Weniger Mähen: Naturrasen oder Blumenwiese?

Englischer Rasen, streichholzkurz und gepflegt, dabei möglichst strapazierfähig: noch immer bemühen sich viele Gartenfreunde, dem Ideal nachzukommen und eine satte grüne Rasenfläche im eigenen Garten zu unterhalten. Allerdings: die heimische Tier- und Insektenwelt kann mit einem solchen Rasen wenig anfangen, von „Artenvielfalt“ bei den Pflanzen ganz zu schweigen!
Rasen und Wiese

Arbeit, Arbeit, Arbeit…

Auch macht ein solcher Rasen ziemlich viel Arbeit: alle paar Tage mähen, düngen, zur richtigen Zeit wässern, vertikulieren, Moos vernichten – meist schafft man doch nicht alles im nötigen Rythmus und die anfänglich gut aussehende Rasenfläche zeigt nach und nach doch Mängel auf: vertrocknete Stellen, Pilzvorkommen, „Unkraut“, das dann wieder bekämpft werden muss. So ein Rasen, der wie ein ordentlicher „Naturteppich“ aussehen soll, kann uns umfangreich beschäftigen! Und wer hat heute dafür noch Zeit, bzw. will die kostbare Auszeit im Garten zu großen Teilen dem Rasen opfern?

Die Blumenwiese als Alternative?

Schon vor dem Trend zum naturnahen Gärtnern waren viele Gartenbesitzer des Rasens müde. Die Naturschutzverbände werben lange schon fürs Anlegen natürlicher Blumenwiesen und so proben mehr und mehr Gartenfreunde den Umstieg vom Rasen zur Blumenwiese.

Blumenwiese

Mit einer blühenden Blumenwiese lockt man Bienen, Käfer und Schmetterlinge in den Garten, allerlei Nützlinge machen sich breit und helfen ganz „biologisch“, Schädlinge zu bekämpfen. So haben Marienkäfer großen Appetit auf Läuse, auch die Florfliege hält Blattläuse in Schach, Laufkäfer vertilgen gerne Schneckeneier – wenn das Umfeld stimmt, nehmen uns die Nützlinge viel Pflegearbeit ab. Auch ansonsten ist die Wiesenpflege im Vergleich zur Rasenpflege wenig aufwändig. Weder Düngung noch Spritzmittel sind nötig, gemäht wird nur ein bis zweimal pro Jahr.

Nachteil: Blumenwiesen können nicht ständig betreten werden, sonst knicken die Halme um und die Schönheit ist dahin! Als Spiel- und Sportflächen sind Blumenwiesen daher ungeeignet. Sie sollten durch kleine Pfade erschlossen werden, damit man die Pflanzen auch aus der Nähe bewundern kann ohne Schaden anzurichten.

Um eine Blumenwiese anzulegen, gibt es mehrere Möglichkeiten, doch gemeinsam ist ihnen, dass der Nährstoffgehalt im Boden wesentlich geringer sein (bzw. werden) muss als bei einem klassischen Rasen.

  1. Die Neuanlage: Wer ganz neu startet, hat gute Karten, denn frischer Boden ist noch nicht so nährstoffreich wie wenn bereits ein Intensivrasen vorhanden ist. Die Erde sollte durchlässig, gut gelockert und feinkrümeilig sein, bevor man die Blumenwiesenmischung aussäht. Fünf bis zehn Gramm Saatgut je Quadratmeter sind ausreichend. Die Samen werden wenige Millimeter tief eingerecht und mit Fußbrettern gefestigt. Wer eine größere Fläche neu anlegt, kann zur Erleichterung der Arbeit eine Rasenwalze benutzen. Die beste Zeit ist im Frühling und Herbst, doch muss in den ersten sechs Wochen unbedingt auf gleichmäßige Feuchtigkeit geachtet werden! Gemäht bzw. gesenst wird eine klassische Blumenwiese zweimal im Jahr, einmal im Juni und einmal Ende August / Anfang September.
  2. Rasen „impfen“: Der vorhandene Rasen wird stellenweise entfernt, evtl. der Boden an diesen Stellen mit etwas Sand abgemagert. Dann werden die gewünschten Blumensamen eingearbeitet oder auch punktuell vorgezogene Blumen und Kräuter gesetzt.
  3. Krass vertikulieren: Im Herbst oder zeitigen Früher den Rasen intensiv vertikulieren, evtl. etwas Sand aufbringen und dann mit Blumenwiesensamen neu einsähen.

Egal welche Methode man wählt, das richtige Saatgut ist entscheidend. Gängige Blumenwiesenmischungen enthalten oft einen hohen Anteil einjähriger Sommerblumen, die zwar anfangs schön blühen, aber schon bald wieder verschwinden. Nachhaltiger ist die Verwendung spezieller einheimischer Sorten, die sich am jeweiligen Standort dauerhaft etablieren können.

Der Kompromiss: Kräuterrasen, Blumenrasen

Eine hoch wachsende Blumenwiese, die man im Grunde nurmehr bewundern, aber kaum betreten kann, ist für viele Gartenbesitzer keine Option. Auch benötigt eine solche Wiese aus gestalterischen Gründen eine größere Fläche, die nicht überall zur Verfügung steht.

Ein guter Kompromiss zwischen klassichem Rasen und Blumenwiese ist der Blumenrasen bzw. Kräuterrasen. Unter diesem Stichwort finden sich Pflanzenmischungen aus heimischen Wildgräsern, Kräutern und Blumen, die nicht so hoch wachsen und auch- in Maßen! – betreten und bespielt werden können. Das sind zum Beispiel Gänseblümchen (Bellis perennis), Ga­man­der-Eh­ren­preis (Veronica chamaedrys), Günsel (Ajuga), kriechendes Fin­ger­kraut (Potentilla reptans), Kis­sen­pri­meln (Primula vulgaris) und Veilchen (Viola odorata). Den flachen Blattrosetten dieser Blumen macht häufigeres Mähen nichts aus. Der Handel bietet solche Samenmischungen an, doch sollte auf der Packung stehen, welche Pflanzen enthalten sind. Nur so lässt sich sicher feststellen, ob es sich um Sorten handelt, die zum eigenen Standort auch auf Dauer passen.

Mehr zum Thema:

Mit Geduld und Spucke – Tipps zur Anlage einer Blumenwiese im Garten (NABU)


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