Brennnesseltee:
Über Inhaltsstoffe, Herstellung und Wirkung

Nun also der Brennnesseltee. Nach im „Wilden Gartenblog“ bereits viel über diese “bestechende” Pflanze geschrieben steht – von der Brennesseljauche, über die Brennesselsamen, bis hin zur ihrer mystifizierten Verklärung als angeblich halluzinogne Pflanze – soll es dieses Mal um die Nutzung der Brennnessel als Tee gehen.

Brennesseltee

Wir schauen uns an, welche Inhaltsstoffe in der Brennnessel stecken, welche Wirkungen man sich erhofft und was davon durch Studien belegbar ist. Wer sich dann dafür entscheidet, den Brennnesseltee in den Alltag zu integrieren, erfährt hier das Wichtigste über Ernte, Trocknung und Lagerung.

Die Brennnessel im Mini-Portrait

Bevor es um den Tee geht, an dieser Stelle einen ganz kleinen Überblick zur Brennnessel selbst:
Die Brennnessel wächst fast überall dort, wo der Boden nährstoffreich und feucht ist, also beispielsweise an Kompostplätzen oder neben Hecken. Dabei ist sie nicht nur eine Zeigerpflanze für fruchtbare Böden und Stickstoff, sondern auch eine Futterpflanze für die Raupen von Schmetterlingen.

Brennessel

Obwohl die Brennnessel in vielen Gärten zuhause ist, kennen wohl nur wenige ihren lateinischen Namen Urtica dioica.
Wurzel des Wortes Urtica ist “urere”, was so viel wie „brennen” bedeutet. Also nur allzu passend, dass die Brennnessel zur Namensgeberin für die Nesselsucht (Urtikaria) wurde. Im Falle der Brennnessel wird die schmerzhafte Hautreaktion durch in den Brennhaaren enthaltene Reizstoffe wie Ameisensäure und biogene Amine (wie Histamin) ausgelöst.

Ihren Ruf als Heilpflanze verdankt sie jedoch weniger schmerzhaften Inhaltsstoffen!

Die Inhaltsstoffe der Brennnessel

Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Brennnessel lassen sich in 3 Gruppen unterteilen:

• Mineralien: Eisen, Kalium, Kalzium, Magnesium und Silizium.

• Vitamine: Vor allem A und C, teilweise wohl auch K.

• Sekundäre Pflanzenstoffe: Flavonoide (z.B. Rutin und Quercetin), Kaffeesäurederivate, Chlorophyll, Lignane und mehr.

Die sekundären Pflanzenstoffe sind für vielfältige Wirkungen bekannt und stecken vor allem in den Wurzeln und jungen Blättern. Im Falle der Wurzeln sind es insbesondere Lignane und Phytosterole, die synergetisch zusammenwirken und in Form von standardisierter Extrakte zur Linderung von Beschwerden einer gutartigen Prostatavergrößerung (BPH) eingesetzt werden.

Wie wirkt Brennnesseltee laut Studien?

Doch wie sieht es beim Brennnesseltee aus, für den vor allem die Blätter verwendet werden? Die EMA (European Medicines Agency) unterscheidet hier ganz klar zwischen der traditionellen Verwendung (traditional use) und wissenschaftlich gut belegten Wirkungen (well-etablished use). Und im Falle des Brennnesseltees gibt es laut EMA keinen einzigen “well-etablished use”!

Das heißt aber nicht, dass der Brennnesseltee wirkungslos ist. Das Problem ist vielmehr, dass ein einfaches Naturprodukt wie getrocknete Brennnesselblätter nicht patentierbar ist und es kaum finanzielle Anreize für Pharmafirmen gibt, teure, großangelegte Studien zu finanzieren.

Die folgenden angenommenen Wirkungen des Brennnesseltees beruhen also allesamt auf Erfahrungswerten, Erkenntnissen aus kleineren, weniger aussagekräftigen Studien oder aus Schlussfolgerungen (Plausibilitäten).

1. Entwässernde und harntreibende Wirkung

Dem Brennnesseltee wird von jeher eine harntreibende Wirkung nachgesagt, weshalb er in manchen Kreisen auch als Getränk für den “Detox” empfohlen wird. Tatsächlich werden die in der Brennnessel enthaltenen Kaliumsalze und Flavonoide mit einer gesteigerten Harnausscheidung in Verbindung gebracht und wirken in der Theorie diuretisch bzw. aquaretisch.

Man könnte hierbei also von einer pharmakologischen Plausibilität sprechen, wobei es bis auf wenig aussagekräftige präklinische Studien an Ratten keine Belege für diese Wirkung gibt (z.B. Tahri et al., 2000).

