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Wieviel Platz für Hornissen?

| 16 Kommentare

HornisseIn einem Kommentar zu meinem Hornissen-Artikel schrieb Franziska:

“Meine Freundin Dodo hat (im schönen Schwabenland) einen Garten, dem sie viel Zeit und Liebe widmet. Bis neulich dieses Hornissennest mitten im Hochbeet (Baumstumpf) auftauchte. Die Biester waren extrem angriffslustig, sobald Dodo sich nur auf fünf Meter dem Nest näherte. Wie sollte sie gießen? Keine Chance. Immer wieder strömten die lieben Großen aus und stürzten sich auf sie. Flucht oder gestochen werden! Sie wurde an einem Tag dreimal in den Kopf gestochen und die brüllenden Schmerzen waren wohl kaum auszuhalten. Viel schlimmer als Wespenstiche!”

Friedfertig und ungefährlich?

Solche und ähnliche Berichte liest man immer wieder. Ganz anders hört es sich auf den Naturschutzseiten an, so heißt es z.B. auf hornissenschutz-bs.de: “Hornissen sind friedfertig und ungefährlich. Die weitverbreitete Hornissenangst ist völlig unbegründet. Hornissen sind nicht so aufdringlich wie die Gemeine Wespe oder die Deutsche Wespe, sondern sehr friedfertige Tiere. Außerdem sind sie nicht an Süßigkeiten, Kuchen oder Limonade interessiert, sondern ernähren ihre Larven mit anderen Insekten (Fliegen, Wespen, Wildbienen, Spinnen, etc.) und sich selbst mit Pflanzensäften!”

Auf hornissen-hummeln.de liest man eine differenzierte Darstellung zum Abwehrverhalten der Hornissen im und außerhalb des Nestbereichs, der bei großen Völkern schon mal bis zu fünf Metern betragen kann. Danach sind sie außerhalb ihres “Heimbereichs” tatsächlich recht friedlich und auf jeden Fall berechenbarer als Bienen oder Wespen – im Nahbereich aber greifen sie an!

Mit der naturschutzgerechten “Entsorgung” der Hornissen hat Dodo aus dem Schwabenland keine guten Erfahrungen gemacht, wie Franziska weiter berichtet: “Die Stadt verbot ihr ausdrücklich, das Nest zu entfernen, weil Hornissen unter Naturschutz stehen. Bis ein Experte sich nach wochenlangem Rumtelefonieren und dank der Großzügigkeit eines Beamten sich erbarmte und das Nest vorsichtig einsammelte. Leider (?) verlor er dabei die Königin und das ganze Volk ging ein.”

Zwischen Angst und Naturschutz

Das Fragezeichen hinter dem “Leider” drückt die Ambivalenz aus, mit der ich ebenfalls lebe, da mir die Viecher Angst einjagen, die durch rationales Wissen nicht einfach verschwindet. Es stellt sich die Frage, wie viele Hornissen wir in der Nähe menschlicher Ansiedlungen oder gar mitten in der Stadt wünschen, bzw. welche Hornissendichte eigentlich als “ethisch korrekt” gelten soll. Auch Menschen muss man schließlich ein Recht auf “Abwehrverhalten” zubilligen, denn auch wir sind Teil des Gesamtbiotops!

Ich würde mich jedenfalls auf kein wochenlanges Tauziehen mit Behörden einlassen, wenn in MEINEM Homebereich eine Hornissenkönigin Anstalten macht, ein Nest zu errichten! Im Fall von Dodo aus dem Schwabenland war aus meiner Sicht das Kind schon in den Brunnen gefallen, als sie das Nest im Hochbeet entdeckte. Schließlich braucht es Zeit, bis da ein Nest entsteht und MEHRERE Hornissen herum schwirren, um es zu verteidigen. Ich hätte die Baumeisterin sehr bald gesichtet und in ihrer Abwesenheit den Baumstumpf mit einem Tuch zugebunden. So hätte sie sich wohl oder übel einen anderen Nistplatz suchen müssen. Gerne überall, aber nicht in meinem Garten, in dem ich mich (auch) entspannen will und nicht fortwährend darauf achten, dass ich kein “Abwehrverhalten” bei einem Hornissenvolk auslöse.

Ist es bereits zu spät, kann man in der bundesweiten Hymenopterendienstdatenbank (was für ein Name!) nach Experten suchen, die ganze Völker umsiedeln können – ohne dabei die Königin zu verlieren!

