Gartenarbeit: naturnah Gärtnern in der Kleingartenanlage

Wer in einer Kleingartenanlage (KGA) naturnah gärtnern will, muss zwei Ziele unter einen Hut bekommen: Einerseits das Ziel, den Garten möglichst „naturnah“ zu gestalten und insbesondere die Artenvielfalt zu unterstützen. Andrerseits müssen die Vorgaben der „Kleingärtnerischen Nutzung“ eingehalten werden, die das Bundeskleingartengesetz verlangt. Das bedeutet, dass in einem Teil des Gartens auf jeden Fall Gemüse angebaut werden muss. Zwar ist das keinesfalls ein ganzes Drittel der Fläche, wie es manchmal missverstanden wird, jedoch ist die Arbeit mit den Gemüsebeeten in jeder Saison keine zu vernachlässigende Größe. In diesem Artikel geht es um den Umfang der anfallenden Gartenarbeit und um die Möglichkeiten, sich dabei helfen zu lassen.

Arbeit sparen beim Gießen

„Naturnah“ ist nicht Wildnis!

Zur Arbeit rund ums Gemüse kommen noch vielerlei Gartenarbeiten, die auch im naturnahen Garten anfallen, denn „einfach alles wachsen lassen“ ist kein Konzept, das von den Vereinsverantwortlichen hingenommen wird. Das ist kein böser Wille oder Verharren in vorgestrigen Ideen vom „ordentlichen Garten“, sondern ergibt sich aus dem Bundeskleingartengesetz, dessen soziale Komponente (die uns allen eine geringe Pacht beschert) nun mal an die „kleingärtnerische Nutzung“ gebunden ist.

Um also einerseits genügend Beete vorzeigen zu können und andrerseits eine „naturnahe“ Gartengestaltung umzusetzen, die mehr ist als Wildnis, fallen doch ziemlich viele Arbeiten an:

  • Vorbereitung der Beete und Bepflanzung: Auch wenn nicht umgegraben wird und man dem Motto „niemals kahle Erde“ huldigt, muss doch jedes Jahr das Gras und anderer unerwünschter Bewuchs entfernt werden, der sich allzu gerne auf den Beeten ausbreitet. Wir lassen Blühpflanzen wie Braunelle stehen, um diese Bienenweide möglichst lange zu erhalten, aber spätestens im Mai ist es soweit: Kompost kommt auf die Beete, es wird gepflanzt und die Erde mit Mulch bedeckt.
  • Gemüse aus Samen vorziehen, sofern man keine Jungpflanzen kauft, sondern z.B. alte Sorten oder besondere Tomaten anbauen will.
  • Verteidigung der Nutzpflanzen gegen den Aufwuchs heimischer Kräuter, die es trotz Mulch (oder wegen zu wenig Mulch) schaffen („jähten“).
  • Gemüsepflanzen pflegen und Düngen, Herstellung von Pflanzenjauchen, Ausgeizen und Stützen der Tomate etc.
  • Gemüse schützen: Unter Umständen müssen junge Gemüsepflanzen vor Vögeln geschützt werden, z.B. durch das zeitweise Aufstellen von Netz- oder Folientunneln,
  • Bäume und Büsche beschneiden, auch Hecken:  Auch ganz ohne „glatt rasierte“ Hecken wachsen viele Gehölze zügig recht hoch und müssen im Zaum gehalten werden. Einen „naturnahen“ Anblick stellt man nicht mit der elektrischen Heckenschere her, sondern durch sensiblen, unterschiedlich hohen/tiefen Beschnitt. Das macht eher mehr Arbeit als die klassische Methode!
  • Obstbäume und Beerensträucher beschneiden, pflegen, gegen Schädlinge verteidigen (z.B. Leimringe).
  • Mähen:  auch ohne klassischen Rasen müssen Wiesen und grasbewachsene Pflegewege gemäht werden – nicht so oft wie ein „gepflegter Rasen“, aber doch mindestens zweimal im Jahr, häufig begangene Flächen auch öfter. Hierbei steht der Bedarf an Mulchmaterial (Grasschnitt) für die Gemüsebeete häufig dem Wunsch, nur höchst selten zu mähen, entgegen.
  • Komposthaufen pflegen, aufbauen, abbauen, Erde verteilen – viel Arbeit mit Schaufel und Schubkarren, die leicht auf den Rücken gehen kann!
  • Zusätzliche Erde zur Bodenverbesserung und Zusatzstoffe (z.B. Betonit) einbringen, sofern  – wie bei uns – der ganz normale Gartenboden eher sandig, trocken und wenig wasserhaltefähig ist. Hiefür müssen große Packungen heran geschafft und bewegt werden.

Kommen zu alledem noch Gartenprojekte wie Gartenteich, Trockenmauer oder das Anlegen aufwendiger Wege hinzu, kann so ein Kleingarten – je nach Größe – ganz schön viel Arbeit machen, manchmal sogar mehr, als ein klassisch „ordentlicher“ Garten.

Sich helfen lassen: Was geht?

Insbesondere ältere Gartenfreunde und -Freundinnen tun sich zunehmend schwer, alles, was anliegt und was man eigentlich sehr gerne tun würde, auch zu schaffen. Wer in einem privaten Garten werkelt, kann prinzipiell für alle Gartenarbeiten einen kundigen Gartenbauer beauftragen. Im Kleingarten sind dem enge Grenzen gesetzt, denn die Pächter sollen ja selbst „kleingärtnerisch nutzen“. Können sie das z.B. aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr, müssen sie den Garten kündigen und einem Nachfolger übergeben.

