Terra Preta-Experimente am E-Werk

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Der Boden im sogenannten „Dreieck“ unserer KGA am E-Werk, auf dem unser Garten liegt, ist ausgesprochen sandig und nährstoffarm. Der Humus-Anteil ist gering, so dass alles Wasser schnell wegsickert und viele Pflanzen im Sommer schnell vertrocknen, sofern man nicht täglich massiv gießt.

Bodenverbesserung ist ein Muss!

Ständiges Wässern ist allerdings nicht unser Ziel, ebensowenig, wie tonnenweise gehaltvolle Erde von anderswo ankarren. Beides ist ökologisch wenig sinnvoll, kostet Geld und Energie, und ändert am Grundproblem nichts. Lieber arbeiten wir kontinuierlich an der Bodenverbesserung, damit im Lauf der Jahre der Humusanteil steigt und sowohl Nährstoffe als auch Feuchtigkeit besser gehalten werden.

Kleines Terra Preta-Versuchsbeet

Neben so bekannten Maßnahmen wie Kompostieren, Mulchen und dem Aufbau einfacher Hügelbeete haben wir jetzt erste Experimente mit Terra Preta begonnen. Wikipedia beschreibt die „schwarze Erde“ so:

„Terra preta (portugiesisch für „schwarze Erde“) wird ein zur Schwarzerde artverwandter Boden in Amazonien genannt. Der Boden besteht aus einer Mischung von Holzkohle, Dung und Kompost, durchsetzt mit Tonscherben und gelegentlich auch Muschelschalen. Auf diesem Boden trieben die frühen Indianervölker, vor allem die Tupí, Ackerbau. Man findet diesen für die örtlichen Verhältnisse besonders fruchtbaren Boden in teils meterdicken Schichten in alten und prähistorischen Siedlungsgebieten, besonders entlang der Flussläufe.“

Wie man weiß, ist der Boden des Regenwalds an sich total nährstoffarm. Auch heute gelingt es nicht, auf gerodeten Flächen dauerhaft Landwirtschaft zu betreiben. TERRA PRETA war die gärtnerische Methode, mit der die Menschen am Amazonasgebiet sich auf geniale Weise fruchtbare Erde „erschufen“ – mit den Materialen, die halt grade zu bekommen waren. Und seit einiger Zeit experimentieren ökologisch orientierte Gärtner und Landwirte mit dem erstaunlichen Gemisch – hier in Berlin hat z.B. der Botanische Garten einen eigenen Terra Preta-Kreislauf eingerichtet.

Selber experimentieren statt teuer kaufen

Mittlerweile hat auch „der Markt“ erkannt, was für eine tolle Sache Terra Preta ist, die – mit normaler Gartenerde vermischt – ein Fruchtbarkeitswunder garantieren soll. Es gibt „technisch optimierte“ moderne Mischungen für sündhaft teures Geld (z.B. 10 Liter für 139 Euro, die mal grade für 10 Quadratmeter reichen sollen. Irre!).

TonscherbenDer ganze Prozess der Vermarktung konterkariert jedoch wieder den Aspekt der Nachhaltigkeit – wir beginnen lieber mit kleinen Versuchsbeeten und vornehmlich hiesigen Zutaten. Sprich: eigener Kompost, allerlei Pflanzenabfälle, trockenes Geäst, sowie im angrenzenden Wald gesammelte Tonscherben. Dazu billige Grill-Holzkohle, etwas zerklopft und in einer biologischen Düngermischung angesetzt.

Schritt für Schritt zum Versuchsbeet

Zuerst haben wir das Beet angelegt: die dichte Grasnarbe abgehoben, dann die obere Schicht Erde ausgehoben und in Schubkarren zwischengelagert. Dann ging die Sache ähnlich vor sich wie beim Errichten eines Hügelbeets – nur eben nicht als Hügel, sondern „versenkt“.

ein Haufen aus Geäst und Mulchmaterial

Strauchschnitt und anderes Mulchmaterial kamen nun in das „Loch“, darauf die gedüngte Holzkohle und die Tonscherben in lockerem Durcheinander. Rinderdung-Pellets hatten wir auch noch da, die als Zugabe sicher nicht stören.

Terra-Preta-Beet

Ein bisschen Betonit, Hornspäne und zerfallende alte Wegeplatten komplettierten das Arrangement. Aufgefüllt wurde dann mit Austauscherde aus dem Gewächshaus (Tomaten-Erde), sowie der bisher zwischengelagerten Erde. Die füllte schnell die Hohlräume der aufgehäuften Materialien – am Ende wurde noch alles glatt gerecht und gegossen – fertig!

terra-preta-beet

Nicht ganz „state of the art“…

Natürlich ist das eine recht spontane und nicht besonders „wissenschaftliche“ Herangehensweise. Wir hätten auch noch ordentlichen Kompost, sowie eine Dosis EMs (= „effektive Mikroorganismen“) drauf schütten können, um der Terra Preta, wie sie heute beschrieben wird, näher zu kommen. Das hatten wir aber grade nicht da, zudem entwickeln sich Bakterien auf der feuchten Kohle und im Mulchmaterial auch alleine.

