Wilde Garten-Zukunft am E-Werk

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Am E-WerkAuf unserer Suche nach einem neuen „wilden Garten“ kamen wir durch verschiedenste Berliner Kleingartenanlagen. Zu unserer Freude gibt es da wirklich Unterschiede in Stil und Atmosphäre: oft ist alles extrem ordentlich und adrett, kein unerlaubtes Pflänzchen wächst auf den Wegen, in anderen herrscht eher lockeres Laisser Faire. Wir neigen natürlich zu Letzteren, und wenn die Anlage selbst dann auch noch von „Wildnis“ und Brachflächen, Spontangrün und nicht mehr genutzten Gebäuden umgeben ist, dann fühlen wir uns schon gleich ein bisschen heimisch.

Diese Bilder sind aus der KGA „am E-Werk“, 20 Fahrradminuten von meiner Wohnung. Nahe genug also, um nachmittags mal eben in den Garten abzudüsen und nicht nur am Wochenende „die große Reise“ in die Ferne antreten zu können. Von da aus kann man die teils wirklich wilde Umgebung erwandern, binnen 5 Minuten ist man auch an einem stillen und von allen Nutzungen verlassenen Teil des Spreeufers.

am E-Werk

Die übermannshohen Rohre, die sich da durch die Landschaft schlängeln und inmitten der grünen Wildnis interessante Anblicke ergeben, führen Fernwärme dahin, wo sie gebraucht wird. Teils sind sie überwuchert, manchmal auch „untergraben“, so dass man drunter durch kann.

Am E-Werk

Und das ist der Garten, der unser neuer „wilder Garten“ werden wird – es gibt kaum eine Stelle, von der aus er wirklich ÜBERSICHTLICH zu fotografieren wäre:

neuer Garten

Es sind gut 450 Quadratmeter, darauf eine „Laube“ in der erlaubten Größe, also ohne Umbauverpflichtungen. Dahinter liegt eine kleine Wiese, auf der ein Gewächshaus steht, das „Bestandsschutz genießt“:

Gewächshaus

Fast jede Ecke in diesem Garten inspiriert uns, es ANDERS machen zu wollen – was für eine spannende Gestaltungsaufgabe! Allein schon die viele blanke Erde fand ich verblüffend: weder wächst da etwas, noch ist es „Weg“, warum macht man sich dann die Mühe, dass auch noch zu jäten?

blanke Erde

Schon diese Woche werden wir Zugang bekommen, im August wird dann voraussichtlich das Formelle über die Bühne gehen. Und dann gibts viele viele Beiträge hier im Blog zu den einzelnen Gestaltungsüberlegungen, Verwilderungsmaßnahmen und was uns so alles einfallen wird, wenn wir erstmal dran sind!

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Autor: ClaudiaBerlin

Claudia lebt und gärtnert in Berlin und bloggt seit 2005 rund ums naturnahe Gärtnern. Folge dem Blog auf Twitter.com/gartenzeilen - da gibts Lesetipps und allerlei Infos rund um unser tolles Hobby.

15 Kommentare

  1. Hurra hurra, die wilden Gärtner haben wieder einen Garten!

    Ich freue mich riesig mit Euch, gratuliere herzlich und wünsche inständig, dass Euch aus diesem Fleckchen Erde viel Freude erwächst.
    In seiner Nacktheit schreit es ja förmlich nach wilden Gärtnern mit großem Nachholbedarf und schweren Entzugserscheinungen: Waltet Eures Amtes und wildert, was das Saatgut hergibt!

    Als Kleingärtnerin mit einem Jahr Erfahrung und mit Blick auf Euer Gartenverständnis kann ich mich aufrichtig Eurem Optimismus anschließen: Ich sehe auch verdammt viele Möglichkeiten, und nicht das, was da jetzt alles ist – bzw. vor allem nicht ist.

    Die blanke Erde hat den Vorteil, dass Ihr nicht erst ein paar Jahre tief verwurzelte Wucher-Pflanzen entfernen müsst. Der Nachteil könnte ein Humusmangel sein. Im Zweifelsfall würde ich zuallererst ganz schnell alles mit Gründüngung einsäen. Während die dann spriesst, können die Vertreter eines Bodenlebens zurück in die Wüste einwandern und Ihr könnt Euch in aller Ruhe im Liegestuhl überlegen, wie Euer Paradies dann aussehen soll.