Eine spezifische “entgiftende” Wirkung im Sinne des Detox lässt sich aus den verfügbaren Studien schon gar nicht ableiten.

2. Unterstützung bei Gelenkschmerzen und Rheuma

Die Wirkung von Brennnesselblättern bei Rheuma basiert auf zwei zentralen Forschungsansätzen:

  • Biochemisch belegte eine In-vitro-Studie (Riehemann et al., 1999), dass wässrige Blattauszüge den Entzündungsregulator NF-κB hemmen und so die Ausschüttung schmerzauslösender Botenstoffe wie TNF-α unterdrücken.
  • Klinisch zeigten Pilotstudien (Chrubasik et al.), dass die zusätzliche Gabe von Blattextrakten den Bedarf an klassischen Schmerzmitteln (NSAR) erheblich senken kann.

Für die Praxis gilt jedoch eine wichtige Einschränkung: Die Studien nutzten entweder hochkonzentrierte Extrakte oder standardisierte Kapsel-Präparate. Da Brennnesseltee einen deutlich geringeren Wirkstoffgehalt aufweist, ist er bestenfalls als sanfte, langfristige Begleitmaßnahme zur Unterstützung der Therapie einzustufen, erreicht jedoch nicht die klinische Intensität hochdosierter Extrakte.

3. Hormonelle Wirkung

Gelegentlich liest man von einem Einfluss der Brennnessel auf den Hormonhaushalt. Hier muss man jedoch differenzieren:
Während Brennnesselwurzel-Extrakte nachweislich den Stoffwechsel von Sexualhormonen beeinflussen (relevant bei Prostatavergrößerung), ist dieser Effekt bei einem Tee klinisch kaum relevant. Wer also eine hormonelle Wirkung sucht, müsste zu standardisierten Präparaten aus Wurzel-Extrakt greifen.

4. Weitere “traditionelle” Wirkungsweisen

Neben diesen Wirkungsweisen werden dem Brennnesseltee häufig noch die folgenden teils volksmedizinisch überlieferte Wirkungen nachgesagt, die jedoch weniger gut bis gar nicht durch Studien belegbar sind:

  • Positiven Einfluss auf die Symptome einer Rhinitis
  • Reduzierung von Entzündungsprozessen im Körper
  • Senkung des Blutdrucks
  • Senkung des Blutzuckerspiegels
  • Anregung des Stoffwechsels
  • Verbesserung des Hautbildes
  • Förderung des Haarwachstums (äußerlich angewendet)
  • Besserung bei Allergien (Heuschnupfen)

Anwendung und Dosierung des Brennesseltees

Brennnesseltee wird prinzipiell genauso zubereitet, wie die meisten anderen Tees auch und kann mehrmals täglich getrunken werden:

Zubereitung des Aufgusses:

  • Dosierung: 2-4 g getrocknete Brennnesselblätter (ca. 2 gehäufte Teelöffel).
  • Wasser: Mit ca. 150-250 ml siedendem Wasser übergießen.
  • Ziehzeit: 10 bis 15 Minuten. Den Tee dabei abdecken und danach abseihen.

Varianten:

  • Kaltauszug: Bei empfindlichem Magen können die Blätter 8-12 Stunden in kaltem Wasser ziehen. Dies löst weniger Gerbstoffe.
  • Frische Blätter: Wer frische Triebe nutzt, sollte die Menge verdoppeln (ca. 4-6 junge Triebe), da das Volumen durch das enthaltene Wasser größer ist. Der Geschmack ist deutlich „grüner“ und aromatischer.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Obwohl Brennnesseltee sehr sicher ist, gibt es einige Kontraindikationen:

  • Ödeme: Bei eingeschränkter Herz- oder Nierenfunktion darf keine Durchspülungstherapie mit Brennnesseltee durchgeführt werden, da die erhöhte Flüssigkeitsmenge eine zusätzliche Belastung darstellt.
  • Schwangerschaft & Stillzeit: Da keine ausreichenden Daten vorliegen, wird die Anwendung von Brennnesseltee während Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen.
  • Kinder: Eine Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren wird aufgrund mangelnder Datenlage ebenfalls nicht empfohlen.
  • Magen-Darm: Selten kann es zu leichter Übelkeit, Sodbrennen oder Durchfall kommen.

