Nachbarschaften: Fang keinen Streit an!

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Wie ich auf diese Geschichte, die das Wesen von Nachbarschaftsstreitigkeiten auf den Punkt bringt, gekommen bin, steht im Digital Diary. Es ist ein altes Märchen der Fang, eines Stammes in Westafrika, passt aber ebenso gut in die Welt heutiger Kleingärtner und Hausbesitzer:

Fang keinen Streit an

Es war einmal ein Mann, der gab seine Wohnstätte auf und wanderte weit fort, ungefähr drei Dörfer weiter. Dort traf er einen anderen Mann, der seinen Wohnsitz ebenfalls dorthin verlegt hatte. Da fragte er ihn: „Wer bist du?“ Der andere antwortete: „Ich bin ein Totengeist, und du?“ – „Ich bin ein Mensch.“

Nun beschlossen beide, gemeinsam ein Dorf zu gründen. Der Geist sprach: „Eine Sache aber möchte ich mir ausbedingen, Freund: Keiner soll einen Streit anfangen. Ich habe eine Frau, du hast eine Frau, überhaupt – jedem das Seine.“ Dem Menschen war das recht.

Beide gingen nun daran, ein Stück Land für eine Pflanzung abzuholzen, der Mensch auf der einen, der Totengeist auf der anderen Seite. Auf der Pflanzung des Totengeistes stand nahe an der Grenze ein riesiger Baum, den begann er zu fällen. Unglücklicherweise fiel aber der Baum auf die Pflanzung des Menschen. Als der Mensch das sah, wurde er ärgerlich und sagte: „Was fällt dir ein, diesen Baum auf meine Seite zu werfen, hast du nicht selbst verlangt, keiner soll Streit beginnen?“

„Oh, es war doch nur ein Versehen“, entschuldigte sich der Geist. Der Mensch aber verlangte: „Dann schaff den Baum auch wieder weg.“ Da machte sich der Geist an die Arbeit. Er schlug dem Baum alle Äste ab und schleppte sie weg – eine große Anstrengung, vier Tage lang nichts als Holzhacken. Schließlich war es geschafft, und nun wurde Feuer in die Pflanzung gelegt. Als sie abgebrannt war, kam der Mensch und fand viele vom Feuer getötete Tiere, die er zum Essen mitnahm – Schildkröten, Schlangen, Schnecken.

Eine ganze Menge sammelte sich der Mensch ein und betrat dabei auch die Pflanzung des Totengeistes. Als der Geist kam, sah er die Spuren in der Asche. Er ging zum Menschen und sprach: „Was hast du auf meinem Feld zu suchen? Jetzt geh und beseitige die Spuren, wie ich vorher den Baum weggeräumt habe. Unsere Verabredung war ja, keiner soll einen Streit anzetteln.“

Da musste nun der Mensch die Spuren verwischen. Aber je mehr er sich abmühte, umso mehr Spuren wurden es. Hatte er hinten welche vergessen, musste er, um dorthin zu kommen, wieder neue Spuren machen. Kurz, man kann sich denken, eine ungeheure Arbeit.

Der Totengeist aber sagte: „Siehst du, das kommt davon! Hättest du nicht gegen unsere Abmachung verstoßen, als du mich den Baum, der ja nur aus Versehen auf dein Feld gefallen war, wegräumen ließest, so hättest du jetzt nicht das Nachsehen.“

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Quelle: Märchen der Welt: Fang

Autor: ClaudiaBerlin

Claudia lebt und gärtnert in Berlin und bloggt seit 2005 rund ums naturnahe Gärtnern. Folge dem Blog auf Twitter.com/gartenzeilen - da gibts Lesetipps und allerlei Infos rund um unser tolles Hobby.

