Wieder Kahlschlag in der KGA am E-Werk: Tschüss Flieder! Hallo dreckige Wand!

Dass ich hier über zwei Wochen nichts gepostet habe, liegt an einem neuerlichen Schock-Erlebnis, über das ich am liebsten gar kein Wort mehr verloren hätte, so sehr schlug es mir aufs Gemüt!

Nachdem letztes Jahr erst die großen Fichten im Nachbargarten rechts weggerissen wurden, die die ganze Atmosphäre im Garten so angenehm gemacht hatten, musste vor zwei Wochen auch die große Hecke und ein wundervolles Fliedergehölz zur rechten weichen. Was einst Stimmung, Grün, eine tolle Blüte und vor allem Sichtschutz geboten hatte, wurde mal eben – ratz fatz weg! – auf offiziell 1,25 Meter gekürzt, in Wahrheit aber noch deutlich niedriger abgeholzt.

Grüne Sichtschutzwand

Wieder passierte die Barbarei bei Gelegenheit eines Pächterwechsels. Unsere Nachbarin musste ihren Garten aufgeben, da sie es zeitlich nicht mehr schaffte. Den Kahlschlag auf vorschriftenkonforme, aber gegen jede gärtnerische Ästhetik verstoßende Minihöhe bekam sie als Auflage im Rahmen der Schätzung. Wofür wiederum der Kleingärtnerverband Lichtenberg zuständig ist, der schon bei den Fichten schriftlich sein Bedauern ausdrückte, gleichzeitig aber das Fällen, über das übliche Verfahren hinaus, mittels Druck auf den Nachbarn beschleunigte.

Sichtschutz weg, Flieder nieder gemacht

Der Kahlschlag betrifft die gesamte Hecke und das Fliedergehölz entlang des Zauns, der die beiden Gärten trennt. Konnte man vorher im eigenen Garten werkeln und auf der Terrasse sitzen, ohne der Nachbarin bei jedem Handschlag zuzusehen (und umgekehrt), ist jetzt alles hübsch übersichtlich. Ganz besonders idiotisch ist das im hinteren Bereich, wo jetzt einfach die grüne Wand weg ist, die bisher die hässliche graue Laubenrückseite verdeckt hat. Vollkommen sinnlos, ja geradezu mutwillig verhässlichend.

Kahlschlag

Auch unsere Nachbarin fand es alles andere als schön, das machen (lassen) zu müssen. Wir haben sie ziemlich deprimiert erlebt die letzten Male.

Alle Verbandsfunktionäre und andere Vorschriften-Durchsetzer werden natürlich wieder die Alternativlosigkeit dieser „Maßnahme“ betonen, wenn man sie fragt. Ohne Rücksichten auf die Erfordernisse im Einzelfall wird halt so ein Kahlschlag durchgezogen, dem hier wunderschöne alte Fliedergehölze zum Opfer fallen – an Stellen, wo es nichts zu sehen gibt außer einer dreckigen Wand!

Flieder-Hecke in voller Blühte

Da bleibt mir einfach die Spucke weg. Da könnt ich echt depressiv werden! Keine Lust, über dieses Elend auch nur ein Wort zu verlieren, doch kann ich auch nicht ohne Bericht einfach zur Tagesordnung übergehen und sehr interessante Käfer „verbloggen“.

Ich hoffe, nach diesem Beitrag wird das wieder besser.

Autor: ClaudiaBerlin

Claudia lebt und gärtnert in Berlin und bloggt seit 2005 rund ums naturnahe Gärtnern. Folge dem Blog auf Twitter.com/gartenzeilen - da gibts Lesetipps und allerlei Infos rund um unser tolles Hobby.