 Brennnesseln ernten, trocknen und aufbewahren

Auch wenn der gute Ruf der Brennnessel (-blätter) bislang nur bedingt durch Studien bestätigt werden konnte, erfreut sich der Tee allgemein großer Beliebtheit. Wer nun “auf den Geschmack” gekommen ist und die Brennnessel aus dem eigenen Garten zur Herstellung eines Tees verwenden möchte, sollte die folgenden Punkte beachten:

Die richtige Ernte

  •  Zeitpunkt: Die beste Zeit für die Ernte ist das Frühjahr (April/Mai), wobei nur die oberen 10-15 cm der Pflanze geerntet werden sollten.
  • Ort: Gedüngte Äcker (Nitratgehalt) und Straßenränder (Schwermetalle) sind unbedingt zu meiden.
  • Schutz: Da die Brennhaare ihre Wirkung erst durch Hitze, Trocknung oder starkes mechanisches Reiben verlieren, sollte man bei der Ernte Handschuhe tragen.

Brennnessel trocknen und lagern

Die geschnittenen Stängel sollten kopfüber an einem schattigen, luftigen Ort aufgehängt werden. Sobald die Blätter beim Anfassen rascheln und die Stängel knacken, sind sie trocken. Anschließend werden die Blätter gerebelt oder abgezupft und in dunklen Gläsern oder Blechdosen gelagert. So bleibt die Qualität etwa 9 bis 12 Monate erhalten.

Nachhaltigkeits-Tipp: Lasse immer einige Pflanzen für die Raupen des Tagpfauenauges oder des Kleinen Fuchses stehen, da die Brennnessel ihre Lebensgrundlage ist.

Raupe des Kleinen Fuchses

Raupe des Kleinen Fuchses

Fazit und Empfehlung

Brennnesseltee ist nicht das wissenschaftlich anerkannte Phytotherapeutikum, wie die Volksmedizin einem gerne glauben macht. Dennoch stecken viele tolle Inhaltsstoffe in der Brennnessel und womöglich werden wir in Zukunft noch die ein oder andere Erkenntnis zur Wirkungsweise der Urtica dioica dazugewinnen.

Mir persönlich schmeckt der Brennnesseltee einfach, weshalb ich ihn häufig trinke, aber ehrlicherweise noch nicht die Muse hatte, ihn auch selbst herzustellen. Beim Kauf des Brennnesseltees achte ich auf den Hinweis „Arzneibuchqualität“. Nur solche Produkte erfüllen die Stan­dards des Europäischen Arznei­buches und sind garantiert reich an Kaffeoyläpfel­säure, Chlorogensäure und weiteren wertvollen Inhaltsstoffen.

Quellen und weiterführende Literatur

Offizielle Monographien:

  • European Medicines Agency (EMA), HMPC. (2007). Assessment report on Urtica dioica L., Urtica urens L., folium (Urticae folium) (EMA/HMPC/508013/2007).
  • European Medicines Agency (EMA), HMPC. (2007). Community herbal monograph on Urtica dioica L.; Urtica urens L., folium (Urticae folium) (EMA/HMPC/508015/2007).

Klinische und präklinische Studien:

  • Tahri, A., Yamani, S., Legssyer, A., Aziz, M., Mekhfi, H., Bnouham, M., et al. (2000). Acute diuretic, natriuretic and hypotensive effects of a continuous perfusion of aqueous extract of Urtica dioica in the rat. Journal of Ethnopharmacology.
  • Riehemann, K., Behnke, B., & Schulze-Osthoff, K. (1999). Plant extracts from stinging nettle (Urtica dioica), an antirheumatic remedy, inhibit the proinflammatory transcription factor NF-kappaB. FEBS Letters.
  • Chrubasik, S., Enderlein, W., Bauer, R., & Grabner, W. (1997). Evidence for antirheumatic effectiveness of Herba Urticae dioicae in acute arthritis: A pilot study. Phytomedicine.
  • Chrubasik, J. E., Roufogalis, B. D., Wagner, H., & Chrubasik, S. (2007). A comprehensive review on nettle effect and efficacy. Phytomedicine.

Überblicksarbeiten:

  • Semwal, P., Painuli, S., Painuli, K., Antika, L. D., Tiwari, S., Martorell, M., et al. (2023). The medicinal chemistry of Urtica dioica L.: From preliminary evidence to clinical studies supporting its neuroprotective activity. Natural Products and Bioprospecting.​
  • Dahiya, D. P., et al. (2025). Urtica dioica: A comprehensive review. (n.d.). International Journal of Research Publication and Reviews.

Zum Autor:

Marius Lika beschäftigt sich seit über fünf Jahren mit dem Anbau von Heilpflanzen und deren Nutzung im Alltag. Er schreibt bevorzugt über Anbaumethoden, Pflanzenpflege und praktische DIY-Lösungen, sowohl für den Garten als auch für geschützte Anbausysteme. Sein Fokus liegt auf funktionierenden Anbaubedingungen, gesunden Pflanzen und verständlich aufbereitetem Praxiswissen. Seine Erfahrungen und diverse Anleitungen teilt er auf Growbox-selber-bauen.de.

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