So geht Propaganda

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Über Umwege bin ich auf ein Interview mit der Genforscherin Christiane Nüsslein-Volhard, zum Thema grüne Gentechnik gestoßen.

FOCUS Online: Viele Deutsche scheinen sich vor der neuen Technologie zu fürchten. Zu Recht?

Nüsslein-Volhard: Na ja, wir Deutschen haben ja immer Angst vor Neuem. Sie befürchten, dass sie beim Verzehr gentechnisch veränderter Pflanzen fremde Gene aufnehmen. Aber das ist Blödsinn. Die Gene werden verdaut, abgebaut und ausgeschieden genauso wie bei herkömmlichen Lebensmitteln. Das ist inzwischen hieb- und stichfest erwiesen. Das Genom des Menschen ist sequenziert, und man kann untersuchen, ob da Kuh-Gene oder Pflanzen-Gene drin sind. Keine Angst: Es sind keine drin.

(Quelle: FOCUS ONLINE, „Die setzen auch Menschenleben aufs Spiel“
Montag, 24.11.2008, Autor: Till Behrend)

Schöner erster Satz, gleich erst einmal Vertrauen schaffen, durch Gemeinsamkeit. Das liegt eben so im deutschen Charakter, diese Angst, ist nicht so schlimm, und man kann etwas dagegen tun (z.B. ihr glauben). Sie will uns ja auch sagen, dass wir keine Angst zu haben brauchen. Sehen wir auch gleich, denn ihr Beispiel ist genau so gewählt, dass man den Blödsinn gleich erkennt.

Nur kenne ich niemanden, der Angst hatte zur Kuh zu werden, nur weil er mit Kuh-Genen behandelten Mais gegessen hat. Und auch die, die meinten: „Wer Schwein isst, wird zu einem.“ meinten das, im übertragenen Sinne.

FOCUS Online: Dennoch steht der Bio-Landbau für einen schonenderen Umgang mit der Umwelt.

Nüsslein-Volhard: Zu Unrecht. Oder glauben sie etwa, dass der Bio-Landbau ohne Spritzungen mit Pflanzenschutzmitteln auskommt? Auch dort wird ständig und flächendeckend gespritzt!  Die Gentechnik hat da wirklich intelligentere Lösungen anzubieten. Mit ihrer Hilfe kann man zum Beispiel Mais oder Baumwolle resistent gegen Insektenfraß machen. Wenn wir ihnen bestimmte Gene einbauen, werden sie giftig für Schadinsekten, aber nicht für Menschen oder Mäuse. Auf die Giftspritze können Sie dann verzichten. Das finde ich ziemlich smart.

Toll wie hier suggeriert wird, das sei doch alles das Gleiche, spritzen ist spritzen. Und wieder ein schönes Beispiel am Schluss, damit jeder zustimmend nicken kann.

Nur habe ich das schon in den frühen 90gern gehört,  danach leider nie etwas von Erfolgen in Richtung weniger Pflanzenschutzmittel. Im Gegenteil, es wurde ein Resistenz-Gen in Pflanzen eingeschleust, das es der Pflanze ermöglicht, die flächendeckende Behandlung mit einem bestimmten Unkrautvernichtungsmittel zu überstehen.

Das wird auch genau so beworben.

Und in der Art redet Professor Nüsslein-Volhard weiter und weiter und erklärt dem Focus-online Leser, warum  Greenpeace am Hunger in Afrika schuld ist und Bauern in aller Welt ihr Saatgut nicht aus ihrer eigenen Ernte gewinnen dürfen.

Ich frage mich nach solchen Agitprop-Artikeln immer, wer diese Aussagen bezahlt hat und wie viel so eine Nobelpreisträgerin bekommt. Aber wahrscheinlich denke ich da zu kleinlich und so etwas gehört einfach zur Normalität.

2 Kommentare

  1. Zum Thema Monsanto und Round-up gab es bei arte den Film „Monsanto, mit Gift und Genen“ zu sehen. Das macht einen richtig wütend: sehr empfehlenswert.
    http://www.arte.tv/de/1930194.html

    Auch Focus hat mal wieder „knallhart nachgefragt“. Aber alle Artikel bei Focus zum Thema Gentechnik haben ja offenbar den gleichen Tenor:
    http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/gentechnik

  2. Tja – sie sind überall, diese „Mietmäuler“.
    Mein erster Gedanke, was die Bezahlung betrifft, war „Monsanto“ oder Konsorten …
    Dass diese Leute sich nicht schämen. *kopfschüttel*

    Hast du „Das Pharma-Kartell“ gesehen?
    Das könnte man auf viele andere Industrien übertragen, und die Politik ist gekauft und spielt mit – genauso wie viele „Journalisten“. Schlimm!
    Die Mafia hat sich tatsächlich schon weltumfassend breit gemacht und offenbar alles im Griff. :-(

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