Die 41 wichtigsten Arzneipflanzen im Portrait

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„41 Arten, die jeder kennen sollte“ werden im neuen Buch von Margot und Roland Spohn ausführlich beschrieben. Obwohl es kein Gartenbuch ist, finde ich das Werk interessant und sogar nützlich, zumindest für alle, die sich für Heilpflanzen interessieren und etwas tiefer schürfend informiert werden wollen.

Warum nützlich? Gibt es nicht schon jede Menge Bücher und Webseiten zum Thema? Durchaus, nur haben diese meist einen anderen Schwerpunkt. Oft steht der Anbau im Garten, das Selbersammeln und Selbermachen im Vordergrund. Wenn es dann um die Wirkungen geht, wird unter dem Stichwort „Volksmedizin“ oft alles zusammen geschmissen, was irgendwann einmal der jeweiligen Pflanze an Heilwirkung zugeschrieben wurde. Von Risiken ist selten die Rede und – so geht es zumindest mir – echte Orientierung, was WIRKLICH wirksam ist, finde ich so nicht.

Dann gibt es noch die wissenschaftlichen Bücher, die sich an Mediziner, Pharmazeuten und Forschende wenden: zuviel Stoff, zu fachspezifisch und oft schwer verständlich. Das Arzneipflanzenbuch der Spohns schließt also eine Lücke: Es beschränkt sich auf die 41 wichtigsten Arten, stellt diese ausführlich vor, ist gut zu lesen und sogar ansprechend farbig bebildert. Übersichtliche Tabellen, genaue Zeichnungen, Detailfotos der Pflanzen – dass Roland Spohn als Biologe auf Illustration und Naturfotografie spezialisiert ist, merkt man! Auch am Layout wurde bei diesem Buch nicht gespart, das die schnelle Orientierung ermöglicht.

Umfassend informiert: 23 Seiten Einführung

Den 41 Pflanzenkapiteln voran gestellt ist eine umfangreiche Einführung ins Thema Arzneipflanzen. Das sind übrigens nur jene, aus denen noch heute Arzneimittel hergestellt werden, deren Wirkung also wissenschaftlich nachgewiesen ist. Beschrieben wird der Weg von der Volksheilkunde zu aktuellen, pflanzlichen Arzneimitteln, ihre Inhalts- und Wirkstoffe. Pflanzliche Sekundärstoffe werden erläutert und was „Qualität“ bezogen auf verschiedene Vertriebsquellen und Darreichungsformen bedeutet. Anschließend werden die einzelnen Produktgruppen vorgestellt, in denen Arzneipflanzen angewendet werden: vom Arzneimittel bis zu Nahrungsergänzungsmitteln und Kosmetika.

Der letzte Part dieses Einführungsteils behandelt das Kultivieren und Anwenden der Arzneipflanzen, die man ja auch im Garten anbauen kann oder wild sammeln. Es rät aus guten Gründen davon ab, die Pflanzen zu Arzneizwecken (!) selbst zu verarbeiten, da eine Kontrolle der medizinischen Qualität (und ich füge hinzu: des Verschmutzungsgrads aus der Umwelt) im DIY nicht möglich ist. Das mag passionierten Kräuterhexen nicht gefallen, aber mich hat die Komplexität der Pflanzenstoffe und die Schwierigkeit, sie kundig zu verarbeiten und verlässliche (!) Ergebnisse zu bekommen, immer schon von diesem Unternehmen abgeschreckt (ich nehme lieber allerlei Kräuter aus dem Garten zum Salat). In den Pflanzenkapiteln finden sich dann immerhin Tipps zur Zubereitung von (gekauften) Tees und z.B. Ölen und Badezusätzen zur äußeren Anwendung.

41 Arzneipflanzen nach Anwendungsgebiet / Beschwerden geordnet

Die dann auf 246 Seiten folgenden Portraits der 41 wichtigsten Arzneipflanzen sind ausführlich, aber nicht zu lang. Die Pflanzen sind in 11 Kapitel geordnet, und zwar nach Beschwerden, gegen die sie helfen: Von „Mund/Rachen“ (Kamille, Salbei) über „Magen/Darm“ (Enzian, Pfefferminze, Artischocke, Kümmel, Fenchel, Lein, Senna) bis hin zu „Haut/Prellungen“ (Arnika, Beinwell, Ringelblume).