    Das Gewächshaus finde ich herrlich! Sehe ich auch ein Tomatendach und Bohnen-Spaliere? Am Anfang glaubt man ja nicht, dass man all sowas braucht, bis dann die ersten netten Gartenfreunde ihre überaus köstlichen Tomaten zum probieren reichen… und alte Gemüsesorten erhalten werden wollen. Regenwasser ist ja auch schon da ;-)

    Apropos Gartenfreunde: Es gibt ja diese und jene. Und zum Glück den Auenländer, der uns amüsant berichtet, wie man an den weniger grünen Seiten des Kleingartenwesens vorbei gärtnern kann. Ich drücke Euch die Daumen, dass Ihr nicht einen Vorstand im Rentenalter habt, der die Pächter Parzellenweise an von ihm bestimmten Samstagen von 8-10 Uhr zur Gemeinschaftsarbeit anrücken lässt.

    Darüberhinaus gilt es, mit der Powershot herauszufinden, wo in den Nachbargärten schöne wilde Motive fürs Blog sind. Dort finden sich dann nämlich auch die dazugehörigen netten GärtnerInnen, die Euch mit den entscheidenden Informationen versorgen, und ganz nebenbei Ableger heiss begehrter Pflanzen vermachen, die Ihr tags zuvor fast schon teuer im Internet erworben hättet ;-)

    20 Fahrradminuten garantieren einen Abstand zum Alltag, der sehr kostbar ist, und die Nachteile aufwiegt – wie ich ebenfalls aus Erfahrung weiß. Wir hätten in unserer Straße Kleingärten haben können, aber haben freiwillig die Variante JWD gewählt. Natürlich kann man da nicht mal eben nach dem Rechten schauen, oder ein paar Kräuter fürs Essen ernten. Dafür hat man aber den Ausflugscharakter, den Am-Haus und Nebenan-Gärtner nicht haben. Inklusive Tasche packen mit Kartoffelsalat und Keksen fürs Gartenpicknick. Außerdem könnt Ihr von Eurem Garten aus viele Bäume sehen – wohingegen die meisten Leute mit eigenem Garten und auch viele Kleingärten von Häusern umzingelt sind.

    Prima Aussichten also, und ich freue mich schon darauf, dabei zuschauen zu dürfen!

    Alles Wilde & Gute im Grünen an der Spree
    wünscht Gretel im Busch

  2. Hi Gretel,

    danke für deine tollen Tipps: na klar, GRÜNDÜNGUNG, das ist es!! Das mit dem Humusmangel hast du voll erkannt: die blanke Erde wirkt echt „wüstenmäßig“ und ausgelaugt (wogegen bei der Nachbarin alles gut aussieht!) Ich hatte erst dran gedacht, da eine Menge gekauften Humus drauf zu werfen, doch Matt (der „wildere“ Gärtner von uns beiden) ist nicht so fürs künstliche Aufpeppen sondern eher für langsame Bodenverbesserung.

    3 Stunden Gemeinschaftsarbeit pro Jahr an einem monatl. Termin, den man dann selber wählen kann, jagen mir keinen Schrecken ein – und es ist ja einsichtig, denn ein paar Gemeinschaftsanlagen und Hauptwege bedürfen wohl gelegentlich der Pflege. Dafür hat man nur geringe Pacht, was solls also… Zur Not kann man das auch per Geld „ablösen“, was wir aber nicht machen werden.

    Das „Tomatendach“ werden wir da nicht stehen lassen, es ist „illegal“, wichtiger aber ist, dass es da ein bisschen sehr dominant den Anblick bestimmt. Ich denke, wir werden den Tomaten perspektivisch ein anderes Plätzchen und eine andere Art Überdachung gönnen.

    Die etwas eigenartige Form der Pflege, die der Noch-Besitzer dem Boden hat angedeihen lassen, führt sichtbarlich zu keinem besonderen Wuchserfolg – aber das wird sich ändern mit den Bodenverbesserungen.

