Naturnah gärtnern – was meinen wir damit?

Es ist an der Zeit, mal etwas konkreter zu berichten, was uns naturnah gärtnern eigentlich bedeutet. Wie bei allen Konzepten gibt es auch da – natürlich! – unterschiedliche Meinungen und sich entwickelnde Traditionen. Jeder Gartenfreund muss hier seinen eigenen „Weg der Mitte“ finden. Und das kann dauern, denn Gärtnern ist ja kein „Ruck-zuck-alles-anders“-Unternehmen. Zumindest dann nicht, wenns um „naturnah“ geht!

Im folgenden mal ein paar Punkte, die wir auf unseren Gartenparzellen berücksichtigen, bzw. anstreben

  • Auf Chemie wird verzichtet: keine chemischen Pflanzenschutzmittel kommen zur Anwendung, allenfalls verwenden wir Aufgüsse und Jauchen aus Wildpflanzen (z.B. Brennesseljauche).
  • Kompostierung ist ein Muss: alle Pflanzenabfälle, Blätter, Grasschnitt, angefaultes oder verwurmtes Obst etc. kommen auf den Haufen, dazu auch unser Kaffeesatz und gelegentlich Altpapier. So gewinnen wir neue Erde, die den am insgesamt zu sandigen Boden auf Dauer verbessern wird. Kompost dient auch als natürlicher Dünger – wir können gar nicht genug davon haben!
  • Nie soll die Erde kahl und nackt offen liegen bleiben, denn das laugt sie nur aus. Wo nichts wachsen soll, weil Nutzpflanzen gefördert werden sollen, wird gemulcht (Rasenschnitt, Wildkräuterheu etc.). Pflanzenreste liefern wichtige Nährstoffe für das Bodenleben. Zudem finden wir: Ein Teppich heimischer Wildkräuter ist nicht hässlich, sondern eine Freude für die Kleinlebewesen – und wenn irgendwas so sehr dominiert, dass es doch unser Auge beleidigt, dann wird eben punktuell gejätet bzw. ausgelichtet (der Kompost muss ja irgendwoher kommen!).
  • Totholzhaufen und alte Baumstammteile, ebenso Steinbeete auf Steinhaufen bieten heimischen Insekten und Kleintieren Unterschlupf und für Menschen eine interessante Optik.
  • Wir bevorzugen heimische Pflanzen, vornehmlich solche, die auch Bienen und Wild-Insekten etwas bieten: als „heimisch“ sehen wir ganz unideologisch jene Pflanzen an, die hierzulande selbständig überleben können.
  • Wir mögen Wiese statt Rasen: Matts Parzelle hat viel Wiese, bestanden von alten Obstbäumen. In der oberen Hälfte haben wir einen Teil zum „Steppenbeet“ erklärt, nämlich da, wo Jahrzehnte lang ein Gebäude stand und der Boden extrem mager ist. Hier können ohne Bodenaustausch sowieso nur Wildpflanzen und Magerkräuter wachsen, deren Vielfalt wir nach und nach durch das Einbringen und „verteidigen“ weiterer Arten erhöhen. Die restliche Wiese mähen wir mit der Sense zweimal im Jahr, was genau das ist, was für solche Wiesen empfohlen wird. Derzeit gönnen wir den alten Bäumen aufgelockerte und von Gräsern befreite Baumscheiben, die wir mit Frühblühern bepflanzen und dann mit Blättern bedecken.
  • Abwechslung auf den Nutzbeeten: Immer die gleichen Arten an derselben Stelle entziehen dem Boden immer die gleichen Nährstoffe und führen so genannten „Bodenmüdigkeit“. Eine sinnvolle Fruchtfolge hält den Boden fruchtbar, drängt Krankheitserreger und Schädlinge zurück und vermindert die Anreicherung von Schadstoffen im Boden.
  • Verdorrtes bleibt lange stehen: Vögel holen sich gerne die Samen aus den vertrockneten Samenständen vieler Wild- und Kulturpflanzen, Spinnen kleben ihre Nester an vertrocknete Stauden. Und vieles sieht auch gar nicht schlecht aus: schließlich gehört Tod und Sterben zum Leben – warum soll man das nicht auch im Garten sehen können?

Bei alledem stehen wir erst ganz am Anfang. Zwar ist die vordere Parzelle keine weitgehend kahle Sandwüste mehr (wie bei der Übernahme) sondern flächendeckend bewachsen, doch mit der Umgestaltung der Beete fangen wir gerade erst an. Die Betonschwellen kommen nach und nach weg und wir müssen uns andere Beetbegrenzungen einfallen lassen. Einige Betonteile konnten wir sinnvoll wiederverwenden, doch sind es insgesamt einfach zu viele.

vorderer Garten

Die Thuja-Hecke haben wir ausgelichtet und in die Lücken verschiedenste Büsche gesetzt, die nun ihre Zeit zum Wachsen brauchen. Den schnurgeraden Betonweg (=100%ige versiegelt) haben wir aufgebrochen und Fugengrün gesäht, das nun als Gras hier und da aus dem Beton wächst – DAS finden wir schon mal viel hübscher als Beton pur! Den brachial wirkenden Rosenbogen haben wir zum Torbogen umfunktioniert, doch bis der dort gepflanzte Efeu das beranken wird, dauert es noch seine Zeit.

