Gastbeitrag: Projekt Streuobstwiese – eine Tragödie

| 9 Kommentare

Dies ist ein (verdammt trauriger) Gastbeitrag von Inga vom Patchworkhof, den ich hier gerne veröffentliche. Es ist nicht zu fassen, wie ignorant in Stadt und Land mit Bäumen umgegangen wird – und immer wieder die Kettensäge siegt. Lest den Artikel bitte trotzdem zu Ende, evtl. gibt es hier noch eine Chance!

Wie soll man diese Tragödie beschreiben? Acht Apfelbäume auf einer Weide, die darauf warten, abgesägt und als Feuerholz verbrannt zu werden. Direkt daneben die fünf Stümpfe der Bäume, denen dieses Schicksal bereits im letzten Winter zuteil wurde.

die gefährdeten Obstbäume

Ich kam zu spät, wußte von nichts, konnte es nicht verhindern. Jetzt weiß ich, kann aber offensichtlich immer noch nichts ändern. Meine bisherigen Bemühungen – Gespräche mit der Besitzerin, ihrem Sohn, dem Pächter, meinen Nachbarn, Anfrage wegen finanzieller und ideeller Unterstützung bei der Bingo-Stiftung, ein erläuternder Brief mit Kaufangebot für ein Teilstück – waren leider alle erfolglos.

Ist das pathetisch? Übertrieben? Gefühlsduselei einer Großstädterin, die eben die Realitäten des Landlebens nicht kennt? Es macht mich traurig und wütend, wenn ich mir vorstelle, dass ich irgendwann heimkommen und auch die letzten Bäume fein säuberlich zersägt daliegen sehen werde. Ich bin mutlos und resigniert, wenn ich daran denke, was ich alles gesagt, geschrieben und versucht habe, um diese letzten Veteranen zu schützen.

Reden genügt nicht

Wieder einmal zeigt sich, dass „mit Engelszungen reden“ nicht genügt und nur „Silberlinge“ die Macht hätten, um diese Situation zu ändern. Wenn überhaupt, dann würde sie das gesamte Stück verkaufen (sechs Hektar Weideland, derzeit verpachtet, im vorderen Teil stehen die Apfel- und noch 14 weitere Laubbäume), wohl wissend, dass ich die vermutlich rund 60.000 Euro nicht habe und sich die Sache damit von selbst erledigt.

Ist aber die Idee eine Streuobstwiese aufzubauen wirklich so realitätsfern und illusorisch?
Harte Fakten, die eindeutig dafür sprechen, gibt es doch genug: Flächen mit alten Obstbäumen, sog. Streuobstwiesen, dienen zahlreichen Tieren und Pflanzen als Lebensraum, z.B. Bienen, Libellen, Schmetterlingen, Vögeln, Heilkräutern, Salamandern und hier in Niedersachsen auch dem selten gewordenen Steinkauz.

Intensive Bewirtschaftung frisst Lebensraum auf

Seit den 60er Jahren sind rund 70% solcher Flächen verschwunden, weil sie als reine Grünland- oder Ackerfläche genutzt und damit verbunden meist intensiv bewirtschaftet werden, d.h. durch die Maschinen und den verstärkten Einsatz von Dünger, Unkraut- und Schädlingsvernichtungsmitteln sind viele Wildpflanzen und Tiere vertrieben worden.

Diese Flächen haben aber zahlreiche wichtige Funktionen im Kreislauf der Natur: Durch Bäume und Hecken und den höheren Bewuchs unter den Bäumen halten sie den Wind und starke Sonnenstrahlung ab und
schützen so den Boden vor Austrocknung, Abtragung und Verdichtung, was wiederum zu Überschwemmung, Verschlammung und weiterer Bodenabtragung führt.

Zahlreiche Tiere und Pflanzen, die diesen Lebensraum bevölkern, stehen inzwischen schon auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten, ja der Lebensraum selbst gehört zu den bedrohtesten Biotopen in ganz Europa. Landwirtschaft lebt aber von den „Kleinen“, sei es bei der Bestäubung auf dem Acker, sei es beim Erhalt eines guten Bodens in der Erde. Ohne Insekten, Würmer, Vögel, etc. gibt es auch keine Kulturpflanzen; das Bienensterben ist vielleicht eine Art Warnschuss, der uns zeigen soll, dass alles miteinander verbunden ist und jeder in diesem Kreislauf eine wichtige Rolle spielt.

Also lasst es uns doch allen Unkenrufen zum Trotz versuchen, lasst uns sammeln und zusammenlegen, dieses Stück Land kaufen und gemeinsam wertvollen Lebensraum erhalten!

Danke.

Patchworkhof, Projekt für Mensch, Tier und Natur, näheres unter http://www.patchworkhof.de

***
BlogpatenschaftenDieser Gastbeitrag kam über das Projekt Blogpatenschaften zustande. Das wilde Gartenblog macht mit und bietet thematisch passenden Beiträgen von Menschen ohne eigenes Blog eine Plattform – und gerne auch Unterstützung beim Verfassen, falls nötig.

Ich freue mich, wenn du Artikel teilst, die du gut findest. Zum Datenschutz: Erst wenn du auf einen dieser Teilen-Buttons klickst, werden Daten an den jeweiligen Dienst übertragen. Mehr dazu unter Menüpunkt "Datenschutz".