Arzneipflanzenbuch

Jedes einzelne der Pflanzenportraits enthält folgende Kapitel:

  • Kurzinfo Heimat und Standort
  • Beschreibung
  • Verwendete Pflanzenteile
  • Geschichte als Heiplflanze
  • Wichtige Inhaltsstoffe
  • Wirkung
  • Aktuelles Angebot (=in welchen Formen wird die Pflanze angeboten)
  • Anwendung und Risiken
  • Sammeln und Selbermachen
  • Im Garten
  • Ähnliche Arten

Da fehlt wirklich nichts! Im Fall „Johanniskraut“ erstrecken sich diese Infos über ganze sechs Seiten, die Standardlänge pro Portrait, machmal braucht eine Pflanze auch acht Seiten. Das Kapitel „Selbermachen“ handelt hier z.B. von der Teezubereitung und der Herstellung von Rotöl. Letzteres habe ich selbst schon hergestellt und als Massageöl verwendet. Ich bin gespannt, was ich noch finden werde, denn noch bin ich nicht mit allen Pflanzen durch.

Am Ende des Buches findet sich noch eine ausführliche Tabelle über die Anwendungsgebiete der 41 Pflanzen, farblich so unterlegt, dass man leicht das zugehörige Kapitel findet. Die Übersicht zeigt, dass die Arzneipflanzen ein breiteres Wirkungsspektrum aufweisen als es die Einteilung in Kapitel nach Beschwerden auf den ersten Blick nahe legt. Eine gute Ergänzung!  Auch die Zusammenstellung der getrockneten Pflanzenteile in Arzneitees (eine Bildergalerie) kann sich als nützlich erweisen, wenn man z.B. Kräutertee im Internet bestellt und mal vergleichen will, wie das „richtig“ aussehen sollte. Sogar ein Register der Pflanzennamen findet noch Platz, sowie Verweise auf weiterführende Literatur.

Alles in allem ist das Hardcover-Buch liebevoll gemacht. Dank der Farbnavigation mit Stichwort in den oberen Außenecken funktioniert es auch als schnelles Nachschlagewerk

Nun noch die Autoren – ich zitiere aus dem Verlags-Info:

  • Margot Spohn hat Biologie in Tübingen studiert. Ihre Schwerpunkte waren Botanik und Pharmazeutische Biologie. Zusammen mit ihrem Mann hat sie bereits mehrere botanische Bestimmungsbücher sowie Naturführer veröffentlicht. Hauptberuflich arbeitet sie in der Zulassung komplementärmedizinischer Arzneimittel.
  • Dr. Roland Spohn studierte Biologie in Tübingen und promovierte mit einem Thema zur Schlafforschung. Seither arbeitet er als selbstständiger Biologie im Bereich Sachillustration und Naturfotografie und führt ein umfangreiches Fotoarchiv. Außerdem kombiniert er biologische Themen zu phantasievollen Gemälden und stellt diese regelmäßig aus.

Zu guter Letzt der verdiente Werbelink:

Unsere wichtigsten ArzneipflanzenUnsere wichtigsten Arzneipflanzen
296 S., 560 farb. Abb., geb., 14,8 x 21 cm
ISBN 978-3-494-01779-2
Best.-Nr.: 494-01779
€ 29,95

Info: Das Buch wurde mir vom Quelle & Meyer-Verlag zur Verfügung gestellt. Ich rezensiere nicht alles, was mir angeboten wird, sondern nur solche Bücher, die mich selbst interessieren und die nach meiner Einschätzung auch die Leser/innen dieses Blogs interessieren könnten.

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Autor: ClaudiaBerlin

Claudia lebt und gärtnert in Berlin und bloggt seit 2005 rund ums naturnahe Gärtnern. Folge dem Blog auf Twitter.com/gartenzeilen - da gibts Lesetipps und allerlei Infos rund um unser tolles Hobby.

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