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Claudia am 8. Juni 2010

Eine Riesendistel, Eselsdistel, Onopordum acanthium

Sie wächst mehrere Zentimeter pro Tag und zieht die Blicke von Spaziergängern auf sich: die Eselsdistel (Onopordum acanthium) nimmt mehr und mehr Raum im Erdbeerbeet ein, doch ist sie noch lange nicht ausgewachsen:

Eselsdistel

Ihre Blätter sind mit einem weichen spinnwebenartigen weißen Flaum bedeckt, die ausladenden Blätter haben wehrhafte Stacheln, so dass man lieber nicht in den “Innenraum” der Pflanze greift! Aber immerhin kann die DigiCam zeigen, wie die Blätterlandschaft von Nahem aussieht:

Riesendistel

Der Gattungsname Onopordum ist aus dem griechischen ónos (Esel) und porde (Blähung oder Wind) gebildet, da laut dem römischen Schriftsteller Plinius die Pflanze bei Eseln Blähungen bewirken soll. Ich frag’ mich, wie die Esel diese Pflanze überhaupft fressen konnten! Die müssen Mäuler wie Mühlsteine gehabt haben! Weiter ist sie auch unter Namen wie Krebsdistel, Frauendistel, Krampfdistel, Pudelhund, Falscher Knecht und Wildmannsstock bekannt gewesen, doch hat man sich wohl mittlerweile auf “Eselsdistel” geeinigt.

Nach Ellenberg, der die Pflanzen ökologisch kategorisiert hat, ist die Eselsdistel eine Volllichtpflanze, ein Wärmezeiger, ein Schwachsäure- bis Schwachbase-, sowie ein ausgesprochener Stickstoffzeiger. Sie liebt warme, vollsonnige Standorte: nur dort bildet sich das weiße Gespinst auf ihren Blättern aus.

Die Eselsdistel als Nutzpflanze

Von selber wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass irgend etwas an dieser Distel essbar sein könnte. Doch soll man die Böden der Blüten wie Artischocken zubereiten können, und auch die Stengel (geschält) lassen sich angeblich wie Spargel verwenden. Die Samen sollen 25% Öl enthalten, das man auch in Öllampen nutzen könnte – wenn also mal RICHTIG Krise ist, wird die Eselsdistel richtig nützlich! :-) Früher wurde aus der Asche der Disteln das feinste, weißeste Glas bereitet, das Öl wurde auch von Malern verwendet.

Ein umfassendes Portrait der Eselsdistel als Heilpflanze (.pdf) beschreibt die verschiedensten früheren Heilanwendungen, die allerdings heute nur noch in der anthroposophischen Medizin eine Rolle spielen. (Hier ein Zitat aus einer anthroposophischen Beschreibung: “Das wollige Haarkleid überzieht die weiten Flächen der Blätter und Stengel. In ihnen – den Dornen, dem Haarkleid und den festen Pflanzenfasern – verfällt das gewaltig-lebendige Saftwesen, das von unten nach oben drängt, austrocknend-stauenden Umkreiskräften, welche die mineralisierende Wirkung der Erdkräfte zum Niederschlag zwingen und so die innere Plastizität erhalten und bewahren.” Sehr poetisch!

Die Eselsdistel im Garten

Es handelt sich um eine zweijährige Pflanze, die im ersten Jahr eine nicht ganz so spektakuläre, aber doch unübersehbare Rosette bildet – hier ein Bild aus dem September 2009:

Eselsdistelr im ersten Jahr

Im zweiten Jahr soll sie dann eine Höhe von zwei bis drei Metern erreichen – wir sind gespannt! Klar, dass sie sich nur als Solitärpflanze eignet, schon aus Platzgründen passen mehrere ja in kaum einen Garten. Da sie eine tiefe Pfahlwurzel hat, lässt man sie besser dort stehen, wo sie wächst.

Vermehrung

Die Vermehrung schafft die Eselsdistel mittels Selbstaussaat gut alleine. Der gehandelte Samen soll im Herbst ausgesäht werden, zudem kann man sich durch Wurzelschnittlinge vermehren. Die Samen sind aufgrund ihrer Ölhaltigkeit natürlich auch ein gutes Winterfutter für Vögel, doch läuft man Gefahr, die Disteln dann überall ausrupfen zu müssen, wenn man sie ausreifen und aussähen lässt.

An sich sind wir ja “wilde, naturnahe Gärtner” und Matt ist gar nicht abgeneigt, die Samenstände stehen zu lassen. Selber bin ich bei meinen Recherchen ein wenig skeptisch geworden, ob uns das dann nicht zuviel Jähtarbeit machen wird. Vermutlich wirds ein Mittelding: ein paar Kochversuche mit den Blüten, ein paar Samenstände schneiden wir ab, um sie zu verschenken – und den Rest lassen wir den Vögeln. Die Rosetten sind schließlich auffällig genug, um sie leicht zu entfernen!

Mehr dazu:
Eselsdistel (Henniger Online);
Eselsdistel (Amleto.de);

Thema: Alles, Alles was wächst | Tags: none
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7 Reaktionen zu “Eine Riesendistel, Eselsdistel, Onopordum acanthium”

  1. piri
    Am 8. Juni 2010 um 13:24 Uhr

    Okay, diese Edeldisteln mag ich, aber die gemeine Distel, die in Rosenbeeten steht, die direkt an unser Grundstück grenzen; die mag ich nicht. … und den Nachbarn habe ich das auch gesagt!

  2. Frauke
    Am 8. Juni 2010 um 13:43 Uhr

    ein PRachtexemplar
    und noch weitere Schönheiten gibt es , so habe ich ein auch sehr stachlige nickende Distel und
    eine Edeldistel mit sehr weichen Blättern
    Frauke

  3. Stephan
    Am 9. Juni 2010 um 00:54 Uhr

    Wunderschön, ich bin ein wenig neidisch!
    Mir war diese mir wohlbekannte Pflanze bisher nur unter dem Namen Stranddistel geläufig, aber egal, lass sie stehen, lass sie aussamen und hoffe auf viele Kinder im nächsten Jahr! Die Pflanze ist so empfindlich, daß Du Probleme hast etwaige Sämlinge dekorativ umzupflanzen, jäten wäre also ein Kinderspiel. Mir haben letztes Jahr die Schnecken zwei vielversprechende Exemplare einfach aufgegessen…

    Grüße Stephan

  4. Anke
    Am 9. Juni 2010 um 09:57 Uhr

    Der Wahnsinn … was für ein Riesenexemplar, gigantisch.

    Blumige Grüße
    von Anke

  5. Raphael
    Am 15. Juni 2010 um 14:07 Uhr

    Die Distel hat sich bei dir ja ganz hervorragend entwickelt.

    Da kann man wirklich nur Gratulieren.

    Diese Pflanzen haben doch irgend ganz eigene Schönheit.

    Viel Spaß noch damit!

  6. Anna Lena Hartwig
    Am 16. Juni 2010 um 02:20 Uhr

    Vielen Dank für diesen detaillierten Bericht. Ich habe seit vielen Jahren Eselsdisteln im Garten und möcht sie nicht mehr missen. Die Blüten sind ein Magnet für Bienen und Hummeln und verströmen einen sehr feinen Duft. Im Frühjahr sind die Jungpflanzen leider ein bevorzugter Schneckenfraß, da gilt es rechtzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

  7. Lebensglück Garten » » Gartenblog-Top5: Juni 2010
    Am 2. Juli 2010 um 18:43 Uhr

    [...] Das wilde Gartenblog: Eine Riesendistel, Eselsdistel, Onopordum acanthium [...]

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