Gartengeplauder über Tomaten, Beete und die kleingärtnerische Nutzung

Tja, diesen Sommer bin ich sehr wenig zum Bloggen gekommen. Warum? Wegen der Hitze und der hier im Berliner Raum noch immer (!) anhaltenden Dürre. Fast täglich ist Gießen angesagt, was bei zusammen über 800 m² Garten richtig Arbeit macht! (Zur Info: Es sind zwei Parzellen, die ich mit dem Liebsten zusammen bewirtschafte).

Weil ich auch noch ein Arbeitsleben habe und daneben noch anderweitig engagiert bin, ist nicht nur das Bloggen, sondern auch gestalterische Gartenarbeit, die ich gerne getan hätte, ziemlich ausgefallen. Mit einem Einzelthema fang ich jetzt besser gar nicht erst an, sondern erzähle einfach mal drauf los.

Kein gutes Tomatenjahr

Zwar haben wir durchaus viele Fleischtomaten geerntet, doch sind die mehrheitlich gut für Soßen, nicht so zum roh essen. Das war auch durchaus Absicht, ich hab‘ ein paar Gläser eingemacht. Drei Tomaten

„Brandywine Yellow“ und „Costoluto Genovese“ (s. Foto) waren ok, die kleine „Kleeblatt von Togo“ sieht aus wie Costoluto und schmeckt auch so, nur halt in Mini. „Black Cherry“ war dieses Jahr entäuschend: nicht gut entwickelt, viele Früchte verfaulten, bevor sie reif waren – trotz der Hitze! Auch die wirklich gut schmeckende „Königin der Nacht“ stellte mittlerweile ihre Reifung ein. Viele Früchte gehen unreif in angefault über. Vielleicht haben wir doch zuviel gegossen, zumindest in den Containern, in denen viele Tomaten stehen. „Geraldine“ und „Ruthje“ sind ganz ok, aber hauen geschmacklich nicht grade vom Hocker. Die „San Marzano“, die angeblich nur am Fuß des Vesuvs gedeiht und für Soßen UND Salate gut sein soll, ist vergleichsweise ertragreich und die Früchte schadensfrei. Schmecken mir allerdings nicht so toll, da sie einen Tick zu mehlig sind. Eben doch mehr Soßentomaten. Tja, so ist es halt, wenn man „Abenteuersorten“ anpflanzt und noch dazu das Wetter ganz anders ist als sonst.

Gebeutelt von der Hitze

Auf über 800m² alles Grün zu halten, wäre erstens unbezahlbar und zweitens ökologisch auch nicht so sinnvoll. Allein schon das Gießen des Gemüses, der Blumen, gelegentlich auch der Büsche und kleinen Bäume verbrauchte mehr Wasser und Arbeitskraft als in allen vorherigen Jahren. Palmkohlund Mangold sehen trotz regelmäßigem ausgiebigem Gießen recht gebeutelt aus – es reicht halt einfach nicht bei einer so lang anhaltenden Dürre, die immerhin schon seit Anfang April dauert.

toskanischer Kohl

Alle Wegen und Wiesenbereiche, die bei uns üblicherweise aus dem bestehen, was da wächst, nur eben ab und zu gemäht und platt gelaufen, sind mittlerweile total vertrocknet. Ich finde das atmosphärisch sogar reizvoller als ein künstlich bewässertes Grundstück, das so tut, als sei das Wetter egal. Dieses Vertrocknete erinnert mich an heiße Sommer in Italien in meinen Kindertagen: da war auch immer alles vertrocknet und roch auch so – sinnliche Eindrücke, die mir Sommerfeeling vermitteln. Dazwischen und drumherum unsere gegossenen Beete und Sträucher – mir gefällt das!

Beete abschließen und Mulchen

Nach und nach legen wir auch schon Beete still, wenn die Ernte weitgehend durch ist. Da momentan kein Rasenschnitt anfällt, müssen andere Mulchmaterialien herhalten. Hier z.B. Stroh, das mit einer Lieferung von der Baumschule kam:

Stroh als Mulch

Erst war ich dagegen, weil Stroh gerne so ‚rum fliegt. Ist aber nicht so, es sieht sogar ganz gut aus und zeigt vor allem, dass da ein Beet ist. Immer wichtig in so einer Kleingartenanlage, von wegen der „kleingärtnerischen Nutzung„.

Kleingärtnerische Nutzung: zu wenig Beete?

Womit ich bei einem wahren „Lieblingsthema“ angekommen bin, der erforderlichen „kleingärtnerischen Nutzung“, die entlang der Vorgaben des Berliner Landesverbandes der Gartenfreunde auf meiner Parzelle z.B. bedeutet, dass ich gut 40 m² Beete haben muss, davon „überwiegend“ solche für Gemüse und Salat – also ca. 20 m² plus ein bisschen.

Nun bekam ich ein Schreiben vom Vorstand, dass in meiner Parzelle „keine ausreichende kleingärtnerische Nutzung“ vorläge. Das stimmt natürlich nicht, denn diese Beete sind sehr wohl vorhanden, mir wurde 2016 sogar eine „Übererfüllung“ der Anforderungen bestätigt – und zwar bei einer Begehung durch den Bezirksverband. Eines dieser Beete ist zur Zeit Kompostbereich (mit einer Zucchini bepflanzt), doch reicht es quadratmetertechnisch immer noch gut!

