zuoberst kehrt.

Was aber statt dessen? Zum Beispiel heißt es da auf Garten und Gartenpflege im Beitrag zur Bodenvorbereitung:

„Zuerst wird die oberste Bodenschicht umgegraben. Hieß es früher immer, gleich bis tief in die untersten Schichten zu graben sei das Beste, so weiß man jetzt, daß die Bodenorganismen beim Umgraben nicht zu sehr gestört werden sollten. Es ist also besser, die einzelnen Schichten getrennt zu lockern, man also die oberste Bodenschicht (ca. eine Spatentiefe) abhebt und dann wieder aufbringt, nachdem auch die tiefere Bodenschicht umgestochen wurde. „

Wirklich? Das ist doch immer noch „heftiges Umgraben“ – und vom Arbeitsaufwand glatt noch intensiver! WARUM überhaupt dieser Drang nach dem Umgraben? Ich würde mich freuen, wenn mal jemand, der das noch immer richtig findet, die Gründe dafür nennt. Vorstellen kann ich mir, dass es vielleicht was bringt, wenn der Boden eh total verdichtet ist – aber wo ist denn das in einem normalen Garten so?

Wir arbeiten nur oberflächlich Kompost ein und mulchen die Beete mit Grasschnitt und Blättern. Und wenn ich dabei zu sehr ins „lockernde Hacken“ verfalle, macht Matt seine Witze über solch „überflüssiges Sporteln“…

Was macht Ihr so zur Bodenvorbereitung?

Autor: ClaudiaBerlin

Claudia lebt und gärtnert in Berlin und bloggt seit 2005 rund ums naturnahe Gärtnern. Folge dem Blog auf Twitter.com/gartenzeilen - da gibts Lesetipps und allerlei Infos rund um unser tolles Hobby.

17 Kommentare

  1. Hallo Claudia,
    Umgegraben hab ich meine Beete seit der Neuanlage nicht mehr. Bei mir wird nur die oberste Schicht ab und zu geharkt (auch während des Sommers nach starken Regenfällen). Die schwere Arbeit lass ich mir von den Regenwürmern abnehmen, die dafür von mir regelmäßig mit Mulchkompost und Kaffeesatz gefüttert werden. Auch im Herbst, nach der abschließenden Staudenpflege, mulche ich zwischen den Pflanzen mit gehäxeltem Staudenschnitt und Laub. Ich hab festgestellt, dass das erste Harken dann im Frühling dann viel leichter von Statten geht, weil die Erde darunter trotz winterlicher Nässe immer noch relativ locker ist. Außerdem spare ich mir durch das Mulchen teuren Stauden- und Strauchdünger. Für die meisten Pflanzen genügt die zusätzliche Kopfdüngung mit Hornspänen im Frühling. Diese Bodenpflegemaßnahmen scheinen zu genügen, denn meine Pflanzen gedeihen prächtig.

  2. Nicht umgraben. – Aber bevor ich jetzt hier einen Roman schreibe, erlaube ich mir, auf einen Beitrag in meinem Blog zu verweisen, den ich dieses Jahr im Juli geschrieben habe „Gemüsegarten VII – Über das Füttern des Bodens“. Da beschreibe ich meine Art der Bodenvobereitung und des Umgangs überhaupt mit dem Boden im Garten.
    Liebe Grüße, Margit

  3. Die Biologie des GartenBodens ist ein komplexes Thema.Und ob Umgraben oder nicht wird in sämtlichen Gartenforen, die ich bisher so erforscht habe, lebhaft diskutiert, Ich erinnere mich auch gern an die verbohrte Penetranz eines Nicht-Umgrabers,der den Boden seines Gartens nur mit ‚heiligen‘ kupfernen Geräten behandelte und viele Jünger hatte.
    Da wir -wie ihr- im Berliner Raum gärtnern, haben wir es sowieso (meistens) mit sandigen Böden zu tun,die sowieso nicht umgegraben werden müssen.Wie Du ja selber feststellst, ist der Boden nicht verdichtet, was bei lehmigem Boden der Fall ist.
    Ich würde das Umgraben oder nicht Umgraben auch nicht als ‚Modeerscheinung‘ betrachten, hat doch beides IMO unter bestimmten Bedingungen seinen Sinn. Selbst wenn Du Dich für das Umgraben entscheidest und Bodenorganismen umbringst, durcheinender würfelst, kannst du darauf vertrauen, das alles sich mit der Zeit wieder regenerieren wird.
    In dieser Jahreszeit bearbeite ich mit Geräten nichts in meinem Garten, sondern verteile als Abdeckung Laub auf meinen Beeten. Im Frühjahr greife ich zur Grabgabel und Sauzahn, um den Boden etwas zu lockern und zu lüften.

