Warum anonym bloggen?

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Ja, wenn jemand sein Liebesleben ausbreiten oder über Kollegen schimpfen will, tut derjenige gut daran, die eigene Identität geheim zu halten. Auch aufrührerische politische Ansichten, Marken-Bashing und dergleichen „Todsünden“ der heutigen Zeit sind brisant genug, sich bedeckt zu halten.

Aber muss das auch beim Gartenbloggen sein? Da schreiben wir über alles, was wächst, tauschen Infos über Tomatensorten und Braunfäule, Trockenmauerbau und Kompostpflege – was um Himmels Willen ist daran so „gefährlich“, dass es nicht wenige Bloggende vorziehen, ihre Identität geheim zu halten?

Nicht mal eine Kontaktmöglichkeit…

Speziell die Blogs auf Blogger.com treiben mich manchmal zum Wahnsinn: da wird angeboten „vollständiges Profil anzeigen“, doch auch dort findet sich oft genug nicht mal eine Mail-Adresse, sondern nur wieder andere Webseiten, auf denen auch wieder nichts zu finden ist.

Richtig verarscht fühle ich mich, wenn dann auch noch hier und da steht „Schreib mir!“ oder „nehmen Sie mit mir Kontakt auf!“ Ich hab mich schon von Website zu Blog zu Profil zu Sonstwo geklickt und fand nirgends eine Gelegenheit, diese Person anzusprechen.

Geschützte Mail-Adressen

Was wird denn da eigentlich BEFÜRCHTET?? Gegen den Missbrauch von E-Mail-Adressen kann man sich doch schützen (z.B., indem man sie als Bild einbindet oder ein Kontaktformular nutzt). Es ist heute auch leicht, sich für bestimmte Zwecke eine neutrale Mailadresse zuzulegen – etwa bei web.de oder google.com. Dann outet man sich nicht, kann aber wenigstens kontaktiert werden.

Impressumspflicht bei Blogs

Der Vollständigkeit halber seien hier noch ein paar Quellen zur Rechtslage in Sachen Impressumspflicht für Blogs genannt:

Fazit dieser Quellen: So gut wie alle unterliegen der vollen oder eingeschränkten Impressumspflicht, wenn nicht bloß für persönlich bekannte Freunde und die Familie gebloggt wird. Alles regelmäßige, mit einigem Engagement betriebene Publizieren kann vor Gericht als „geschäftsmäßig“ gelten, auch wenn keinerlei Erwerbsabsichten vorliegen. Ist aber auch nur EINE ANZEIGE auf dem Blog, steht „geschäftsmäßig“ außer Zweifel, egal, ob tatsächlich Einnahmen erzielt werden.

Eigene Erfahrungen

Die Rechtslage war für mich in Bezug aufs Impressum nicht schon immer entscheidend: es gab sie ja noch gar nicht, als ich 1996 begann, ins Web zu schreiben. Allerdings ist mir zunehmend wichtig geworden, dass mich Leser nicht als „flüchtigen Geist“ wahrnehmen, der morgen mitsamt seiner Website verschwunden sein kann, sondern als reale Person, auf deren Existenz und Ansprechbarkeit im realen Leben man vertrauen kann.

Seit 1999 schreibe ich das Digital Diary und mittlerweile noch fünf andere Blogs, darunter das wilde Gartenblog und eines zum Thema Erotik. Überall gibts ein Impressum mit meiner Adresse, Telefonnummer und E-Mail – und noch nie ist mir in all den Jahren irgend ein Leid geschehen! (Außer ein bisschen SPAM, gegen den ich mich aber mit recht erfolgreichen Mitteln zur Wehr setze. )

Mich interessiert, was manche Gartenblogger/innen bewegt, sich trotz der harmlosen Thematik so verborgen zu halten – wer also mag, ist herzlich eingeladen, sich zu äußern! :-)

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Autor: ClaudiaBerlin

Claudia lebt und gärtnert in Berlin und bloggt seit 2005 rund ums naturnahe Gärtnern. Folge dem Blog auf Twitter.com/gartenzeilen - da gibts Lesetipps und allerlei Infos rund um unser tolles Hobby.