Autor: ClaudiaBerlin

Claudia lebt und gärtnert in Berlin und bloggt seit 2005 rund ums naturnahe Gärtnern. Folge dem Blog auf Twitter.com/gartenzeilen - da gibts Lesetipps und allerlei Infos rund um unser tolles Hobby.

9 Kommentare

  1. Wie sieht’s aus mit einer Anfrage bezüglich Unterstützung beim BUND oder NABU – jeweils die hoffentlich sehr aktive lokale Ortsgruppe? Beide Naturschutzverbände übernehmen immer wieder solche bedrohten Flächen und die haben beide im Hintergrund auch eine beeindruckende organisatorische Macht.

    Ganz ehrlich, ich tue mich schwer einem Privatmenschen für so ein Projekt zu spenden – anders sieht dies aus beim NABU oder BUND.

    Nichtsdestotrotz wünsche ich allen erdenklichen Erfolg!

  2. Danke für den Hinweis, ich habe bereits gemailt, ich bin jedoch was Vereine und größere Organisationen angeht ein „gebranntes Kind“…

    Aktuelle Infos zum weiteren Verlauf und zur Vorgeschichte findet ihr hier:
    http://patchworkhof.blogspot.com/2010/10/da-ich-das-projekt-streuobstwiese-immer.html

  3. Kann leider auch nicht von mir sagen, dass ich Vereinen wie der NABU sonderlich vertraue. Nehmen die nicht nur die Gelder und stecken die sich selber ein? Darum gehts doch hier, jetz, oder? Nee also ich fürchte ich wäre da auch nicht bereit zu spenden, sorry.

    aber auch ich wünsch dir viel erfolg noch weiterhin!

  4. @sendrix

    nein, darum gehts hier NICHT!!! ich bin definitiv die letzte, die Geld sammeln will, um es in die eigene Tasche zu stecken, und wer Interesse hat, was ich hier auf meinem Hof bereits auf die Beine gestellt habe, kann sich gerne mal auf meiner Homepage umschauen oder von mir aus auch direkt vorbeikommen, ich habe nichts zu verbergen.

    Ich bin es mittlerweile wirklich leid, ständig mit meiner Arbeit erstmal unter Generalverdacht zu stehen und mich für mein rein ehrenamtliches Engagement rechtfertigen zu müssen, nur weil ich keine Gemeinnützigkeitsbescheinigung vorweisen kann.

    Ich hatte übrigens fast 3 Jahre eine gemeinnützige GmbH, was für mich sehr viel zusätzliche Arbeit bedeutete, in bezug auf Spenden allerdings völlig umsonst war. Daher glaube ich fast, die Leute, die mich mit dem Hinweis abwimmeln, sie spenden nur an „seriöse Organisationen“, schieben das auch nur vor und spenden vermutlich überhaupt nicht.

    Mir geht es um die Bäume, um den Erhalt eines selten gewordenen Lebensraums, ich kann mich nunmal nicht einfach mit der „Realität“ abfinden und versuche es eben auf vielfältige Weise. Ich will mir nicht irgendwann vorwerfen müssen, ich hätte nicht alles versucht. So, süßliches Gelaber, fromme Wünsche und dumme Sprüche liegen mir nicht, mir gehts um Nägel mit Köpfen.

  5. Nachtrag 10.11.

    Auf meine Anfrage nach dem ha-Preis hier in Hasenfleet habe ich von Frau Förster vom Landvolk Hadeln eine schnelle und sehr wichtige Info erhalten, danke. Wir brauchen also gar nicht soviel wie ursprünglich veranschlagt, sondern max. € 33.000.- Vielleicht ermutigt das den ein oder anderen doch noch zu spenden?

    Hallo Frau Wocker,

    ich kann Ihnen gerne anhand der sog. Bodenrichtwerte (wird 1 x pro Jahr vom Landkreis Cuxhaven erstellt aufgrund der physischen theoretischen Ertragskraft und Bodenwerten) für den Bereich Hasenfleet Hier: Grünland steht der hektar JE NACH BODENBESCHAFFENHEIT (d. h. bei Staunässe durch moor weniger als bei drainageflächen etc.) zwischen 4.000,– und max. 5.500,– Euro.

    Ich hoffe ich konnte Ihnen damit weiterhelfen. Toll, dass Sie die Bäume retten wollen!!!

    Mit freundlichem Gruß aus dem
    Haus der Landwirtschaft in Otterndorf

    Sabine Förster

  6. Nachtrag 16.11.

    Streuobstwiesenprojekt gestern beim NaBu und heute beim BUND vorgestellt.

    5 Apfelbäume alte Sorten als „Ausgleichsmaßnahme“ gepflanzt.

  7. Frau Wocker sucht für alles und jeden Spenden.
    Sie will damit nur Ihren Schrotthof finanzieren.
    Frau Wocker versucht die Welt zu verändern, in dem Sie Leute gegeneinander aufhetzt. Frau Wocker, erzählen Sie doch mal wie Sie Ihrem Mist auf dem Hof lagern und wo die Jauche abbleibt! Und, haben Sie eine Kleinkläranlage, die auch dem Grundwasser gegenüber dicht ist?

  8. Pingback: Good Food for us

  9. Pingback: Berliner Blogs im Wikio-Ranking Februar 2011

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.