Vom Unkraut und Wildkraut, Schädlingen und Nützlingen

Im Reich der Pflanzen hat sich eine Bewusstseinsänderung zugetragen:  Vom „Unkraut“ spricht man nicht mehr so gerne, sondern lieber von „unerwünschten Beikräutern“ oder ganz wertneutral von „Wildkräutern“.  Biene auf Natternkopf

In den „7 Regeln für faules Gärtnern“ heißt es nicht umsonst im Punkt 1:

Alles, was wächst, hat das gleiche Recht, zu leben.
Lass es also erstmal wachsen, beobachte es und erfreue dich an seiner Eigenart. Sich einmischen macht Arbeit, und die wollen wir nicht mutwillig vermehren.

Wirklich „faules“ Gärtnern ist natürlich eine Illusion – und in diesem Zusammenhang nur eine provozierende Beschreibung für ein möglichst naturnahes Gärtnern. Sobald Beete mit Kulturpflanzen angelegt werden, spüren auch gutwillige, naturfreundliche Hobbygärtner den Wachstumsdruck der Natur:  Zwischen dem Gemüse wächst alles Mögliche, oft schneller als das Gemüse, und auch schöne Stauden werden schnell überwuchert, wenn man sie nicht verteidigt.

Was hilft ist mulchen, immer wieder und dick genug. Das machen wir im Rahmen des Möglichen, doch fehlt uns regelmäßig Mulchmaterial. Teilweise holen wir Rasenschnitt aus dem Wald, den andere Gärtner dort „entsorgen“. Dennoch ist es nie genug.

Wir lassen aber auch manche Wildkräuter wachsen, deshalb mögen viele klassische Gärtner unseren Stil nicht: Viel zu unordentlich! Aus unserer Sicht sehen viele Wildpflanzen richtig hübsch aus, insbesondere wenn sie blühen. Dann bieten sie Insekten Nahrung, die ja leider immer weniger werden. Wir mähen also seltener, was den „Mulchmangel“ noch verschärft und lassen auch auf Beeten manches stehen. Insekten können sich nun mal nicht im nächsten Supermarkt versorgen, wir aber schon!

Schädlinge und Nützlinge – im Tierreich

Alle mögen Bienen, neuerdings mehr denn je! Und dann vielleicht noch die hübschen Schmetterlinge – aber sonst? Bei Mücken, Asseln, Würmern, Wanzen, Schnecken, Raupen, und sogar Wespen scheiden sich schnell die Geister.  Im Garten und erst recht im Haus gelten sie vielen nur als „Schädlinge“, die es zu vertreiben gilt.  Zum Glück setzt auch hier ein Umdenken ein:

„Es ist ja immer auch eine Frage der Sichtweise, ob etwas ein ​“Schädling“ oder „Ungeziefer“ ist. Das fängt ja bereits bei der Bezeichnung an.Diese Begriffe haben ​selbstredend keinerlei Aussage über ein bestimmtes Tier oder eine Tierart. Sie sind lediglich aus der persönlichen Sichtweise von Menschen entstanden, die sich durch ein bestimmtes Tier gestört fühlen. Man ​bezeichnet diese vom Menschen ausgehende Sichtweise als anthropozentrisch.“

Der das sagt, ist Uwe Kress, der das Lexikon der Schädlinge betreibt, sich dort aber in der Selbstbeschreibung als Naturliebhaber outet. Erfreulicherweise wirkt sich das auf das Lexikon tatsächlich aus, denn in den konkreten Beschreibungen der einzelnen „Schädlinge“ werden Naturschutzgesichtspunkte konsequent berücksichtigt. Es gibt auch Verblüffendes, z.B. die Info, dass der Sperling/Spatz ebenfalls lange als Schädling galt – weil er Körner frisst und somit einst als Nahrungskonkurrent galt.  Dass wir heute den Spatz eher schützen als bekämpfen müssen kommt zusammen mit den entsprechenden Naturschutzgesetzen ausführlich zur Sprache. Auch in den anderen Beiträgen (das meiste bezieht sich auf Insekten im Haus) wird erstaunlich freundlich mit den „Schädlingen“ umgegangen. Lobenswert!

Im Tend: Insektenfreundliche Gärten und Balkone

Seit das Insektensterben große öffentliche Aufmerksamkeit fand, gibt es einen verstärkten Trend hin zu insektenfreundlichen Gärten und Balkonen. Mehr blühende Pflanzen ohne gefüllte Blüten, mehr heimische Büsche und Stauden, mehr Toleranz gegenüber vielem, was da kreucht und fleucht – ein guter Trend, den wir in diesem Blog, im eigenen Garten und auf dem Balkon mit Freude unterstützen.

Dabei gibt es aber durchaus Ambivalenzen!  Zum Beispiel die Ameisen: Einerseits sind sie als staatenbildende Insekten hoch interessant, zudem auch sehr nützlich, da sie eine Art „Müllabfuhr“ der Natur darstellen. Alles Tote, das sie tragen können (sie können VIEL tragen!), schaffen sie weg – tolle Leistung! Andrerseits:  Im sandigen Boden hier in Berlin fühlen sie sich richtig wohl und sind überall anzutreffen, gerne auch in den Gemüsebeeten. Dabei „befallen“ sie gerne den Mangold: Zwar fressen sie die Pflanze nicht an, jedoch siedeln sie sich in seinem Wurzelbereich an und „untergraben“ so seine Wasserversorgung. Die Wurzeln verlieren durch die vielen Ameisengänge den Kontakt zur Erde, die Pflanze dürstet und neigt zu Vertrocknen.  So hatten wir schon einige Verluste, auch die Haltung in Töpfen schützt nicht vor den Ameisen.

Hier ist die Ameise als klar ein „Schädling“ – aber mehr als Gießen machen wir nicht, was denn auch? All die Rezepte helfen nicht viel, wenn das ganze Land ringsherum sandiger Boden ist, vom Ameisen bevölkert…

Was hilft? Gelassenheit! Letztendlich konnten wir doch meist genug Mangold für den Eigenbedarf ernten. Und wenn das mal nicht klappen sollte, geht die Gartenwelt deshalb auch nicht unter! Die Bäume schützen wir allerdings mit Leimringen, damit die Ameisen keine Blattlauskolonien anlegen.

 

 

 

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