21 Kommentare

  1. du sprichst mir da aus der Seele, ich habe auch überall Infos zu mir und Kontaktmöglichkeiten angegeben, da ich nicht als Phantom sondern reale Person wahrgenommen werden will. Ich kenne aber selbst in meinem Freundeskreis Leute, die sich nicht mal für eine gute Sache entschließen können, aus ihrer offensichtlich notwendigen Anonymität herauszukommen, weil sie dadurch „was-auch-immer“ von sich preisgeben könnten. Ich habe eine zeitlang versucht, dies zu verstehen und zu akzeptieren, doch inzwischen halte ich es schlicht für Unhöflichkeit oder sogar Respektlosigkeit, schließlich stellt man sich auch im realen Leben anderen gegenüber vor.

  2. Als ich anfing über Garten, Natur und Co. zu bloggen, hatte ich gar keine Ahnung von irgendetwas und bin da ziemlich blauäugig hineingestolpert. Damals hatte ich noch meinen vollständigen Nachnamen in meinem Bloggerprofil. Nachdem ich ein paar blöde Mails bekommen habe, habe ich dann die Möglichkeit mich anzumailen blockiert( und ich feststellte, dass diese Möglichkeit besteht). Seit dieser Zeit habe ich mich nicht weiter darum gekümmert, wozu auch. Wer wirklich Kontakt mit mir aufnehmen wollte, hat dennoch einen Weg gefunden, wie Claudia übrigens auch.
    Claudia zuliebe habe ich jetzt aber über web.de eine neue Mailadresse und diese auch auf meinem Blog veröffentlicht.
    Grüssle
    Sisah aus dem verregneten Fließtal

  3. @Inga: vermutlich haben manche einfach Angst, weil sie sich nicht so auskennen – es muss nicht immer Ignoranz oder sonst ein böser Wille/Unwille sein.

    @Sisah: toll! Freue mich, dass du jetzt eine Mailadresse zum Kontakten hast! „Blöde Mails“ kannst du ja einfach löschen und im schlimmsten Fall gelegentlich eine neue Mailbox nutzen. Aber es sind ja nicht nur Spammer und Idioten, die mal was wissen wollen oder sonst ein Anliegen haben.
    Ich hatte übrigens nur deshalb die Möglichkeit, dich zu erreichen, weil du schon mal HIER kommentiert und dabei deine Mailadresse angegeben hast – auf dem Weg können dich also nur wenige ansprechen!

  4. Hallo,

    also ich blogge ja noch nicht so lange, doch habe seit 4 Jahren eine Web-site und Forum.
    Anfangs war ich auch anonym und alles lief auf meinen Lebensgefährten, weil ich furchtbare Angst hatte, mich könne jemand erkennen. (ist aber auch eine sehr schwere Thematik)
    Mittlerweile bin ich nicht mehr anonym und alles läuft auch auf meinem Namen.
    ich habe bisher noch keine negativen Erfahrungen gemacht, weder Bombendrohungen bekommen, noch stand jemand hier unangemeldet vor der Türe.
    Mails können schon mal nerven, aber wie schon geschrieben, kann man einfach weg klicken und vieles wandert automatisch in meinen Spam Ordner.

    Ich empfinde es auch als unhöflich, wenn sich jemand so anonym hält und die Kontaktaufnahme dadurch sehr erschwert wird oder sogar unmöglich ist.

    Liebe Grüße
    jK

  5. Nun ja, wenn ich meinen vollständigen Namen „ergoogel“, steht da ein bißchen was, mit dem ich auch noch leben kann, falls ich zum Beispiel mal auf einen neuen Arbeitgeber angewiesen sein sollte und dieser eben per Google – oder ähnliches – sehen möchte, was ich sonst so treibe.

    Per Kommentar bin ich problemlos erreichbar. Die Kommentare erhalte ich schließlich auch per Mail.

    Was würde ein potentieller neugieriger Arbeitgeber über Euch erfahren? Ich empfehle an dieser Stelle auch mal http://www.123people.de/

  6. @Yewa: Na, Claudia Klinger bei 123.people bringt sehr stimmige Ergebnisse – ein paar veraltete Mail-Adressen und falsche Fotos, aber sonst kann ich nicht meckern! :-)
    Eine ensprechende Google-Suche erschlägt den Sucher mit 13000 Ergebnissen – nicht ALLE von mir, aber die meisten.. :-)) Wer seit 1996 ins Web schreibt, wundert sich nicht, wenn auch was drin steht!

