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Mein Balkongarten 2019

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Schon seit ich in Friedrichshain wohne, wächst „irgendwas“ in diversen Kästen auf meinem Balkon. Einen „Balkongarten“ nenne ich es aber erstmalig in diesem Jahr, denn bisher stand da meist nur Wildwuchs, gegen den ich als „wilde Gärtnerin“ nichts habe, im Gegenteil. Dabei sind auch jedes Jahr ein paar Tomaten, die „übrig geblieben“ sind, also im Garten keinen Platz mehr fanden. Zwar verschenke ich junge Tomaten an Nachbarn, doch alle werde ich nie los.

Alsdenn, ein Blick auf den Balkon und durchs Gitter auf den Rudolfplatz in Berlin Friedrichshain. Es ist ein Nordbalkon, der morgens etwa vier Stunden Sonne von schräg rechts (Osten) bekommt. Ganz links steht eine der zur Zeit vier Tomaten (alle Bilder sind per Klick/Touch vergrößerbar).

Balkongarten

Der Salbei stammt ursprünglich aus dem Supermarkt und ist prächtig angewachsen, treibt auch aus wie wild. Ich hätte nicht gedacht, dass er mit so wenig Sonne auskomme, so als „mediterranes“ Gewächs.

Salbei

Der hübsche Dauerblüher auf dem nächsten Foto ist eine „Schneeflockenblume“, allerdings in lila. Für mich ist diese Pflanze feine Premiere, weil ich bisher noch nie Einjährige fürs schöne Blühen auf dem Balkon angeschafft hatte. Dieses Jahr war mir allerdings wichtig, dass den Insekten etwas geboten wird, die ja leider ímmer weniger werden. (Gelistet ist die Schneeflocke und etliche andere im Ratgeber Insektenfreundliche Pflanzen für den Balkon. Leider sind ja viele gängige Balkonpflanzen steril!). Die Hummeln sind auf jeden Fall begeistert und besuchen die lila „Schneeflocke“ täglich.

Schneeflockenblume

Auch das Steinkraut ist ein intensiver Dauerblüher, doch die Hummeln mögen es eher nicht und andere hab‘ ich noch nicht gesichtet.

Weiter gehts mit einem Balkonkasten, der auf dem Boden steht:

Steinkraut

Den Thymian hab‘ ich angepflanzt, weil er später im Jahr intensiv blüht. In der Küche verwende ich ihn nur gelegentlich – und wieder wundert mich, wie prächtig er auf dem Nordseitebalkon gedeiht! Dahinter blüht Schnittlauch und im Vordergrund entwickelt sich die Kapuzinerkresse trotz der Enge im Kasten.

Thymian

Die nächste Pflanze, die ihre diesjährige Blüte schon hinter sich hat, hat sich selbst eingefunden – keine Ahnung wie! 2018 hat sie nicht geblüht und ich fragte damals „Wer kennt diese Pflanze?„. „Kablu“ hatte Recht, es ist ein Veilchen – und zwar Viola sororia ‚Freckles‘, das Pfingst-Veilchen.

Viola sororia ‚Freckles‘

Entgegen dem Namen blüht es im April und Mai. Zum Fotografieren bin ich damals nicht gekommen, konnte es aber ergoogeln. Das Veilchen ist mehrjährig und frosthart, was es auf der im Winter recht kalten Nordseite schon unter Beweis gestellt hat.

Daneben wächst Oregano, ebenfalls aus dem Supermarkt, aber seitdem schon sehr viel größer geworden.

Oregano

Ein weiterer „Bodenkasten“ beheimatet Melisse, eine Zucchini und eine Malve, auf deren lila-weiße Blüten ich mich freue. Die Erde dieser recht voluminösen Kästen hab‘ ich lange nicht ausgetauscht, nur ein wenig ergänzt.

Balkonkasten

Die Zucchini ist die letzte der diesjährigen Anzucht, die ich einfach nicht wegwerfen wollte. Im Garten stehen schon neun Exemplare, mehr als genug für uns. Im engen Balkon hat sie natürlich nicht genug Platz, um ordentlich Früchte zu bringen – aber das war mir in diesem Fall egal, gelegentlich brate ich eine Blüte zusammen mit Ei.

Zucchinipflanze

Im oberen Bereich ist ein ganzer Kasten den drei Walderdbeeren vorbehalten. Ich hab‘ sie mir ausgesucht mit der Idee, dass sie als Waldbewohner den vielen Schatten auf der Nordseite sicher gut vertragen. Wie man sieht, stimmt das auch, sie sind größer gewordenund machen Ableger – auch ein paar der kleinen Erdbeeren konnte ich schon kosten.

Walderdbeeren

Ums Eck gibts noch einen schon mehrere Jahre alten Kasten voller Hauswurze und Akeleien. Die scheinen sich gut zu vertragen, die Akeleien blühen jedes Jahr und oft auch die Hauswurze. Die machen ihrem Namen „Sempervivum“ alle Ehre, denn sie halten an nahezu jedem Standort aus. Den Norden scheinen sie zu mögen.

Hauswurz und Akelei

In diesem Getränkekasten hab‘ ich vor Jahren mal Küchenabfälle und Reste verbrauchter Erde kompostiert. Versuchsweise ausprobiert, ob das funktioniert – und tatsächlich wurde alles zu Erde und noch keine Pflanze hat sich beschwert, hier im falschen Substrat zu sitzen. Hier wächst gerade Petersilie, Schnittlauch, Akeleien und ein Wildkraut, das ich noch nicht erkenne:

Dass das Kompostieren funktioniert hat, hat mich schon gewundert, denn im Kasten hat das „Bodenleben“ ja nicht diese Verbindung zur Umwelt. Trotzdem wurden die Küchenabfälle problemlos zu Erde – toll!

Obwohl ich mit über 800 m² Garten (in zwei Parzellen) eigentlich genug zu tun habe, freut mich dieses Jahr der heimische Balkongarten sehr! Es ist einfach eine angenehme Abwechslung, mal vom Platz vor dem PC aufzustehen und nach draußen in die kleine Pflanzenwelt zu treten, die sich hier entwickelt hat.

Autor: ClaudiaBerlin

Claudia lebt und gärtnert in Berlin und bloggt seit 2005 rund ums naturnahe Gärtnern. Folge dem Blog auf Twitter.com/gartenzeilen - da gibts Lesetipps und allerlei Infos rund um unser tolles Hobby.

3 Kommentare

  1. Pingback: Und ich geh‘ Blumen gießen… › Digital Diary – Claudia Klinger

  2. Herrlich, liebe Claudia, wie mir das gefällt!
    Erinnert mich etwas an die Leidenschaft meiner alten Eltern, die dauernd Pflanzen „retteten“, also weggeworfene von irgendwelchen Billigmärkten holten, containerten sozusagen, und aufpäppelten. Was da alles freudig wuchs…
    Gut, dass du hoch genug wohnst und keiner und keine darin rumpinkeln können.
    Schnecken hätten es auch schwer…
    Gruß von Sonja

  3. @Sonja: im 3.Stock sind aber leider auch nicht viele Insekten – bin jedes Mal gespannt, ob die Tomaten befruchtet werden, Bis jetzt hat es geklappt!

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