Gleichwohl kommen Einsätze von Fachkräften für größere Arbeiten auch in Kleingärten vor: Dachreparaturen, Errichtung von Gartenhäusern oder das Ausschachten für einen Gartenteich. Solche Arbeiten übersteigen oft die Kräfte und Kompetenzen der Pächter, deshalb wird das meist auch problemlos geduldet. Was man NICHT von Profis machen lassen darf, ist die „ganz normale Gartenarbeit“, denn das ist der Kern der „Kleingärtnerischen Nutzung“, die zu den Pflichten der Parzellenpächter gehört.

Aber: Darf man wenigstens Verwandte und Freunde mitgeärtnern lassen? Ja, das ist möglich! Zwar steht im Bundeskleingartengesetz in § 9 Abs. 1 Ziff. 1: „Der Verpächter kann den Kleingartenpachtvertrag kündigen, wenn 1. der Pächter …, das Grundstück unbefugt einem Dritten überläßt“, jedoch verbietet das lediglich die Unterverpachtung des gesamten Gartens an Dritte.

Die Mitbenutzung des Kleingartens von Dritten, die nicht zum Haushalt gehören, ist zum Glück keine Überlassung im Sinne des Gesetzes. Man kann deshalb nicht gekündig werden! Bedingung ist immer, dass der Pächter bzw. die Pächterin den Kleingarten in unmittelbarem Besitz behält und ihn weiter gemeinsam mit den Dritten bewirtschaftet. Das wurde auch schon gerichtlich so entschieden:

„Eine unerlaubte Drittnutzung liegt immer dann vor, wenn der Nutzungsberechtigte selbst die Nutzungsabsicht aufgegeben hat, beziehungsweise diese auf eine so geringe Tätigkeit beschränkt hat, dass der Drittnutzer die überwiegende tatsächliche Sachherrschaft des Gartens übernimmt (AG Frankfurt/Main NJ 2017, S. 466f.).“ (Mainczyk/Nessler, Kommentar BKleingG, rehm-Verlag 12. Auflage, S. 203 RN 8).“

Man darf sich also helfen lassen, wenn besonders viel Arbeit anliegt, z.B. während der Pflanzphase im Frühjahr, beim Heckenschnitt und natürlich auch während befristeter (!) Abwesenheiten wie Urlaub, Krankheit etc.. Auch das Begärtnern eines Beetes durch eine Freundin oder ein Familienmitglied ist keine unerlaubte Überlassung, da es unter Aufsicht und in Absprache stattfindet, zudem nur einen kleinen Teil des Gartens betrifft.

Arbeit sparende Gemüsebeete

Die besonders aufwändige Arbeit rund um die Gemüsebeete lässt sich auch durch die Wahl der Gemüsesorten mindern. Im Kleingarten spielt die Optik und der Raumbedarf der Pflanzen eine große Rolle, wenn es darum geht, mit wenig Aufwand ausreichend „kleingärtnerische Nutzung“ vorzuzeigen. So kann z.B. eine einzige rankende Kürbispflanze ein ganzes Gemüsebeet bedecken, auch Zucchinis breiten sich bis zu 80/100 cm aus – sie benötigen also viel Platz für sich, der nicht mit weiteren zu pflegenden Gewächsen bepflanzt werden muss.

Im Artikel „Weniger Arbeit mit der Kleingärtnerischen Nutzung“ haben wir neun Arbeit sparende Gemüsepflanzen beschrieben, die sich in unserer Praxis bewährt haben. Arbeit sparend ist aber auch eine veränderte Einstellung, zum Beispiel in den folgenden Punkten:

  • Perfektion gar nicht erst anstreben:  Wenn alles blüht, was blühen soll, und von den meisten Gemüsepflanzen auch etwas geerntet werden kann, ist das doch schon ein Erfolg! Wir betreiben schließlich keine Landwirtschaft, die zwingend effektiv sein muss, sondern gärtnern aus Spaß an der Freude.
  • Gelassenheit im Umgang mit Schäden:  Wenn der echte oder falsche Mehltau im Spätsommer die Zucchinis befällt, kann man mit Hausmitteln im Abstand von 2 Tagen mehrfach spritzen. Man kann es aber auch lassen, denn meist erntet man auch so genug Zucchinis.
  • Es gibt kein Unkraut, nur Wildkraut: Wer ständig alles ausreisst, was nicht ins Gartenkonzept passt, sollte das Konzept ändern! Jedenfalls dann, wenn der Arbeitsaufwand sinken soll, aber auch zu Gunsten der Insekten, Vögel und Kleinlebewesen. Heimische Wildpflanzen sind die Stars optimaler Anpassung ans jeweilige Gelände und bieten vielen Insekten Nahrung. Wo sie nicht wirklich stören und das Wachstum der Gemüsepflanze krass behindern, sind sie ein Beitrag zur Artenvielfalt im Kleingarten – und keine Arbeitsaufforderung!

FAZIT: Gelassenheit ist das Schlüsselwort, um nicht den gärtnerischen BurnOut zu riskieren! Und was alleine nicht schaffbar ist, funktioniert mit ein bisschen Hilfe aus dem Freundes- und Verwandtenkreis. Je nach zwischenmenschlicher Situation in den jeweiligen Kleingartenvereinen helfen auch mal Gartennachbarn oder andere Vereinsmitglieder. Man muss sich halt überwinden und auch sagen, wenn man ein Problem mit dem Bewältigen der einen oder anderen Gartenarbeit hat!

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