Gekündigt – wilder Garten auf Abruf

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„Euer Garten kommt mir langsam richtig vertraut vor“, schreibt uns der Draußen-Blogger in einem netten Kommentar. Das nehme ich jetzt mal zum Anlass, die Situation des „wilden Gartens“, der uns ja (leider!) nicht gehört, zu schildern: Wir bekamen den Garten im August 2006 „zur kostenlosen Nutzung“ im Tausch gegen Grundstückssicherung und Müllbeseitigung. Es war dieselbe Vereinbarung „mit 14-tägiger Kündigungsfrist“, die auch schon unser Vorgänger mit dem Hamburger Anwalt hatte, der die Grundstückseigentümer (eine Erbengemeinschaft) vertrat.

Von Anfang an hab‘ ich mir immer also immer wieder gesagt: diese grüne Idylle kann von jetzt auf gleich weg sein, häng also dein Herz nicht zu sehr daran, plane nichts für die Ewigkeit, sondern genieße den heutigen Tag!

Wilder Garten im September

Gekündigt und geduldet

Es war trotzdem ein Schock, als Ende Juli die Kündigung des Nutzungsvertrages zum 9. August im Briefkasten lag. Dass es so schnell gehen würde, hatten wir ja dann doch nicht gedacht! Ich traf mich dann mit Matt im Garten, wo sich (Zufall? Intuition?) wenig später auch unser Vorgänger Peter einfand, der uns noch gelegentlich besucht. Unsere Vermutung, dass es unser Nachbar ist, der den Garten gekauft hat, hat sich dann schnell bestätigt – zu ihm (ein eingewanderter Gebrauchtwagenhändler aus Kasachstan) hat Peter nämlich einen ganz guten Draht. Und so erfuhren wir, dass nun zumindest keine sofortige Räumung erwartet wird, sondern wir erstmal weiter als „beschützende Nutzer“ geduldet werden.

Bis wann? Das wissen wir nicht, doch stellt uns der Nachbar und neue Eigentümer in Aussicht, es „sehr rechtzeitig“ anzusagen, wenn er das Grundstück braucht. Ich rechne also fest damit, den Rest des Jahres noch im wilden Garten zu verbringen – ob es noch ein weiteres Jahr werden wird, wird sich zeigen.

Ich musste die neue Lage erstmal ein wenig verdauen, bevor ich hier darüber schreibe. Es ist ja nicht nur der wundervolle Garten, um den es geht, da hängt ja auch „das wilde Gartenblog“ dran, mittlerweile ein wichtiger Teil meiner virtuellen Existenz und Weblandschaft.

Wildes Bloggen geht auch ohne!

Hopfen an PlakatwandWas soll daraus werden, wenn der Garten weg ist? Ich merkte schnell, dass ich nicht bereit bin, mich vom Garten-Thema wieder abzuwenden. Einen Nachfolge-Garten, der auch nur annähernd dieselben Bedingungen bietet, kann es allerdings nicht geben, das ist klar! Der wilde Garten liegt auf dem Fußweg zwischen meiner und Matts Wohnung, ist groß, kostenlos und hat keine Nachbarn, die einem vorschreiben, wie man zu gärtnern hat. So etwas ist ein einmaliger Glücksfall, jeder neue Garten wäre etwas ganz anderes.

Was immer wir da suchen und vielleicht irgendwo weiter draußen finden, wird Thema des Blogs sein, doch werde ich unabhängig davon die Inhalte verbreitern: der „Draußen-Blogger“ macht es vor und auch in der Stadt gibt es viele Orte, die etwas vom „wilden Garten“ haben: Brachgrundstücke, verwilderte Ecken, von Mietern begrünte Höfe und Baumscheiben, Vorgärten – und warum nicht auch mal andere Gärten besuchen und drüber schreiben? Es soll sogar „Kolonien“ geben, in denen es nicht so heftig reglementiert zugeht.

Wenn kein eigener Garten mehr da ist, werden auch die Berliner Großgärten öfter einen Besuch wert sein: der Britzer Garten, die „Gärten der Welt“ im Erholungspark Marzahn und der Natur-Park Schöneberger Südgelände.

Kurzum: Das wilde Gartenblog wird bleiben – auch ohne „wilden Garten“!

Autor: ClaudiaBerlin

Claudia lebt und gärtnert in Berlin und bloggt seit 2005 rund ums naturnahe Gärtnern. Folge dem Blog auf Twitter.com/gartenzeilen - da gibts Lesetipps und allerlei Infos rund um unser tolles Hobby.

8 Kommentare

  1. Ohje, das ist aber eine schlimme Nachricht! Nun lese ich seit geraumer Zeit immer wieder hier „rein“, wollte heute endlich mal einen netten Kommentar hinterlassen und dann lese ich von der Kündigung…
    Auch wenn man beschließt, sein „Herz nich dran zu hängen“, so macht einem die Natur da schon schnell einen Strich durch die Rechnung. Pflanzen werden auch zu Vertrauten, zu Mitbewohnern, zu geliebten Geschöpfen. Sie hinter sich zu lassen, ist gar nicht so einfach.
    Ich wünsche euch jedenfalls, dass ihr wieder ein euren Vorstellungen entsprechendes „wildes“ Stück Garten findet und dort weiterhin die Natur genießen und beobachten könnt.
    Liebe Grüße, Margit

  2. Ich hoffe doch, du schaust auch weiterhin rein – das wilde Gartenblog bleibt nämlich auf jeden Fall bestehen!

  3. Hi Claudia – Abschied und Neubeginnn, ein immerwiederkehrendes Thema, auch in meinem Leben.

    Vielleicht wird ja etwas noch tolleres draus, wer weiss? Ich jedenfalls bin jetzt schon neugierig auf Deine angekündigten Blicke ü b e r den Gartenzaun…und vor allem liiiebe ich die geheimen gründen Inseln in jeder Stadt, und seien sie auch noch so klein. – Du kannst meinetwegen mit Deinen Streifzügen morgen schon beginnen *g*
    Mylo

  4. Ein Ende sollte immer ein neuer Anfang sein! Und genau so seht Ihr es ja offensichtlich auch. Aber im ersten Moment fand ich diese Nachricht schon ein bisschen shocking, gerade auch weil Ihr der Welt hier zeigt, dass es auch „anders“ geht und dass ein Garten, der nicht der Erzeugung von Kartoffeln und Gemüse dienen soll, auch ein Ort sein kann, der Natur zulässt und dadurch reizvoll wird, dass keiner die totale Kontrollle versucht. Das ist es ja auch, was mich immer wieder an Euren virtuellen Platz zieht, denn ich halte es ähnlich und habe Ecken im Garten, wo ich Jahre nichts selbst verändert habe. Ich freue mich jedenfalls, dass Ihr der Welt an diesem Platz hier erhalten bleibt und harre der Dinge, die Ihr finden werdet!

  5. Das ist sehr schade, so ein Paradies direkt in der Innenstadt „dichtebei“ zu haben und es dann zu verlieren. Ich bin sicher, bei euer Kreativität wird Euch eine andere Möglichkeit einfallen, wild zu gärtnern. Ich bin gespannt, was ihr Euch einfallen lasst.
    Wir haben als naturverbundene Menschen über ein Jahrzehnt im Wedding gelebt, auch da ist mein Bezug zur belebten Umwelt nicht verlorengegangen, und da war die Stadt noch ummauert!

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