Warum also das Schreiben? Ich kann mir das gut erklären, denn im naturnahen Garten sehen Beete in manchen Phasen auf den ersten Blick nicht nach Gemüsebeet aus – und es wächst auf den Beeten auch nicht immer NUR Gemüse:

Beet mit Kohl und Kräutern

Zwar stehen die Gemüsepflanzen im korrekten Abstand, aber dazwischen ist keine kahle Erde und auch nicht nur Mulch, was sie optisch besser heraus arbeiten würde. Wir lassen nämlich bestimmte Kräuter und Wildpflanzen wachsen – aus guten Gründen und nur ganz bestimmte:

  • Ruccola: den nutzen wir als geschmacksintensive Zutat für Salat, ist viel besser und wegen der vielfältigeren Inhaltsstoffe auch gesünder als der entschärfte Ruccola aus dem Supermarkt.
  • Borretsch: das „Gurkenkraut“ ist ebenfalls ein Salatkraut, schmeckt leicht nach Gurke, wie der Name sagt. Die hübschen blauen Blüten sind essbar, erfreuen aber auch die Bienen, die sie gerne besuchen.
  • Tagetes: sieht nicht nur hübsch aus, sondern ist erfolgreich in der biologischen Schädlingsbekämpfung (Nematoden, Ameisen, weiße Fliege) und wird zur Mischkultur mit Gemüse und als Gründüngung empfohlen.
  • Klatschmohn: die „Blume des Jahres 2017“ lassen wir hier und da stehen, weil sie hübsch ist und zu Recht bedauert wird, dass sie von den Äckern verwschwunden ist. Auf Wildblumenwiesen kann sich Klatschmohn nicht durchsetzen, er BRAUCHT Ackerboden – und da kommt er dann halt auch.

Alles andere, was auf den Gemüsebeeten trotz Mulch wachsen will, hauptsächlich Gräser, jähten wir raus. Unsere Praxis ist also voll korrekt im Sinne naturnahen Gärtnerns, wie es auch immer häufiger in der Verbandszeitschrift beschrieben wird. Es steht auch nirgends geschrieben, dass man Beete mit Steinen umranden muss, damit immer eine scharfe Kante zu sehen ist.

All das werde ich also dem Schreiben antworten und zudem meinen Pflanzplan beilegen, mit dem ich über die Jahre protokolliere, was da auf welchen Beeten angepflanzt ist. Der ist nützlich, um die Fruchtfolge zu berücksichtigen, also nicht nochmal Kohl zu pflanzen, wo vorletztes Jahr schon welcher gewachsen ist.

Ich finde es in Ordnung, dass der Vorstand sich um die Einhaltung der wichtigsten Regeln kümmert – ist ja seine Aufgabe und eigentlich kann man froh sein, dass das überhaupt jemand macht! Die „kleingärtnerische Nutzung“ ist der wesentliche Unterschied zum Wochenendgrundstück, für das man sehr viel mehr bezahlen müsste als für eine Parzelle im sozialen Schutz des Bundeskleingartengesetzes. Deshalb reg‘ ich mich auch nicht auf, sondern weise bei Bedarf halt immer nach, dass der gelegentlich wie ein wilder Verhau anmutende Garten durchaus genug bewirtschaftete Beetfläche enthält und den Anforderungen des BKleinGG voll und ganz entspricht! :-)

Siehe dazu auch:

Autor: ClaudiaBerlin

Claudia lebt und gärtnert in Berlin und bloggt seit 2005 rund ums naturnahe Gärtnern. Folge dem Blog auf Twitter.com/gartenzeilen - da gibts Lesetipps und allerlei Infos rund um unser tolles Hobby.

5 Kommentare

  1. Pingback: Aus der Blogpause rein in die Empörung › Digital Diary – Claudia Klinger

  2. Ich bin froh, dass ich mich an keine Regeln halten muss. Mein Gemüseanbau beschränkt sich nämlich auf ein Minihochbeet.
    Das mit dem Mulchen ist eine tolle Sache und ich habe den wenigen Rasenschnitt auch sorgfältig gesammelt und zwischen den Stauden verteilt. Jetzt hat es zum Glück ein wenig geregnet. Allzu viel ist es zwar nicht gewesen, aber es ist erstaunlich, wie schnell sich doch wieder alles erholt.
    Viele Grüße von
    Margit

  3. Wir hatten noch nie so viele Tomaten, wie in diesem Sommer. Die wurden nicht rechtzeitig ausgegeizt, sodass die drei Pflanzen sich sehr buschig verzweigten. Später lagen dann die früchtebehangenen Triebe auf dem Boden (Efeu) und ließen weiter die roten Dinger (ich mag keine frischen Tomaten) reifen.
    Vielleicht waren ja die warmen trockenen Nächte maßgeblich daran „schuld“…

  4. Danke Matthias für die Info dass mein Post über Tulpen auf einem fremden Blog veröffentlicht wird. Ich habe schon mal über Kontakt abgemahnt und werde notfalls rechtliche Schritte einleiten.
    Frauke
    ansonsten lese ich gene bei Dir

  5. Hi Frauke,
    heute hab ich eine Anfrage bei DENIC gestellt, um den Domaininhaber heraus zu bekommen. Das Impressum scheint nicht zu stimmen, jedenfalls antwortet da niemand.
    Es sind auch noch mehr Leute betroffen, z.B. Achim (Achims Garten) – es ist wirklich krass. In diesem Blog ist anscheinend ALLES zusammen geklaut!

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