10 Kommentare

  1. Deinen Ärger kann ich gut versstehen, denn Flider wirkt ist ja nun kein Baum und im nächsten Jahr wird kein Stengel blühen.
    Ich wünsche Dir dass dein neurer Nachbar7-in diesen Flieder wieder höher wachsen lässt. ansonsten würde ich Ableger abstechen und die in einem meter Entfernung as büsche Pflanzen oder setze doch Mirabellen, die wachsen auch zu einer schönen dichten Obsthecke in einem Meter Entfernung und Obstgehölze sind doch erwünscht oder….
    mach Dir positive Gedanken, Ärger lohnt sich nicht
    Frauke

  2. Ach du Schreck!
    Mir fehlen die Worte…
    Aufbauen kann ich dich leider auch nicht.

    Meine Vermutung: Sie werden es vielleicht deshalb noch ein Stückchen tiefer abgeschnitten haben, in der Hoffnung, dass der Neuaustrieb dann von unten stattfindet und keine „Besenform“ entsteht.
    Wie gesagt, das ist bei dem entstandenen Anblick kein Trost.

    Das Fichten in Kleingartenanlagen irgendwann zu groß werden, kann ich verstehen, aber Flieder?
    Vor allem, wenn der Bewuchs den Nachbarn nicht stört, sondern sogar gefällt!

    Sei ♥ gegrüßt!
    Carola

  3. Einfach zu sinnlos. Aber wir haben in unserer Anlage mit dem selben Mist zu kämpfen. Ich hab es vorher nicht wahrhaben wollen, aber ich kann eigentlich niemandem mehr eine KGA empfehlen. Es ist genauso spießbürgerlich wie man es sich vorstellt und dieses abholzen muss sein, damit man weiter dem Nachbar auf den Gartentisch schauen kann.

    Einfach nur sinnlos und mir hat es den Spaß am Garten sehr schnell vermiest.

  4. Was wollt Ihr? Wir sind hier in Deutschland. Und hier gibt es für alles Vorschriften. Selbst dann wenn der gesunde Menschenverstand zu besseren Ergebnissen führen würde. Denn deutsche sind dumm und müssen zu allen sich bietenden Gelegenheiten bevormundet, drangsaliert und geknechtet werden.
    Da kann man im Kleingarten keine Ausnahme dulden! Nicht auszudenken, wo das hinführen könnte…

    Und natürlich kann man Pflanzen jederzeit nach Belieben zerhacken und zerstückeln. Sind doch keine Lebewesen. Nehme ich jedenfalls an. Schließlich sind des deutschen Lieblinge, Hund und Katz, nach dem Gesetz ebenfalls nur „Sachen“.

    Aber ich schweife wohl ein wenig ab.
    Ja, das sieht wirklich nicht sehr schön aus.

  5. Mir fällt leider nichts schneller wachsendes als ein Weidengeflechtzaun ein, der hoffentlich bald wurzelt und begrünt. So könnte das Elend möglichst schnell verdeckt werden. Der macht dann auf Dauer zwar auch Grenz-Ärger … Aber wenn der Flieder in einigen Jahren wieder gedeihen darf/kann. Könnten die Weiden ja problemlos geschnitten werden z.b als Beeteinfassungen oder für Rankgitter. Und vielleicht würde ein Geißblatt auch schnell zur frühen Begrüngung beitragen. Außerdem bietet es Blüten & Beeren und lässt sich später auch gut zurückschneiden.

    Da habe ich es mit der freien Sicht auf den Holzzaun zum Nachbargrundstück ja noch richtig gut. Aber selbst mir fehlt da die grüne Wand. Und so schnell wird sich das auch bei uns nicht wieder dichtwachsen …
    LG Silke

  6. Ich danke Euch für die tröstenden, ermunternden und kämpferischen Beiträge! Mittlerweile sind ja ein paar Tage seit dem Kahlschlag ins Land gegangen und natürlich denken wir an die verschiedenen Möglichkeiten, zu einer autarken ansehbaren Variante zu kommen (danke für die guten Tipps!). Evtl. stellen wir da ein mobiles Tomatenzelt hin, mal sehen.