    LG
    Sisah

  4. Meinen Versuch einen Kommentar zu diesem komplexen Thema zu verfassen habe ich wegen ausschweifendem Schwafelns abgebrochen und lieber gleich einen Blogpost draus gemacht ;-)

    Übrigens bezieht sich das Zitat in Deinem Post (glaube ich) auf eine spezielle Umgrabetechnik namens „rigolen„. Das ist eine Technik bei der man zur Bodenverbesserung (zum Beispiel um Ortstein zu brechen oder sowas) zwei Spaten tief umgräbt. Man möchte damit verhindern, das der tote Boden von tief unten an die Oberfläche befördert wird.

  5. Früher galt das Umgraben das wichtigste für eine erntereiche Zukunft. Was musste ich immer meinen Eltern helfen. Inzwischen graben meine Eltern nur noch Oberflächlich um und kommen auf gute Ergebnisse.

  6. Ich grabe auch gar nicht um. Im Frühjahr kommt Kompost drauf, fertig.
    Ich habe auch hauptsächlich Staudenbeet, da weiß ich sowieso nicht, wo ich da noch graben soll.
    Meine Eltern praktizieren das aber immer noch ganz vehement – weil sie es so gelernt haben und weil es dann ja so schön ordentlich aussieht…
    Viele Grüße
    Elke

  7. Hi zusammen!

    Also ich handhabe das mit dem Umgraben so, dass ich nur beim Anlegen von frischen Beeten oder bei sehr verdichtetem Boden den Spaten auspacke! Ansonsten reicht es meiner Meinung nach vollkommen aus, den Boden mit einer Hacke zu lockern! Ich hatte tatsächlich schon mit Böden zu tun, die dermaßen häufig umgegraben und gehackt wurde, dass die Hacke schon durch ihr Eigengewicht im Boden versunken ist! Das ist bezüglich der Bodenlebewesen und Bodenfeuchtigkeit selbstverständlich kontraproduktiv!

    Viele Grüße Torsten

  8. Ich danke Euch allen für die interessanten Beiträge! Bin auch nicht dafür, in Sachen Umgraben oder nicht fanatisch zu werden – alles hat bei entsprechenden Gegebenheiten seinen Sinn!

    Das mit dem „ordentlich Aussehen“ ist glatt einen eigenen Beitrag wert! Danke für die Inspiration! :-)

  9. Pingback: Umgraben oder nicht?

  10. Gründe umzugraben:
    – Schwere Böden (kalter Ton) lockern
    – Unkraut entfernen
    – Ernterückstände entfernen oder eingraben
    -. Von Krankheiten und oder von Schädlingen befallene Pflanzenteile entfernen
    – Den Boden dem Kosmos öffenen. (esoterisch)
    – Den Boden ins Chaos bringen (ist schon wieder esoterisch, ich weiss)
    – Bodengare auf schweren und trägen Böden.

  11. Nicht umgraben. Bei regelmäßig bearbeiteten Beeten ist das ist meist nicht nötig. Schwere, lehmige Böden bilden da allerdings eine Ausnahme. Hier muss einfach hin und wieder Luft reingelassen werden. Wer solch einen Boden im Garten hat, weiß, wie schwer es ist, den zu verbessern. Nach Jahrzehnten Kompost- und Humuswirtschaft wird dann feinkrümelige Erde draus. Aber immerhin hat man dann ja ein langfristiges Ziel. Die andere Ausnahme sind bestimmte Pflanzen, die man partout nicht haben möchte. Ackerschachtelhalm, auch bekannt als Zinnkraut, beispielsweise. Der hat angeblich zwei Meter lange Rhizome. Wir können das nicht bestätigen, bei uns brechen die nach 30 bis 40 Zentimetern ab. Diesen Lieblingsgegnern kommt man nur mit hinterhergraben bei. Oder man arrangiert sich und macht daraus eine die Stauden kräftigende Jauche. Das Gleichgewicht machts wie immer.

  12. Genau, kommt sehr auf die jeweilige Bodenbeschaffenheit an. Wir wohnen in Wurzen (nähe Leipzig) und diese Gegend ist für lehmige Böden bekannt. Also haben wir bereits vor einigen Jahren ein neues Beet angelegt und etwa 70cm Bodenmasse aufgetragen. Seitdem gehört Umgraben der Vergangenheit an!

  13. Früher galt das Umgraben das wichtigste für eine erntereiche Zukunft. Was musste ich immer meinen Eltern helfen. Inzwischen graben meine Eltern nur noch Oberflächlich um und kommen auf gute Ergebnisse.

