Naturnah gärtnern: Vorteile bei extremer Hitze

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Klar, wer nur einen kleinen Garten hat und den in diesen extrem heißen Tagen jeden Abend stundenlang per Sprühanlage beregnen lässt, wird kaum ein Problem haben. Dafür ist unser Garten (zwei nebeneinander liegende Partzellen, nur eine mit „Laube“) zu groß und wir wollten auch nie eine Art Terrarium erschaffen, das gänzlich auf unser tägliches Päppeln und Sorgen angewiesen ist. Auch Hitzeperioden gehören zum Jahreslauf: warum sollte der Garten aussehen als sei ganzjährig Frühling?

Gießen, gießen, gießen…

effektives Gießen mit der Kanne

Normalerweile gießen wir mit Gießkannen die Nutzpflanzen und überlassen die Hecken und Sommerblumenbeete weitgehend sich selbst. Wasser, das sich in Tonnen erwärmt, ist besser für die Pflanzen als die eiskalte Dusche aus dem Hahn. Das Kannen-Schleppen dauert schon mal eine gute Stunde, aber das stört uns nicht: man sieht so ja auch viel mehr, als wenn man nur mal drüber sprüht, das gar automatisch erledigen lässt. Und man spart Wasser, denn das Besprühen muss schon wirklich stundenlang laufen, damit es etwas nützt, sonst benetzt es nur grade mal die Oberfläche unseres eher sandigen Bodens und die Planzen vertrocknen trotzdem. Mit Kannen und gezieltem Gießen ist man da viel effektiver!

Garten Ende Juli

Vom Segen des Mulchens

Als absolut erfolgreich erweist sich in hitzigen und trockenen Zeiten das Mulchen! Noch letzte Woche haben wir Gras (ohne Samen) im nahe gelegenen Wäldchen gesenst und zu Mulch verarbeitet: auf einen Haufen abgeladen, diesen auseinander gezogen und dann mit dem Rasenmäher drüber gefahren bis alles als gut verwendbarer „Kleinschnitt“ im Auffangsack gelandet war. Der kam dann mehrere Zentimeter hoch auf Beete, die ich zuvor vom mittlerweile wieder gekommenen Wildwuchs befreit hatte. Genau diesen Himbeersträuchern und Erdbeeren geht es nun in der Hitze blendend! Die Mulchschicht hält die Erde feucht – auch jetzt bei über 35 Grad.

gemulchte Erdbeeren

Auch alle anderen Beete einschließlich der wilden Ecken nutznießen jetzt von unserer Weigerung, auf „nackter Erde“ zu gärtnern. Die Kulturpflanzen sind alle im Frühjahr gemulcht worden, etwas höher gewachsene Wildkräuter umranden die Beete, unsere Wege sind lediglich kurz gemähte Trampelpfade, kein Kies, keine Platten, kein offener Sandboden nirgends. Alles zusammen ergibt gerade jetzt in der Hitzeperiode eine viel lebensfreundlichere Atmosphäre für die Pflanzen als die traditionelle gärtnerische „Tabula rasa“: Gemüse in Reihe auf vollkommen kahler Erde, umgeben von Wegen, die ebenfalls von jeglichem Bewuchs frei gehalten werden.

Wir sehen in der Nachbarschaft, wie es den Freunden kahler Erde jetzt ergeht: da sind ganze Beete mit Zwiebeln, Buschbohnen und Erdbeeren komplett verdorrt – trotz fast täglichem Sprühschlaucheinsatz. Traurig! Ein anderer Nachbar klagt, dass auf seinem Boden nichts wächst – na klar, wenn dem Boden immer nur genommen aber nie gegeben wird, dann versandet er in unserem Berlin-Brandenburger Umfeld nun mal und verliert immer mehr Humusanteil und Nährstoffe. Erst recht, wenn man ihn ordentlich kahl hält. Sporadische Tierdung-Gaben helfen da nicht wirklich.