Meister der Selbstbeherrschung

Ein lieber Freund, in dessen Toskana-Bauernhaus ich früher manchen Sommer verbrachte, störte einmal ohne Absicht ein Hornissennest, das nicht weit von der Quelle entstanden war, an der er gelegentlich Wasser holen musste. Die Wächterinnen hatten ihn bereits gesichtet und starteten zum Angriffsflug, unbemerktes Entkommen war nicht mehr möglich. Er verharrte reglos wie eine Statue, rührte sich nicht mehr und ertrug es, dass die drei dicken Brummer auf seinem Gesicht landeten! Nach einer Weile entfernten sie sich wieder, weil ja nichts passierte.

Wow, was für eine Selbstbeherrschung – ich erstarre noch heute in Ehrfurcht!!

Fotomontage Riesenhornissennest im Feuer

Autor: ClaudiaBerlin

Claudia lebt und gärtnert in Berlin und bloggt seit 2005 rund ums naturnahe Gärtnern. Folge dem Blog auf Twitter.com/gartenzeilen - da gibts Lesetipps und allerlei Infos rund um unser tolles Hobby.

16 Kommentare

  1. Ach du dickes Ei, das klingt ja richtig gruslig! Das kriegt man leider nicht mehr hin, wenn die Panik erstmal da ist. (Ich habe neulich echt gestaunt, wie groß Dodos Angst war, die ist sonst wirklich cool.)

  2. Die Fotomontage ist wirklich lächerlich… Wie auch immer: Tiere können für die Dummheit des Beamten-Volkes gar nix! Menschen fügen ihrer Umgebung und damit sich selbst, seit einigen Jahren, erheblichen Schaden zu! Aus Unkenntnis. Darum: Bildet euch, nur bildet euch keine Meinung.

  3. @nixda

    nun, der Dodo haben die Hornissen ja durchaus auch Schaden zugefügt. Es bringt nichts, das Verhalten der Tiere zu verharmlosen, denn wenn ein bis dahin gar nicht mit Hornissen befasster Mensch dann plötzlich absichtslos mit ihnen “aneinander gerät”, hat man nicht unbedingt einen Hornissen-Freund gewonnen!

  4. Hi Claudia,
    ich kann die Argumentation im Beitrag sehr gut nachvollziehen. Zumal ich eine sehr ähnliche langjährige Beziehung zu den Tieren habe wie Du. Wobei ich Hornissen entspannter betrachte als Wespen, die die menschliche Gesellschaft eben eher suchen.

    Einerseits Naturschutz, ja, gerne, andererseits brauche auch ich einen gewissen Mindestabstand, um mich mit Hornissen/Wespen-Nestern noch wohlzufühlen. In Zeiten kleinräumiger Neubau-Bebauung wie bei mir (Längsseite Gartenbreite 2,5 Meter, quer 6 Meter Länge) denke ich, kann man das auch verstehen. Wenn es Probleme mit räumlicher Enge zwischen Mensch und Tier gab, habe ich die Viecher umsiedeln lassen. Ohne schlechtes Gewissen! ;-)

  5. hallo claudia,
    bei aller naturromantik, ein hornissennest mitten im garten würde mir auch nicht gefallen und bei fünf meter sicherheitsabstand brauchts schon einen großen garten um einträchtig nebeneinander auszukommen.

  6. Liebe Claudia,
    man muss die Dinge von allen Seiten sehen, denn Hornissen können so oder so. Sie sind seit langer Zeit hocheffizient an ihre Lebensweise angepasst, das gilt auch für die Verteidigung, und sie sind lernfähig, sowohl in der Anpassung an Feinde als auch an “ungefährliche” Situationen. Werden die Tiere in einer hochgelegenen, störungs- und erschütterungsfreien Höhle nicht gestört, gibt es beim Zusammenleben keine Probleme. Es gibt Leute, die ein Nest z.B. in einem Kasten in ihrem Garten haben (siehe das Tagebuch der verlinkten Seite) und in respektvoller Nähe zu ihnen leben. Die Tiere werden gefüttert und erkennen ihren Gönner als “positiv” an, aber nur, weil sie nicht gestört werden.

    Eine Störung ist alles, was sich direkt am Nest zu schaffen macht oder an dem Objekt, in dem es sich befindet, und insbesondere, wenn es Erschütterungen oder dumpfe Vibrationen auslöst, oder es sich nur um solche handelt (auch vom Maschinen). Ein morscher Baumstumpf ist immer “dumm dran”, denn er ist nicht stabil und leicht zu erschüttern, und es macht sich *immer* allerlei Getier einschließlich Vögel daran zu schaffen, da der Eingang dann in Bodennähe ist. So ein Ort ist immer schlecht und ruft oft Probleme hervor, und so wird es auch in dem Beispiel gewesen sein. Die Hornissen lernen die Situation als auch Mensch und Tier zu erkennen und reagieren oft sofort, sozusagen präventiv, quasi nach dem Motto “da kommt ja immer was Negatives bei rum”.