6 Kommentare

  1. hallo und guten tag,
    die story ist garnicht so schlecht und berührt das problem im kern: keinen anlass geben für streit.wenn der grund für „meinungsverschiedenheiten“ jedoch in der mit den umgebenden gartennachbarn im schrebergarten in der unterschiedlichen philosophie des anbaus liegt (mit seinen konsequenzen) ist die sache eine andere.Wahrscheinlich liegt doch disen bereich betreffend die eine oder andere erfahrung vor. Gibt es Kommentatoren oder Mit-Leidende? Und wie wurde verfahren?
    Klaus

  2. Die Story zeigt im Gegenteil, dass es unmöglich ist, den „Anlass zum Streit“ zu vermeiden! Dass der Baum auf die falsche Seite fiel, war eine Folge des „ganz normalen Baumfällens“. Und dass ein Mensch Spuren hinterlässt, ist ebenfalls nicht zu verhindern.

    Daraus nun Streit und letztlich Krieg entstehen zu lassen, ist üblich, aber falsch. Wir sollten die Spuren des Nachbarn in Gelassenheit ertragen, uns jeder bemühen, die eigenen Einwirkungen gering zu halten – und im Fall des Falles miteinander reden und gemeinsam einen Ausgleich finden.

    Wir mähen unsere Wiese im Hinterland nicht, bzw. nur sehr selten. Daneben ist ein Garten, in dem kein unerlaubter Halm zwischen den auf nackter Erde stehenden Kulturpflanzen heraus ragt. Bisher haben die Nachbarn lediglich verlangt, dass wir einen schmalen Streifen zum Zaun hin frei halten – machen wir natürlich und verhindern dort durch entsprechende Auflagen jeglichen Wuchs. Auf ihrer Seite müssen sie eben jäten, was trotzdem kommt – das aber sollte nichts ausmachen, denn sie tun es ja sowieso.

  3. Das Märchen hat mich zum Nachdenken gebracht. Spuren des Nachbarn mit Gelassenheit zu betrachten fällt manchen Nachbarn extrem schwer, man hat den Eindruck, sie lauern nur darauf, dass jemand einen Fehler macht. Wir haben das erlebt mit einem Menschen, der sich mit jedem in seiner Nachbarschaft anlegt, der seiner Meinung nach einen Fehler begeht…und Möglichkeiten gibt es da viele.
    Solchen Menschen geht es um Dominanz, Rechthaben und Nichtnachgebenwollen. Der geht bis zum Kadi. Da helfen Appelle und Goodwill gar nichts,aber vielleicht sollte ich ihm mal eine Kopie des Märchens in den Postkasten stecken, andererseits der Typ ist unfähig zur Reflexion…

  4. schönes märchen..so wird aus einer kleinen unachtsamkeit ein nicht endenwollender streit..

    man muss lange mit nachbarn auskommen..
    schwierig ist es nur,wenn sie ,wie uns vor jqahren passiert, einen bauernhof kaufen und nun meinen daraus ein laura-ashley-ferienhaus machen zu müssen und uns dabei miteinzubeziehen,
    wir aber haben traditionelle langwirtschaft gehabt.. mit mist..gülle..rinder schweine großen maschinen lastwagen..erntearbeiten..und weil sie auf granit bissen
    haben sie einfallen lassen,. immer die straße zuzuparken.,beschimpften und provozierten unsund machten alle behörden mobil..
    am ende mussten sie begreifen..wir passen uns ihnen nicht an,uns kann man nicht kommandieren
    und ihre träume müssen auf ihrem grundstück enden..jedem das seine…so zogen sie fort..
    bei ihren nächsten wohnorten gab es dann wieder die gleichen ärgernisse,,als sie ihre nachbarn provozierten..

  5. Zu dieser schönen Geschichte fällt mir ein Zitat von Johann Wolfgang von Goethe ein:

    Zwei mächtige Nachbarn sind selten ruhig, keiner bringt dem anderen Vorteil. Doch wenn sie auf Augenblicke zu einem großen guten Werke sich verbinden, dann nützen sie, gewaltsam eilend, der Welt und sich.

  6. Wenn keiner klein beigeben will, arten Streitereien gern aus! Wer solche Nachbarn hat, ist echt gestraft! Ein gutes Verhältnis kann aber sehr wichtig sein, schließlich wohnt man auf unbestimmte Zeit Tür an Tür- also öfter mal ein Auge zudrücken und ansonsten für ein klärendes Gespräch (evtl bei einer Flasche Bier/Wein) zusammensetzen! So klappts auch mit der Nachbarschaft;-)

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