Kompost, Hügelbeete, Terra Preta

Komposthaufen

Dass wir auf beiden Parzellen große Komposthaufen haben, irritiert manche Gartenfreunde, die ihre Pflanzenabfälle lieber in den Wald oder in den Müll entsorgen. Für uns bzw. unsere Pflanzen sind diese Abfälle das reinste Lebenselexier, wir nehmen auch gerne von den Nachbarn das ihrige an! Als Mulch und Kompost gibt man so der Erde zurück, was man ihr durch die Aufzucht von Nutz- und Kulturpflanzen nimmt – eigentlich ganz einfach und verständlich. Hinzu kommt auch jedes Jahr eine intensive Bearbeitung zu verbessernder Beete: die hügeln wir auf, zuunterst mit Gezweig, dazu Tonscherben oder Kügelchen, auch hier und da gedüngte Kohle (siehe Terra Preta-Experimente), sowie Kompost und Erde. Pro Jahr schaffen wir da nicht mehr als zwei bis drei Beete, aber auf ihnen wächst in den Folgejahren dann alles viel besser und auf Dauer kommen alle mal dran, bzw. wir erschließen auch immer noch neue Beete, denn das knapp über 400 m² „Hinterland“ war bei Übernahme fast durchweg Wiese.

Mehr Gartenschlauch – trotz alledem…

Gestern hab‘ ich nun doch einen weiteren Gartenschlauch bestellt. Unsere Schläuche reichen nicht aus, um im Hinterland die Hecken zu bewässern, was mit Kannen in dieser Hitze nun doch ein Riesenaufwand ist – und immer gefühlt zuwenig! In der vorderen Parzelle bewässere ich derzeit – zusätzlich zum Gießen mit der Kanne – alles, was sonst noch wächst. Insbesondere die Thujas (die stammen aus regenreichen Gebieten mit hoher Luftfeuchtigkeit und kühl gemäßigtem Klima!) haben es sehr nötig, aber auch alle anderen Büsche und Blumen können es gut brauchen.

Alles in allem hat so eine Hitzeperiode schon auch etwas Abenteuerliches – hier hat es seit Wochen kein bisschen geregnet oder gar gewittert!

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Autor: ClaudiaBerlin

Claudia lebt und gärtnert in Berlin und bloggt seit 2005 rund ums naturnahe Gärtnern. Folge dem Blog auf Twitter.com/gartenzeilen - da gibts Lesetipps und allerlei Infos rund um unser tolles Hobby.

11 Kommentare

  1. dein Blogbeitrag spricht mir aus der Seele, und es deckt sich genau mit meinen Erfahrungen
    uch ich habe Sandboden im garten und mache alles um die Humusschicht zu erhöhen wie ihr mit Mulch, Kompost Gründüngung , grüße von Frauke

  2. Ich bin auch froh, dass wir unseren Garten schon seit jetzt 17 Jahren mit Grünschnitt mulchen. Auf den ‚Kompost‘ werden bei uns nur Ilex-, Brombeer- & Rosenschnitt sowie Wildkräutersaat aussortiert, die ich nicht im Garten haben will. Der Rest des Hächselgutes kommt immer wieder gleich auf die Beete.
    Zunnächst hatte ich in den Anfangsjahren ja leider noch so manche Palette Rindenmulch im Garten verteilt, da der Grünschnitt nicht zum Abdecken der nackten Erde reichte. Aber so ab 2000 waren wir dann in der glücklichen Lage, dass wir Rindenmulch nur noch für Trampelpfade und im Herbst zum Rosenanhäufeln benötigten. Heutzutage kommt mir kein fremder Mulch mehr in den Garten. Und wenn ich nicht befürchten müsste, dass Nachbars Buchenlaub jetzt auch zeckendurchseucht ist, würde ich das Material noch sehr gern bei uns im Garten verteilen. Ebenso das Weidengeshredderte meiner Mutter, aber die Weide ist befallen und könnte unsere jetzt anstecken (
    In den Anfangsjahren haben wir sehr viel und oft die Neuanpflanzung gewässert – auch stundenlang mit dem Rasensprenger – mit Grundwasserpumpe kostete das ja ’nix‘. Das hat sicherlich dazu geführt, dass sich die vorhandenen Nacktschnecken noch wohler fühlten …
    Die Rosen, die ab 2004 einzogen wurden dann nur noch gezielt mit der Kanne 2x pro Woche mit 5 oder 10 Litern versorgt, und nur bei sehr heißer Witterung wurden die Beete ab und an komplett unter Wasser gesetzt.
    Aus diversen Gründen gab es in den letzten Jahren mal Momente, wo ich den Garten nicht ausreichend pflegen/mit Wasser versorgen konnte. Manches ging dann leider ein, aber im Mittel blieben viele Harte im Garten oder erholten sich wieder. Ohne Mulchschicht wären die Ausfälle sicherlich wesentlich größer gewesen.
    Inzwischen ist es jetzt der 3. Sommer, in dem ich versuche unseren Garten nicht mit Wasser zu verwöhnen. Klar, die Farne sind jetzt wieder vertrocknet, und ob die Schneefelberichfelder mit der Sonne und dem wenigen Regen klarkommen? Im schlimmsten Fall werden sie runtergeschnitten und geshreddert. Ich hoffe nun auf das für morgen angekündigte Gewitter. Bisher bekommen nur die halbschattig stehenden Kübelpflanzen alle 1 bis 2 Tage reichlich Wasser, und den Teich habe ich mal aufgefüllt und überlaufen lassen. Ansonsten müssen alle Pflanzen noch so durchkommen. Nur wer sehr traurig aussieht, so wie manchmal die Lenzrosen, bekommt dann auch mal etwas Nass ab. Allerdings ist unser Garten zum Glück auch nach einigen Schnittmaßnahmen immer noch recht schattig, und wir haben ein Lehm-Sandgemisch, dass die Feuchtigkeit etwas besser hält.
    Wenn die Sommer zukünftig so bleiben, werde ich an den durstigeren Sträuchern wohl nachträglich Plastikrohre eingraben, um sie gezielt zu bewässern ohne es den Schnecken und Zecken beim Bewässern zu gemütlich zu machen. Denn auf die schützende Mulchschicht möchte ich bei uns nicht verzichten. Außerdem mag ich es wenn im Frühjahr das erste Grün aus dem gemulchten Boden sprießt …
    LG Silke