  14. Ich halte es schon immer so, dass ich nicht umgrabe. Bisher hat es im Frühjahr immer gut ausgesehen. Auch Profis, die sich jeden Tag mit Gartenpflege beschäftigen, raten dazu, allerdings im Hinblick darauf, was auf dem Boden schließlich gepflanzt werden soll.

  15. Also, da kommt es ganz auf den Boden an. Ist dieser schwer und hat ein geringes Porenvolumen, dann ist Umgraben im Herbst durchaus sinnvoll. Die Schollen läßt man aufgebrochen liegen und läßt sie durchfrieren. Das nennt mach dann Frostgare weil die Boden-Kolloide durch das frieren und auftauen gesprengt werden und dies führt zu einem erhöhten Porenvolumen.
    Bei leichten sandigen Böden, und sowas habe ich auch im Garten, genügt Hacken.

  16. Ich habe vor in 3 Wochen einen Apfelbaum anzupflanzen. Ich habe das schon einmal im vergangen Jahr gemacht, auch ein Apfelbaum und er ist sehr gut angewachsen. Ich werde dies wie im letzten Jahr machen und den Boden ein gutes Stück weit ausheben und ihn dann ausschließend mit Muttererde ausstauschen. Es ist zwar ein Pflanzballen an dem jeweiligen Pflanzbaum dran aber um sicherzugehen das das anwachsen auch gut vonstatten geht tauscht man diesen gut aus.

  17. Hallo, ihr Gärtner,
    das kann doch wohl nicht wahr sein!Nicht umgraben!? Wo gibt es denn sowas?
    NEIN, so ist es nicht gemeint. ganz im Gegenteil!
    Seit 1983 grabe ich nichtmehr um. Auch eine Eigenheim-Baustelle, die 1996 in Kultur genommen wurde, hat noch keinen Spaten gesehen.Im März wurde mit schwerer Technik der vorher abgeräumte Mutterboden wieder aufgebracht. Unmittelbar danach wurde die komplette Fläche mit Stauden und Obstgehölzen bepflanzt. Auch wurden sechs Gemüsebeete besät und bepflanzt. Alle Flächenbereiche wurden nur mit dem Rechen eingeebnet und so pflanz- und saatfertig gemacht.Etwa 200m² Staudenfläche wurde nur gehackt, gemulcht und nie (!!) tief gelockert. Das Material stammt von den Stauden und es wird alle zwei Jahre mit Strauchhäcksel etwa 4-6cm dick gemulcht, und das seit nun fast 17 Jahren.
    Ein Wort zur Bodenart: schwere Böden eignen sich besser zum „Nichtumgraben“ als sandige. Solche schrumpfen und quellen und belüften sich dadurch selbst. Sand hat eine Einzelkornstruktur und sackt stark zusammen, er wird fest und die Poren verschwinden immer mehr. Also öfter tief lockern, damit wieder Porenhinein kommen. Und Regenwürmer lieben Lehm!!! Lufthaushalt und Wasserführung kann nur durch Würmer in ein gutes Maß gebracht werden. weiterhin sei angemerkt, dass Mulchen immer besser ist als Kompostieren. Wenn Mulch zersetzt wird kommt die Energie der Stoffe dem Bodenleben zu Gute, beim Kompostieren verflüchtigt die Energie und steht dem Bodenleben nicht zur Verfügung. Übrigens ist der Kompost endlich als Düngestoff deklariert! Dazu dient er eben auch!!! Und ergehört auf die Fläche auf der die Rohstoffe wachsen! Also auch auf Rasen, Wiese, Obstpflanzungen, Stauden und auch auf Gemüseflächen, aber eben nicht nur dorthin! Mag „schulmeisterlich“ anmuten, was ich hier schreibe. doch es ist eben auch nahezu 30 Jahre Erfahrung und ein Bodenkunde- und Mikrobiologie-studium bei exzellenten Lehrern. Und ich habe in 60 Jahren Berufsleben mit dem Boden viel mit- erlebt und mitgelitten. Anmerkungen zu anderen Komentaren: Boden darf nicht 70cm hoch aufge- schüttet werden. Auch darf darunter kein Mutterboden liegenbleiben. Zum Füttern der Bodenorganismen sei gesagt, dass das das wichtigste bei der ganzen Bodenpflege ist. Regenwürmer brauchen eine wenigstens dünne, gestreute Schicht aus organischen Stoffen. Bevor sie fressen sind schon ganze „Erdbevölgerungen“ davon satt geworden. Es greift eins ins andere. Mein Rat zum Schluss für alle Zuweifler und Verunsicherten: Ein Blick ins Buch (Internet) und zwei in die Natur. Denn sie macht es uns vor, nur sehen müssen wir es selbst.
    Mfg, Harald

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