Nach der Vegetationsperiode werden wir mal schauen, wie sich die Erde entwickelt hat. Es spricht ja nichts dagegen, die Mischung weiter zu verbessern.

Terra-Preta-Beet A

Es ist übrigens unser zweites Versuchsbeet dieser Art – auf dem ersten (siehe Foto) sehen die Pflanzen schon richtig gut aus und wachsen jedenfalls besser und schneller als auf unseren anderen Beeten.

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Weitere Infos zu Terra Preta:

Planet Wissen: Terra Preta – die spannende Geschichte der genialen Mischung im Amazonasgebiet;

SWR3 – Das schwarze Gold – Terra Preta; Fernsehbeitrag mit auf Terra Preta gezogenen Riesengemüsen;

Terra Preta – humoses Glücksversprechen – kritischer Blogbeitrag eines leider anonym geführten Blogs, der gegen bedenkenlose Holzkohle-Verwendung argumentiert;

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Autor: ClaudiaBerlin

Claudia lebt und gärtnert in Berlin und bloggt seit 2005 rund ums naturnahe Gärtnern. Folge dem Blog auf Twitter.com/gartenzeilen - da gibts Lesetipps und allerlei Infos rund um unser tolles Hobby.

18 Kommentare

  1. Claudia ist Kreativität in ihrem aktivsten Stadium wie mir scheint.

    Gratuliere!
    Ich kann nur staunend mit großen Augen anschauen, was Du da so alles in die Wege leitest.

    Viel Glück und weiterhin viel Freude wünsche ich beim Experimentieren. Ein sehr reizvolles Forschungsgebiet, zu testen, wie Mensch optimale Bedingungen für gesundes Wachstum schaffen kann.

    lieb grüß in den Garten, Hermann

  2. Pingback: Es reicht mir nicht, frei zu sein

  3. Toll! Ich mag Beiträge, die solche Dinge behandeln und werde hier immer wieder fündig. Auch ich experimentiere momentan in meinem Garten, allerdings eher mit Mulch und Flächenkompostierung. Von Terra Preta hatte ich bisher noch nicht gehört. Vielen Dank!
    Liebe Grüße,
    Thab

  4. Ich experimentieren auch gerade in die Richtung. Die teuer vermakrteten Produkte sind bei den Preisen ihr Geld garantiert nicht wert.

    Ich habe allerdings selber Holzkohle gemacht und probieren grad mit mehreren Veredelungsmethoden rum.

    Hier gibt es ne Serie dazu: http://chaosgarten.blogspot.com/2011/05/terra-preta-nova-teil-1.html

    Mit der „veredelten“ Kohle hab ich dann sowas ähnliches wie du angestellt, Artikel kommt in den nächsten Tagen.

  5. @Hermann: da würd‘ ich glatt erröten, wenn du das f2f gesagt hättest… danke!

    @Thab und Chaosgarten: freut mich, hier aktive Gartenfreunde zu begrüßen – gerne schau ich bei Euch rein!!

  6. Ich bin doch sehr erstaunt über diesen Bericht.
    Noch nie davon gehoert…
    Werde aber den Werdegang dieses Experimentes verfolgen.
    In meinem Garten in Toronto, Canada habe ich mit schwerer nasser Lehmerde zu kämpfen.
    Seit über zwanzig Jahren, verteile ich jedes Jahr, grosse Mengen selbst hergestellten Kompost, im Garten.
    Alles wächst und gedeiht wunderbar.
    LG Gisela.

  7. Hallo, danke für den Link. Mein Blog wird nicht anonym geführt. Der Name des Autors findet sich unter „Prolegomena“. Viel Erfolg mit dem Experiment, mich würden immer Vergleichsstudien interessieren, in denen der gleiche Kompost ohne Holzkohle verwendet wird. Insgesamt erscheint mir das Ganze einleuchtend, Oberfläche und physikalische und chemische Stabilität der Holzkohle, simpel.

  8. @Nichtidentisches:

    na, da muss man aber erstmal drauf kommen! :-)

    Mangels Impressum bzw. Kontakt hatte ich alle Seiten durchsucht und den Namen offenbar übersehen – vermutlich, weil ich nach einer üblichen Kontakt-Adresse (Name, Straße, PLZ, Ort) Ausschau hielt, anstatt Texte durchzulesen.

    Da es nun nicht nur einen Felix Riedel gibt, ist der Name alleine für mich noch immer Anonym/Pseudonym.