    Die beste Methode gegen ungünstige Nistorte wie Baumstümpfe oder -füße ist wirklich, die Königin passiv im Frühjahr auszusperren, denn dann kann sie sich noch einen neuen Ort suchen. Wenn man eine Kunsthöhle an günstigem Ort anbietet, hat man sogar oft Glück, dass die Königin gerade diesen Ort wählt; das Zeitfenster im Frühjahr ist dafür aber recht kurz. Jede andere Aktion in Eigenregie ist tatsächlich verboten und auch nicht empfehlenswert, da mittlerweile immer öfter missgünstige Nachbanr zu Denunzianten werden. Die Gesetzgebung dazu ist übrigens von Naturschutzverbänden unterstützt worden, und die Beamten können nichts dafür, sie handeln nur nach Gesetzeslage und in dem Sinne sehr defensiv.

    Ich gebe aber zu, dass ein Nest in Bodennähe und schlechtem Material immer ärgerlich ist oder zumindest irgendwann wird, und das ist eine Ausnahme. Ende August bis Anfang Oktober sind Hornissen dann wegen ihres Nachwuchses nochmal extrem nervös und schnell verteidigungs(!)-lustig. Gerade gab es (in Braunschweig) einen Fall eines großen Nestes in einem morschen Baumstumpf* an einem Bahndamm*, mit zusätzlichen Wegebauarbeiten* am nahegelegenen Fuß- und Radweg*, also mindestens 4 Arten(*) von Störungen, zudem ist es September. Als sich dann noch ein Hund am Stumpf zu schaffen machte, kam es zum Verteidigungsangriff auf Passanten und zum Unfall. Für die Hornissen und die ganze Situation dumm gelaufen.

    Ich möchte nur empfehlen, sich die mittlerweile vielen Seiten über Hornissen und insbesondere das Tagebuch (Link) und das zugehörige Forum anzuschauen (dort gibt’s auch eine Claudia, dieselbe?). Es ist lehrreich und keineswegs nur verklärte Liebhaberei, man lernt auch etwas über die negativeren Seiten. Übrigens: “Hymenopteren” sind Hautflügler, also Bienen, Hummeln, Wespen + Hornissen und noch viele mehr; das ist doch ein schön zusammengefasster Name, oder nicht? – Eine Dienstleistungsdatenbank zeigt ja auch, wie wichtig und allgemein das Thema geworden ist, und in manchen Gegenden (Thema unflexible Beamten) gibt es leider weder Berater noch Umsiedler, und die Behörde ist trotzdem in Zugzwang.

    Wie wäre es daher, wenn Ihr selbst aktiv werden würdet, da Ihr Euch doch mit dem Thema befasst? – Ich habe übrigens unter genau der beschriebenen Wespen- und Hornissenphobie gelitten, jedoch die Beschäftigung mit den Tieren (oft mit Imkerschutz) hat mich viel ruhiger gemacht, und ich ertrage die Tiere jetzt in meiner Nähe, auch ohne Schutz.

    Viele Grüße, Mathias (MatsDrohne)

  7. Hallo Claudia!

    Auf unserer oben zitierten Seite steht jedoch auch, allerdings zwei Absätze weiter unten, aber sogar *farbig* hervogehoben:

    “Grundsätzlich sind Hornissen harmlos. Sie fliehen normalerweise bei Bedrohung. Nur in einer Entfernung von 3-4 Metern um ihr Nest herum, sollte man mit schnellen Bewegungen und größeren Erschütterungen vorsichtig sein, da sich Hornissen im direkten Nestbereich verteidigungsbereit zeigen. Auch längeres Verstellen der direkten Flugbahn oder Anatmen der Tiere sollten Sie vermeiden.”

    Insofern ist die Darstellung nicht völlig “undifferenziert”. Hornissen sind keine Kuscheltiere aber auch keine Horrorwesen. Wenn es zu Konflikten kommt, dann ausschließlich im Nestumfeld.
    Dabei sind die Meter-Angaben relativ. Oftmals, gerade bei kleinen Nestern, kann man ganz nah heran gehen, ohne dass irgendetwas passiert. 3-4 Meter ist der Wert, der am häufigsten genannt wird, da er der Erfahrung entspricht. Sind Völker erst einmal aufgebracht kann sich dieser Wert auch erhöhen.