  7. Ich schliesse mich da eher Yewa an. Ich bin über Kommentar erreichbar und würde Angabe zu meiner Person nicht über ein Blog veröffentlichen wollen. Liegt vermutlich auch daran, daß mein Job eng mit dem Web verknüpft ist und ich ein Auge darauf haben will und muss, welche Angaben zu meiner Person im Internet zu finden sind.

    Mit Blick auf Geschäftspartner, künftige Arbeitgeber und Kunden will ich private Interessen nicht ohne weiteres offenlegen. In meinem Gartenblog möchte ich schreiben, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Wer ein Interesse daran hat, welche Person hinter dem Blog steht, kann diesen Wunsch äußern und mich um Kontaktaufnahme an seine Email-Adresse bitten.

    Ich meinerseits finde es spannend zu lesen, wer was wann in seinem Garten macht. Ich habe jedoch nicht den Anspruch, alles über diese Person wissen zu müssen.

  8. ich kenne es anders, ein freund von mir hatte sich über sein liebeslebens beschwert, da kam jemandem auf die idee seine freundion bescheid zu sagen,….da kam eine halbe katastrophe raus.

  9. @Claudia
    Schön, wenn die Ergebnisse für Dich stimmig sind. Für mich sind die Ergebnisse auch stimmig. Damit das so bleibt, bin ich auch weiterhin per Kommentar erreichbar.

  10. Vor allem beim Bloggen, ist es eben immer die große Frage, ob man mit den Inhalten über die Gebloggt wird, in verbindung gebracht werden möchte. Das Internet vergisst ja bekanntlich nicht, da kann man sich nicht immer genau sicher sein, ob man denn in 5 Jahren noch die gleiche Meinung vertritt die man heute an den Tag legt.

  11. Warum anonym bloggen? Ja, ganz einfach: Damit wenigstens noch ein bisschen Anonymität im Internet gewahrt bleibt, trotz Datenklau, Onlinedurchsuchung und IP-Speicherung.

  12. es ist gut dass bei den menschen endlich ein bewußtsein über die notwendigkeit von datenschutz und anonymität entsteht.
    eine erfreuliche entwicklung und kein grund sich aufzuregen

    es ist traurig was im deutschland der heutigen tage geschieht. wir haben keine meinungsfreiheit mehr, mutieren zum überwachungsstaat, geldgeile anwälte verdienen sich „rechtlich korrekt“ mit abmahnungen eine goldenene nase, vedachtsunabhängige datensicherung… usw.

  13. Datenschutz hat nun aber wirklich GAR NICHTS mit Anonymität zu tun! Beim Datenschutz geht es darum, dass Daten, die man einem Unternehmen oder einer Behörde gibt, nicht für ANDERE ZWECKE benutzt werde dürfen.

    Anonymität ist dagegen das schlichte Verbergen der eigenen Identität. Das kann ich in manchen Fällen nachvollziehen, doch bei so etwas Harmlosem wie einem Gartenblog wollte ich halt mal wissen, warum auch schon beim Gärtnern bzw. dessen Beschreibung Bedenken bestehen!
    Danke für Eure Einlassungen!

    Auch zum Thema: Von sich schreiben – Reflexionen in der ersten Person

  14. Ähm, anonym Bloggen ist sinnvoll um sinnfreien Abmahnungen oder irgendwelchen Hausdurchsuchungen zu umgehen, vll. verlinkst du versehentlich auf eine Seite auf die jmd. einen Link einstellt welcher auf einer Sperrliste steht?
    nur so als Beispiel. ^^

  15. Das Internet ist ja bis jetzt noch eine zweite welt in der man kommunizieren, gäbe es keine Anonymität währe es vieleicht auch nicht mehr so interessant.

  16. Das Internet ist wie Doris schon sagte eine recht anonyme Sache! Jeder kann hier unter irgendeinem Namen und unter Angabe irgendeiner E-Mailadresse seinen Senf dazugeben. Wer wirklich angesprochen werden will, lässt ne sichtbare Kontaktadresse da, der Rest will einfach nur sehen, aber nicht gesehen werden;-)

  17. Mit Blick auf Geschäftspartner, künftige Arbeitgeber und Kunden will ich private Interessen nicht ohne weiteres offenlegen. In meinem Gartenblog möchte ich schreiben, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Wer ein Interesse daran hat, welche Person hinter dem Blog steht, kann diesen Wunsch äußern und mich um Kontaktaufnahme an seine Email-Adresse bitten.