  3. Mein Garten wird ebenfalls nicht bewässert: der ist ca. 2000 qm und dann noch 700 qm Gemüse/Obstgarten dazu.
    Ich mulche auch und führe Flächenkompostierung durch auf Basis von Mischkultur (so in etwa nach Gertrud Frank).
    Ein wesentlicher Teil, der oft übersehen wird, ist die Möglichkeit den Pflanzen tieferes Wurzelwachstum anerziehen zu können, eben dadurch, dass man NICHT wässert, bzw. nur am Anfang und sonst nur in Notfällen.
    Eine Frage habe ich allerdings: wo findet man Gras ohne Samen?

    Und 5 – 10 Liter Wasser 2 mal die Woche für Rosen, liebe Silke, finde ich sehr viel. Bei mir bekommen sie diese Menge 1 mal im Monat. Rosen müssen nicht ständig gewässert werden.
    Viele Grüße, Rainer

  4. @ Rainer
    Das war in der Anfangszeit, als die Rosen noch jung waren. Und ich war auch teilweise sehr mutig, was die Standorte zwischen hohen Sträuchern anbelangt, wo kaum Regenwasser hinkam/kommt.
    Durch das späte Frühjahr habe ich nun sogar mal auf die erste Düngung nach dem Schnitt verzichtet und dementsprechend fast gar nicht gegossen. Bisher sehen sie Rosen erstaunlich gut aus. Bei ungünstigen Standorten werde ich im Herbst oder Frühjahr wohl wirklich Gießrohre nachrüsten – und bei der Neuanpflanzung sowieso. Denn Tipp habe ich von einem Rosensammler.
    Nach den gestrigen 2 Gewittern bin ich echt erstaubt, wie sich der Garten schon über Nacht erholt hat.
    VG Silke

  5. Hallo Ihr Lieben! Herzlichen Dank für die interessanten Kommentare!

    @Frauke: das merke ich mir, dass du auch Sandboden hast – und schau mal öfter, ob wir ähnliche Erfahrungen machen bzw. danach, was bei dir so wächst und bei uns (noch) nicht.. :-)

    @Silke: wow, eine ganze Gartengeschichte! Ich bin entzückt – und bewundere deine Erfolge in Sachen minimaler Bewässerung. Da bei uns fast alles sonnig ist und der Boden sehr sandig, werden wir soweit vielleicht nicht kommen – aber das mit den Gießrohren werde ich mal beforschen! Klingt interessant!

    Aber eine Frage: den Kompost hast du doch auch im Garten – weil du davon sprichst, dass nur kompostiert wird, „was du nicht im Garten haben willst“ – ?

    @Rainer: das Gras stand an einem schattigen Wäldchen und war einfach noch nicht soweit…

    In diesen heißen Tagen (es hat seit etwa 5 Wochen nicht mehr als mal kurz getröpfelt, auch das nur ein- oder zweimal) gießen wir lieber intensiv – es würde wirklich alles vertrocknen, sogar große Büsche und die Brombeerhecke (im Schatten!) bekommen gelbe Blätter!

    Praktisch aber: der Giersch, der auf 2 Beeten ziemlich dominant ist, ist komplett vertrocknet – vor der Blüte! Hab‘ ich dann gut zugemulcht, nun ist er zumindest mal wieder sehr geschwächt.