  9. Hallo,
    ich habe es mit der selbst angesetzten terra preta ausprobiert, alte HOLZkohle zerkleinert und dann mit Kompost und Wasser eingesumpft, scheint prima zu wirken, Boden lockerer und die Pflanzen spriessen mehr als letztes Jahr, aber das sagt so mal nichts fürs erste , gibt ja viele andere Einflüsse

  10. Spannend, Claudia!
    Bei uns ist die Bodensituation nicht ganz unähnlich, sehr trocken, kaum Regen, dazu ständiger Wind, der noch mehr austrocknet, obenauf eine dünne Humusschicht, dann drunter Sand. Dh es fließt alles Wasser sehr rasch ab. Im Boden sind ständig Trockenheitsrisse. Wir haben allerdings für den Bereich, in dem wir Gemüse anbauen, vor 7 Jahren eine LKW-Ladung Kompost mit der Erde vermischt und das war ein guter Start. Seither 7 Jahren mulche ich laufend, im Gemüsegarten nennt sich das ja wohl Flächenkompostierung;-) und ich habe viele trockenheitsliebende Stauden gepflanzt. Die Rosen wurzeln ja mit den Jahren recht tief und kommen auch sehr gut zurecht hier.
    Bin neugierig, wie es beim experimentellen Beet weiter geht!
    Liebe Grüße, Margit

  11. Da muss man doch aber vorher gucken, wie der Boden ist! Aber ich glaube das ist eine recht gute Idee, irgendwie muss das ja wieder zu Boden werden. Und danach würde ich es mal damit versuchen, die Pflanzen so zu stellen, dass sie sich gegenseitig ergänzen und so den Boden gesund halten. Der Name dafür fällt mir gerade nur nicht ein – Mist…. ich komm nochmal auf die Seite, wenn ich es wieder weiß. Sehr interessanter Blog!

  12. Pingback: Wer ist der bedeutendere Naturwissenschaftler? Gregor Mendel oder ich? Entscheiden Sie selbst. | Neulich im Garten

  13. Hallo, ich freue mich, daß ich diese Seite gefunden habe. Ich werde ihn auf jeden Fall verfolgen.

    Meine Frau und ich haben seit November einen Garten und sind bei der Recherche zur Pflege auf Terra Preta gestossen.

    Wir sind so begeistert davon, daß wir auch damit anfangen.

    Hier unser Blog über unseren Weg mit Terra Preta:
    http://schwarzerde.wordpress.com/

    Über Kommentare und Tipps würden wir uns sehr freuen!

  14. Hallo,
    ich habe glücklicherweise gestern euren Blog entdeckt und einfach DANKE für so einen interessanten Beitrag.

    Sammle seit geraumer Zeit Pflanzabschnitte – quer durch den Garten – die ursprünglich für ein kleines Hügelbeet gedacht waren.

    Dank eurer tolle bebilderten Anleitung, kann ich mich ja direkt für mein kleines 4 qm großes Gemüsebeet noch diesen Herbst ans Werk machen.
    Rinderdungpellets brauchts wohl weil sozusagen „Dung“ und ein bisschen Zeolithe (aus einer Pflanzenkläranlage bereits angereichert) dürfte sozusagen als Zuschlag auch ganz gut passen, habe zufällig einen Eimer mit solchen gerade bekommen.

    Dass ihr ohne sündhaftteuren „Ems“ auskommt finde ich sehr gut, ich werds auch versuchen.

    Die „Ems“ denke ich sind mit Kräutern ala`Humofix, selbstgemörsert samt Milchzucker und Honig ganz gut zu ersetzen – am liebsten würde ich noch Joghurtbakterien und ein klizekleines Grämmchen Milchsäure dazumischen – tja – die Versuchsküche (jedenfalls die theoretische) blüht. Lach.

    Liebe Grüße und besten Dank für die Anregung.
    Mara

  15. Danke auch nochmal für die Erwähnung der Terra Preta bezogenen Forschungsarbeit im Botanischen Garten Berlin.
    Mehr über TerraBoGa (so lautet der Projektname) und die Rolle der Terra-Preta-Technologie darin, erfahren Sie auf der Projektwebseite: http://www.terraboga.de/

  16. Hallo! Ein interessantes Experiment, gefällt mir wirklich gut! In so einem Garten kann man ja auch mal was neues wagen, wertet das ganze ja auch auf…falls ihr übrigens mal in der Gegend in Meran sein sollltet, muss ich an dieser Stelle mal ein bisschen Werbung für unseren botanichen Garten auf Schloss TRauttmansdorff machen ^^, der würde sich für einen Familienausflug allemal lohnen ;), LG, NOra

  17. Hallo Claudia,
    was haben die Experimente mit TerraPreta denn nun, nach den Jahren, tatsächlich ergeben? Hat sich der sandige Boden verbessern lassen, mit mehr Humus angereichert oder war das nur eine nette Idee?
    Vielen Dank für Deine Aufklärung und herzliche Grüße
    Ramos

  18. Das hält so zwei drei Jahre, dann gibt sich der Effekt wieder.

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