    Was die kleingarten-politischen Aspekte angeht, so wäre es doch total idiotisch, so eine weiträumig etablierte und gesetzlich vor den Kräften der Märkte noch ein wenig geschützte KGA-Kultur einfach abzuhaken und sich abzuwenden. Die Alternative ist nur privater Reichtum mit Haus und eigenem (über Vorgartengröße hinaus gehendem) Garten – oder Guerilla Gardening, sowie das neue „mobile“ Gärtnern im sogenannten „Urban Gardening“.

    Und das darf ja wohl nicht alles sein!

    Dass es so ist, wie es ist, liegt wohl einfach an der Altersstruktur der Mitglieder und Funktionäre der KGA-Welt – und daran, dass auch die Jüngeren (das ist man in KGAs schon um die 50) im Garten gern ihre Ruhe haben, bzw. Erholung suchen. Und nicht eine weitere Front im Lebenskampf.

    Letzteres ist aber nun mal leider Illusion. Auch die KGAs sind keine Inseln der Seligen mit allenfalls ein paar Nachbarschaftsstreitigkeiten.

    Es gilt, „die Vorschriften“ einer kritischen Revision zu unterziehen, den Geist, der ihnen ja mal zu Grunde lag, auf modernere Weise in neue Regeln bzw. deren Fortschreibung zu gießen. Es ist z.B. ok, dass Spaziergänger aus der Umgebung in die Gärten sehen können sollen – schließlich handelt es sich NICHT um Privatgrundstücke, sondern um von der Allgemeinheit privilegierte, der totalen Verwertung entzogene Gebiete.

    Dem wird man aber gerecht, indem man die Hecken zu den Wegen hin durch- bzw. überschaubar macht. (Wir haben dafür z.B. die geschlossene Thuja-Reihe gelichtet). Wie eine Hecke, die nur zwei Gartennachbarn trennt, gestaltet wird, sollte jedoch den Beteiligten überlassen bleiben – nur bei Uneinigkeit sollte eine allgemeine Regel (oder besser noch die Entscheidung eines Vorstands) gelten.

    Nun, da ist vieles denkbar. Aber allein schon die Strukturen der einschlägig Verantwortlichen auf allen Ebenen des Gerangels um die Ausführungsverordnungen zum Bundeskleingartengesetz heraus zu finden, ist mühsame Kärrnerarbeit….

  7. Hallo,

    Die Engstirnigkeit so mancher Menschen hat eben keine Grenzen. Mir ist es im Sommer ähnlich ergangen, als ein neuer Nachbar einzog. Bei mir war es zwar kein Flieder, sondern eine ganze Reihe Brombeersträucher. Der nette Herr will auf dem Land wohnen, aber zu viel Grün stört ihn ganz offenbar. Er hat also die Blumenrabatten der Vorbesitzerin zubetoniert und seine Brombeeren und Himbeeren eben mal so weggespritzt. Und damit meine auch! Ich bin also total angewidert… Was weg ist ist weg…

    LG Chris

  8. Diese Vorschriften sind doch idiotisch. Welcher Vorteil ergibt sich denn daraus? Ich sehe da einfach keinen Sinn darin, so viel abzuholzen, dass ständig der Nachbar beobachtet werden kann – das hat doch mit Gemütlichkeit nichts mehr zu tun.

    Reine Dummheit, wirklich.

  9. Ja, die deutsche Bürokratie treibt einem manchmal schon die Zornesröte ins Gesicht. Da wird dann einfach mal ein wundervoller Fliederbusch abgeholzt – und damit wahrscheinlich auch noch der Lebensraum verschiedener Tiere. Fraukes Idee aus dem ersten Kommentar klingt doch ganz hilfreich: Ableger stechen und auf der eigenen Seite pflanzen.

    Liebe Grüße

    Mia

  10. Die Betonköpfe sind erst glücklich, wenn alle Gärten gleich aussehen, Individualität abgetötet ist und man stolz ist, das man wichtig ist und andere nach der eigenen Pfeife tanzen.

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