  6. An der Aussage warum der Garten immer wie im Frühling aussehen sollte, ist schon was dran. Mein garten soll ja richtig im Saft stehen, gut ich habe daher auch weniger Garten, dafür aber gepflegt.

  7. Ich ziehen meine Bewässerung aus unserer Zisterne. Dadurch enfällt schon mal das schleppen von Gießkannen. Aber ohne Bewässerung hätte es der Rasen nicht überlebt. Mein Ranunkelstrauch hat auch alles abgeworfen, obwohl er genug Wasser bekommen hat. Leider habe ich nicht den Platz um so große Mengen Mulch zwischenzulagern, denn das hilft wirklich gut.

  8. Mit Sandboden sieht das bestimmt ganz anders aus! Ich bin zur Zeit echt froh, dass viele Flächen um diese Jahreszeit bei uns schon wieder im Schatten liegen.
    Einen richtigen Komposthaufen haben wir nicht. So viel fällt auch an Küchenabfällen nicht an. Bananen kommen an die Rosen und Kaffeesatz wird gleich an die Pflanzen gegossen.
    Auf den ‚Kompost‘-Haufen kommt bei uns alles was nicht wieder auf die Beete kommt: Da werden tote Mäuse und Fische beerdigt, Brombeerranken, Rosenschnitt und Wildblumen mit ihren Saatständen wie Weidenröschen oder Knoblauchsrauke draufgeworfen – und so manches Material, das zu grob für die Beete ist, sich aber schlecht shreddern lässt. Umgeben ist dieser Teil im ‚Wäldchen‘ mit Totholz. Eigentlich ist das Teil so eine Art Mischung aus verrottendem Material und ‚Benjes‘-Hecke, wo sich idealerweise Nacktschnecken, Insekten, Mäuse und Igel tummeln. Der Haufen verrottet recht gut, so dass ich nun schon seit Jahren dort immer wieder Material ‚entsorgen‘ kann. Nur wegen möglicher Schnecken & der Zeckennestgefahr würde ich das Gemisch nicht mehr auf anderen Gartenflächen verteilen. Aber Holunder, Kiefer und Hasel in der Nähe freuen sich bestimmt auch über den Dünger …

    Meine Mutter buddelt entlang ihrer Nordgrenze immer kleine Löcher und wirft dort ihre Küchenabfälle hinein. Den Aushub des neuen Lochs nimmt sie dann zur Abdeckung des alten Haufens. So entsteht erstaunlich schnell gute Komposterde. Kommt sie im Winter mit dem Kompostloch am Haus an, hat sie im Frühjahr hinten an der Grenze meist schon feinkrümelige gute Erdeund reichlich Regenwürmer. Die Idee finde ich recht praktisch, wenn man nicht irgendwo so ein Silo stehen haben will.
    VG Silke

  9. Auf Sandboden etwas zum Wachsen zu bringen finde ich sehr schwer. Ich habe selbst eine Ecke im Garten wo ich mich mit Sandboden ärgern darf. Im Moment sieht mein Garten aber mehr nach Unfall aus da ich mir das Wässern spare. Wasser ist auch nicht mehr so günstig wie es mal war. und meine Regenfäßer sind auch schon leer. Es ist ein Trauerspiel.

  10. Hmmm, der Artikel und die Beiträge machen mich nachdenklich. Da wirkt mein Garten ja wie ein Ziergarten. Aber den Mulch direkt aufbringen ist eine gute Idee. Welche Häcksler nutzt Ihr?

  11. @ Nordlädchen
    1996 haben wir einen Bosch AXT Leisehächsler mit Walze gekauft. Der war zwar nicht billig, aber damit kann ich sogar fast in der Mittagszeit den Vorgarten kleinkriegen. Den alten Hächsler haben wir vor einigen Jahren zu meiner Mutter in Rente geschickt, da ich keine Lust mehr hatte den Shredder ständig von Garten zu Garten hin und her zufahren. Wir haben uns dann für unseren Garten das etwas leistungsfähigere Nachfolge-Modell gekauft, da immer mehr Grünschnitt anfiel. Bisher laufen noch beide Geräte. Lediglich eine neue Andruckplatte für unter 20,- € brauchten nun beide Geräte. Inzwischen haben sich die Häcksler bei Bosch verändert. Dazu kann ich nichts sagen. Aber wenn würde ich wieder so einen nehmen. Die sind leiser als so manche Gartenpumpe …

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