  18. Warum anonym bloggen?

    1. Es gibt immer wieder Menschen, die auch mit den harmlosesten Meinungen zu einem Thema nicht einverstanden sind.
    Ich möchte z.B. nicht im Supermarkt oder Hausflur von meinen Nachbarn auf meine Meinung zum Thema XY angesprochen werden!

    2. Bewerbungen
    Was mache ich, wenn ich mich mal um einen Job bewerben möchte, aber in einem Blog etwas „ungünstiges“ z. B. fachlich Fragwürdiges oder Falsches geschreiben habe?
    Das fällt dann ewig auf mich zurück.

    3. Sensibele Themen
    Man bloggt vielleicht auch mal über sensible,umstrittene Themen (nicht: intime…).
    Dann darf man sich bspw.beim nächsten Firmengrillabend rechtfertigen, warum man als Vegetarier gegen Fleischessen ist bzw. wie um Gottes Willen einem dabei schelcht werden kann.
    Das kann das Verhältnis zum Chef schon belasten.

    4.Aktualität
    Man schreibt vielleicht etwas, dass sich in einem Jahr als politisch inkorrekte Meinung oder als überholt (Fachwissen) herausstellt und muss sich dann noch lange danach dafür rechtfertigen,auch, wenn man inzwischen selbst eine andere Meinung hat.

    5. Man ist kein Fachmann.
    Zwar schreibt man z.B. einen Gartenblog, ist aber weder Gärtner noch Botaniker und wird so zwangsläufig fachlich fragwürdige Ideen und Tipps geben, die dann direkt an die eigene Türschwelle zurück gebracht werden könne, z. B. wenn man tatsächlich mal Botanik studieren wollte.

    6. Außergewöhnliche Hobbys
    Vielleicht hat man ein Hobby, über das man im RL mit wenigen Menschen reden kann und bloggt deshalb darüber.
    Das Hobby passt aber nicht so richtig zum Beruf und dem eigenen „Image“ (Beispiel: Besitzer eines Bikeshops und als „harter Kerl“ bekannt kocht gern Marmelade und Chutneys ein und möchte Rezepte austauschen – das finden die Menschen in seiner Umgebung und potentielle Kunden aber eher lächerlich!).

    7. Man hat sich schon an anderer Stelle anonym (Forum, Chat) zum Thema geäußert und möchte dort nicht erkennt werden, weil man anonym vielleicht auch über private Probleme oder Menschen aus seiner Umgebung geschrieben hat oder persönliche Fehler zugegeben oder diskutiert.
    Das alles fiele jetzt auf einen zurück, wenn jemand bestimmte Themen wieder erkennt.
    (Sensible Themen könnten ja auch Ängste, Probleme mit anonymisierten Bekannten usw. sein, die sich jetzt erkennen bzw. viel mehr über einen wissen, als einem lieb ist.)

    Das alles sind für mich legitime Gründe für einen anonymen Blog.

  19. Ja, das alles kann ein Grund sein, anonym zu bloggen.

    Und jede/r trifft ganz persönlich die Wahl: nämlich die, ob es im Leben der oberste Wert ist, mit dem Strom zu schwimmen, um bestmöglich „mitversorgt“ zu werden – ODER ob man ein Leben im aufrechten Gang führen will: als Mensch, der für seine Meinungen auch einsteht, auch wenn das mal Nachteile haben könnte.

    Jeder darf leben, wie er magt. Na klar!

  20. Da ist die Frage, wenn ich einen Blog über „Mobbing“ eröffne, dann möchte ich als Mobbingopfer vll. auch „meine“ Täter ansprechen und gebe ein Impressum an. Blogge ich jedoch über Hobbys und Themen, mit denen mein Name nicht in Verbindung gebracht werden soll, dann werde ich auch Anonym bleiben (wollen).

  21. Pingback: Internet lokal: Wenn der Nachbar dich googelt

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