    Die grundsätzliche Schwierigkeiten der gesetzlichen Vorgaben sehe ich auch. Denn es wäre natürlich wünschenswert, dass es in Verbindung damit eine individuelle Beratung und Beurteilung der speziellen Situation vor Ort bei einem Nest z.B. im Garten gäbe. Das wird aber in der Regel nur ehrenamtlich geleistet und ist daher nicht flächendeckend im ganzen Land möglich. Leider werden Gartenbesitzer somit manchmal in dieser Situation “allein” gelassen.

    Trotzdem bleibe ich jederzeit bei der Behauptung, dass Hornissen “grundsätzlich” harmlos sind. Wir haben seit drei jahren regelmäßig ein Nest im Garten, etwa 5 Meter von einer Schaukel und einer Sandkiste entfernt. Unser Gartenweg führt 2-3 Meter daran vorbei, es gab noch nie Konflikte. Schon gar keinen Stich.

    Wer mit aufgebrachten Hornissen in Berührung kommt, ist natürlich nachher emotional sehr aufgebracht und die Stiche sind natürlich auch schmerzhaft. Daraus erwachsen selten Hornissenfreunde. Das bedeutet für uns, dass wir in der Regel (in Absprache mit den Behörden)) “im Zweifel für den Angeklagten” entscheiden und auch umsiedeln, um wahrscheinlichen Konflikte vorzubeugen.

    Nach meiner Erfahrung zeigt sich immer wieder, dass wir die meisten Umsiedlungen vermeiden, indem wir persönlich, direkt vor Ort, mit den Menschen sprechen. Fast alle Probleme lassen sich so lösen und die Leute fühlen sich ernst genommen, gut beraten und haben bei Problemen einen konkreten Ansprechpartner. Natürlich ist das immer besser als ein *virtueller*.
    Leider gibt es das allerdings nicht in jeder Region. Ein “anonymer” gesetzlicher “Zwang” ein Nest vor Ort zu behalten, ist natürlich immer problematisch.

    Gruß
    Frank.

  8. Pingback: Kambodschanische Hornisse

  9. Ich habe dieses Jahr ein Hornissennest aus dem Rolladenkasten des Kinderzimmers meiner Tochter herausgeholt und zertreten.

    Egal wie rechtlich geschuetzt, agressiv oder friedlich die Viecher sein moegen, meine Tochter gefaehrden die nur ueber meine Leiche. Und auf die “Barmherzigkeit” von Beamten vertraue ich erst recht nicht, wenn es darum geht mein Kind zu schuetzen.

    Sollen sich die Hornissen demnaechst einfach im Rolladenkasten meines Arbeitszimmers ansiedeln, dann koennen sie meinetwegen da bleiben, bis sie im Winter sowieso sterben. Mich haben schon einige Bienen und Wespen und als Kind auch mal eine Hornisse gestochen und wenn sie nicht gerade in meinem Schlafzimmer umherschwirren, kann ich mit ihnen leben. Im Schlaf-/Kinderzimmer meiner Tochter haben sie aber nichts verloren, daran aendert auch ein Gesetz nichts.

    LG
    Christian

  10. Wir hatten in unserem 3 Quadratmeter Anzuchtgewächshaus über 5 Wespennester. Eines direkt im Türrahmen, eine Tür durch die man sich ducken musste da sie nicht sehr hoch war, auch nicht sehr breit.

    Die Wespen schwirrten dort fleissig herum, man arbeitete nebenher an den jungen Pflanzen. Der Dachgiebel war knapp 2 Meter, auch dort hingen Nester, also direkt über dem Kopf.

    Entweder hatten wir besonders nette Wespen, oder es ergab sich einfach das Wespen eben nicht agressiv sind wenn man sich auch nicht hektisch, panisch bewegt.

    Wie Hornissen am Nest reagieren konnte ich selber bisher noch nicht erleben, aber dass diese sich auf den Händen herumtragen lassen wenn man behutsam ist habe ich schon gesehen.

    Nichts was ich gerne machen würde da ich allergisch auf Bienen/Wespengift bin, aber für mich gab es bisher noch keinen Grund negativ auf gestreifte Brummer zu reagieren.

  11. Wir hatten schon mehrfach Wespen direkt neben unserem Badezimmerfenster und noch ein zweites Nest in einem Rolladenkasten auf der anderen Seite des Hauses. Selbstverständlich kann man nicht ohne hohe Eigengefährdung ein Fenster öffnen wenn man direkt daneben ein Wespennest hat. Deshalb mussten wir diese ungebetenen “Gäste” so schnell wie möglich wieder los werden. Uns ist leider keine andere Möglichkeit geblieben als einen Schädlingsbekämpfer zu beauftragen.

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