    Wir freuen uns sehr, wieder gärtnern zu können, klar! Wasser gibts aus der Regentonne UND vom Anschluss, also kein Problem.

    20 Fahrradminuten erscheint uns als Berlinern ausgesprochen NAH! :-)) Zudem ist das Radfahren dann auch „sinnvolle Bewegung“ als Gegengewicht zum Sitzen vor dem Monitor – passt alles super. Und wo du hinschaust, ist grün, keine Häuser.

    Dafür in nicht allzu weiter Entfernung eine Straße, die man nicht sieht, aber hört. Das hab ich aber auch hier in meiner Wohnung und es stört mich nicht, ich mach sogar das Fenster auf, um mehr von „draußen“ zu hören…. Stadtmensch halt…

  3. Hallo Claudia,

    20 min mit dem Rad ist wirklich toll und wenn die
    Strecke passt macht es ja auch eine Menge Spass.

    Was mich an diesen Gartenanlagen immer sehr abschreckt
    ist die grosse Reglementierung mit Auflagen, „Gesetzen“ etc.
    Gerade für einen wilden (ich bevorzuge das Wort natürlichen)
    Garten kann das zu sehr viel Stress führen.

    Ich hoffe das Euch solche Dinge erspart bleiben, ihr
    könnt ja darüber berichten. Würde mich sehr freuen.

    Viele Grüsse und viel, viel Spass

    Danny

  4. Merkwürdig, es scheint ein Reflex bei vielen Nachachtundsechszigern zu sein, wenn das Wort „Kleingarten“ fällt gleich an Reglemetierung, Spießigkeit und Ordnung zu denken…als ob es nicht Regeln, Ordnungen, Gemeinsschaftsdienste (bei Nichtkleingärtnern) überall gibt, ich könnte aus der Lamäng gleich ein halbes Dutzend aufzählen.
    Gratuliere Claudia, ich freu mich richtig auf mehr Berichte aus dem Kleingartenreich und darüber wie Ihr alles verändern werdet. Kleingärtnerisch geprägt finde ich die Idee des Kleingartens im städtischen Raum unbedingt erhaltenswert und verfolge deshalb u.a. Auenländers Kleingartenblog sehr gerne!
    Die Ratschläge der „Jungfer im Grünen“ sind genau richtig, wo hat die eigentlich ihren Blog, so schreibt jemand mit Gartenerfahrung, ich würde gerne mehr davon lesen!
    Was ist eigentlich ein Gewächshaus mit Bestandsschutz und warum soll es weiter bestehen??
    Deine Nachricht ist angekommen, ich bin in froher Erwartung meines Preisbuches :-))
    LG
    Sisah

  5. @Daniel: nach dem, was ich bis jetzt so gesehen habe, hält es sich in Grenzen und wird auch in den Vereinen unterschiedlich stark „ausgelebt“. Die wichtigsten Vorgaben macht das Bundeskleingartengesetz, die dann durch die Satzungen der Vereine mehr oder weniger ergänzt werden. Wir haben aber auch KGAs gesehen, die auf viele dieser Vorgaben pfeiffen..

    @Sisah: meine Ansichten haben sich da auch entspannt, seit ich mehr davon konkret zu Gesicht bekomme und darüber lese. Würde man mit 30 Leuten draußen Land pachten und Gärten anlegen, bräuchte man ebenfalls Regeln, ganz klar! Und die alle selber ausdiskutieren, macht auch nicht grad Freude… Ich bin eigentlich ganz neugierig auf das „KGA-Vereinswesen“ und die Leute im E-Werk scheinen ganz ok zu sein.
    Ja, ich würde auch gern mehr von Gretel lesen!