Kurzum: mit der „Verbesserung des Gesamteindrucks des Gartens“ sind wir (sogar als bekenennde faule Gärtner) mit Lust und Freude übers ganze Jahr befasst! Doch es dauert eben seine Zeit und ein reiner Ziergarten soll es nicht werden, sondern eine harmonische Balance von Ökologie, Nutzen und Schönheit.

***

Autor: ClaudiaBerlin

Claudia lebt und gärtnert in Berlin und bloggt seit 2005 rund ums naturnahe Gärtnern. Folge dem Blog auf Twitter.com/gartenzeilen - da gibts Lesetipps und allerlei Infos rund um unser tolles Hobby.

11 Kommentare

  1. ich wünsche Euch viel Erfolg und auch gute Erträge
    auch ich bewirtschate meinen Garten naturnah,

    aber nur mit Kompost reicht nicht bei unserem mageren Boden,
    und da ich bioligische Tiermehle wegen ihrer Keimbelastung nicht im Garten haben möchte, und auch allergisch reagiere,
    verwende ich in Kleinstdosen lieber mineralische Dünger
    meine Regenwürmer haben da bisher nicht protestiert
    Frauke

  2. Dein Beitrag mit dem interessanten Link zum Greenpeace-Magazin war auch Anlass für mich sich mit dem Sinn eines Gartens auseinanderzusetzen. (siehe Blog) Danke für die Anregung!
    Euer Gartenhäuschen plus wilder Garten sieht im Abendlicht sehr einladend aus. Kommt ihr vor lauter Wühlerei überhaupt dazu die schöne (abendliche) Stimmung zu genießen?
    LG
    Sisah

  3. @Frauke: über „biologische Tiermehle“ werd ich mich mal informieren! Hab mir auch schon überlegt, was man als „Ersatz“ für echten Mist nehmen könnte…

    @Sisah: Danke für den Link! Und ja, wir kommen dazu! Allein das Fotografieren passiert ja schon im Hinschauen und es toll finden! Um diese Jahreszeit ist aber mit im Liegestuhl abliegen nix mehr: da genießen wir die Natur, das Wetter und die Stimmung, indem wir in der Erde wühlen bzw. allerlei anstehende Arbeiten machen.

  4. Hallo Claudia,du schreibst ja auch immer wieder mal im Forum“Lebendig sein-lebendig bleiben“.
    Ich schaue immer wieder mal auf deien Blog obwohl ich keinen Garten habe(nur einen kleinenBalkon),aber ich finde es schoen mitzubekommen wie dein Paradies sich veraendert und wieviel Liebe ihr dort reinsteckt.Auf diesem Wege einmal ein Danke dafuer.
    Liebe Gruesse
    Angelika

  5. Das meiste davon versuche ich ebenfalls umzusetzen, nur so ein bisschen gepflegten Rasen *lach*, den möchte ich schon auch behalten dürfen.
    Herzliche Grüße
    Elke

  6. Da habt ihr eine Menge arbeit gehabt und es hat sich gelohnt.
    Meine Kinder sind jetzt groß und brauchen keinen Gartenauslauf mehr *gg* die Kinderecke ist nun Gemüsegarten . So nach und nach kommt der Rasen weg und wird mit kleinen schritten zu einem Bauerngarten.
    Wir haben von Anfang an nur mit Kompost gedüngt,ein kleines Paradies manchmal etwas sehr wild da ich immer neugierig bin was da wächst ;)
    dein Garten gefällt mir sehr gut.
    Herzliche Grüße
    Sonja-Maria

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  8. Sehr schön,

    Ihr sprecht mir aus der Seele, denn gut Ding braucht Weile! Oftmals ist man nämlich euphorisch und motiviert und will zu viel auf einmal.

    Das kann beim Vorhaben, den eigenen Garten in einen Naturgarten umzuwandeln, eher hinderlich sein. Das Wichtigste überhaupt ist m. E. die innere Einstellung. Wie bei so Vielem im Leben, beginnt ökologisch zu Gärtnern im Kopf!

    Werde nachher auch noch ein wenig „Unkraut“ aus den Fugen rausmachen, aber keinesfalls so verbissen, denn die Pusteblumen blühen gerade so schön gelb, ganz zur Freude der Insekten.

    Herzliche Grüße nach Berlin,
    Maria

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  10. Hallo Claudia
    Sehr schöne Umgestaltung. Viel Erfolg. Ich mache seit einigen Jahren sehr gute Erfahrung, indem ich als Düngemittel ‚Hornspähne‘ verwende. Ein Naturprodukt das sich bewährt. Probierts doch mal auch mal damit. Hornspähne sind im Handel erhältlich.

  11. Besonders auch für Wildtiere (z.B. Igel) ist es wichtig, dass wir unsere Gärten nicht allzu penniebel aufräumen. Sie benötigen einen Ort, an dem sie sich zum überwintern oder zur Jungenaufzucht zurückziehen können. Daran denken viele nicht. Schön, dass du einen Artikel dazu geschrieben hast :)

    Ganz liebe Grüße
    Claudi

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