  6. @Sisah: ach ja, das Gewächshaus! Es sind pro Garten nur 24 m² Gebäude erlaubt – hier von der Laube schon „verbraucht“. Das Gewächshaus ist demnach zuviel, es darf aber stehen bleiben, weil es eben schon vor der Regel da war. Neu bauen dürfte man keines…

  7. Was für eine außergewöhnliche Umgebung! Ich freue mich für euch über euer neues Wildes Gartenglück“ und bin schon gespannt auf die vielen neuen Beiträge hier. Fein, dass ihr was Passendes für euch gefunden habt.
    Liebe Grüße, Margit

  8. Zum Bodenverbessern (Gründüngung) kannst du z.B. auch Lupinen verwenden (siehe dazu hier).
    Auf die blanke Erde irgendwas werfen (Dünger oder Hexelschnitt oder Mulche oder was auch immer) schafft dir nur Probleme mit Winden (die lieben das geradezu und werden irrsinnig schnell und lang) und Brennesseln und ähnlichen Freunden. Es sei denn, du liebst ausgerechnet diese. Die verdrängen aber alles andere.

    Lupinen blühen sogar noch und sehen schön aus. Senf oder Kresse zu säen hatte ich auch mal probiert, mit dem Resultat, daß es scheußlich aussah, weil alles voller gleichförmiger Blätter war. Da, wo ich mal Mulch ausgebracht hatte, waren die Blätter auch noch gigantisch groß! Und das Zeugs kam immer wieder. Ob es den Boden irgendwie verbessert hat, weiß ich nicht. Meine Laune auf jeden Fall nicht.

  9. Uijeh, ich trübe das neue Gartenglück ja nicht gerne, aber die Überlandleitungen würden mir echt ein wenig Sorge machen, ist halt doch Starkstrom… keine Bedenken?

  10. Auch von mir alles Gute mit eurem Garten. Die Rohre würden mich aber schon stören, bin ganz der Meinung von Karina… Passt lieber auf, dass ihr nicht versehentlich gegrillt werdet… ;)

  11. Hallo Claudia, habe eben Eure Seite entdeckt und freue mich auf viele tolle Berichte aus Eurem neuen Garten. So wie er jetzt aussieht, würde er auch mir die Ärmel von allein hochkrempeln. Das Gewächshaus sieht doch hübsch aus! Mit Laubenpiepern stehe ich zwar auch auf Kriegsfuß, weil sie bei uns in der Gegend ALLE solche Gärten haben, wie der, den Ihr übernommen habt, aber vielleicht sind die Nachbarn ja ganz nett.

    Erstmal alle guten Wünsche.
    Liebe Grüße
    Grete

  12. Pingback: 54 - und Jahr 12 im Internet

  13. @Karin: wovor sollten wir Angst haben? Dass eine Leitung runter fällt?? Unwahrscheinlich, dass wir dann ausgerechnet da stehen, wo sie runter kommt.. An das leise Wispern gewöhnt man sich, genau wie an den Sound der Straße, die in einiger Entfernung vorbei geht, aber hörbar ist. Auch hier in meiner Wohnung hör ich die Straße und gelegentlich allerlei technische Geräte… wir leben nun mal in der Großstadt und „raus in die Idylle“ hab ich schon hinter mir (2 Jahre Mecklenburg in einem kleinen Dorf, nix als grün und weite Horizonte).

    Dass der Garten so NAH ist, ist der Vorteil – ansonsten hätten wir weit fahren müssen, was dann bedeutet, dass wir lang nicht so oft hin könnten…

  14. Ich find das mit den Rohren auch nicht schlimm. Hat was abenteuerliches finde ich. Außerdem sehen sie ja wohl stabil aus.

  15. @ Sisah und Claudia: Die “Jungfer im Grünen” ist in erster Linie Blog-Lose, weil sie – zu vieler Menschen Bedauern – sich noch nie gewöhnlich, schnell und kurz fassen konnte und mochte.

    So bin ich nun verwundert, dass Ihr ausgerechnet angesichts meines überlangen Postes hier in Frage stellt, dass ich gut daran tue, mich selten zu äußern. Ich danke einfach mal für die freundliche Aufnahme meiner Ausführungen und verweise auf meinen Lunaria-Post.

    @ Und Sisah: Keine falschen Mauerblümchen-Bescheidenheiten ;-) Darum meinen Glückwunsch zur verdienten Mauerkronen-Krönung!

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