Mein fast wilder Balkongarten

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Eigentlich wollte ich mich in diesem Jahr mit dem „Balkongarten“ gar nicht befassen. Der richtige Garten macht Arbeit genug, da waren ungemein viele Tomaten, Mangolds, Blumenkohle und etliches mehr vorzuziehen, zu pflegen, mit dem Rad ans Ziel zu transportieren und dort dann auszupflanzen. Immer wieder vom Wetter ausgebremst…

Die „übrigen“ Tomaten…

Tomaten auf dem Balkon
Es ergab sich dann allerdings, dass fünf Tomatenflanzen „übrig geblieben“ sind, die beim besten Willen nicht mehr in den Garten konnten (da sind schon etwa 30!). Und Abnehmer fand ich – nachdem ich schon 7 Haushalte in der Nachbarschaft mit Balkontomaten versorgt hatte – auch nicht mehr. Also blieben sie auf dem Balkon stehen, kamen immerhin in größere Kübel und entwickeln sich seitdem schneller als alle, die im Garten und im Gewächshaus gelandet sind. Und das auf einem Nordseite-Balkon, der nur morgens ein paar Stunden Sonne von der Seite bekommt!

Natürlich sind das keine gewöhnlichen Tomaten, sondern alte Sorten, darunter die „Reisetomate“, die bisher nur auf dem Balkon schon so deutlich zeigt, warum sie so heißt.

Reisetomate

Angeblich kann man von dieser quasi „im Büschel“ wachsenden Tomate ein Stück abbrechen, ohne dass der Rest verdirbt. Neben dieser Sorte stehen da nun noch zwei Matina, eine „indeterminiert“ wachsende Black Cherry (jetzt schon über 150cm groß), eine Black Plum und eine, die ich erst wieder erkennen werde, wenn sie Früchte trägt (Schild abhanden gekommen!).

Lila Blumenkohl: auf dem Balkon in Sicherheit!

Während eines kurzen Sizilien-Urlaubs hatte ich den lila Blumenkohl entdeckt. Mit Kohl hatten wir bisher kein Glück, aber dieser sollte auch auf sandigerem Boden wachsen, also bekam er ein eigenes, ganz neues Beet im Garten. Da passten nun aber nicht alle Vorgezogenen drauf, also landeten zwei im Balkonkasten, wo sie sich prächtig entwickeln.

lila Blumenkohl

Zwar erreichen sie nicht in derselben Zeit eine Größe wie im Garten, doch werden sie hier zumindest von den Schnecken nicht aufgefressen, die den Garten-Exemplaren massiv zusetzen, wie man auf diesem Bild sieht:

lila Blumenkohl, angefressen

Umlegen mit Kaffeesatz und Besprühen mit Lebermoos-Extrakt hat nichts geholfen. Den Mulch hab‘ ich mittlerweile auch entfernt, aber die Schnecken scheint all das nicht zu stören.

Sonnenblumen und was sonst noch so wächst…

Zurück zum Balkon: Eine „gigantische“ Sonnenblume hat es auch nicht mehr in den Garten geschafft und erreicht nun trotzdem schon fast meine Größe (165cm) – trotz des ziemlich kleinen Topfes, in dem sie steht. (Dafür dünge ich sie eben ab und zu). Am anderen Ende des Balkons steht mein viele Jahre alter Ficus, den ich über den Sommer immer auf dieses exponierte Eck stelle. Offenbar tut es ihm gut!

Sonnenblume und Ficus

Ansonsten wächst in den Kästen einfach das, was vom letzten Jahr noch da war oder sich ausgesamt hat. Eine Malve, weiße Taubnesseln, Ackerwinden, eine Goldrute – die brauchen keine Pflege und kommen von selber immer wieder, solange ich die Kästen nicht ausleere. Was ich nicht mache, denn wie gesagt: eigentlich wollte ich mich GAR NICHT kümmern.. :-)

Ein Semper Vivum setzt gerade zur Blüte an:

Semper vivum

Die robuste Pflanze macht ihrem Namen alle Ehre, denn im Winter ist es auf dem Nordseite-Balkon wirklich verdammt kalt und eisig! Alles in allem staune ich immer wieder, wie sich doch jedes Jahr auf dem Balkon allerlei tut – auch ganz ohne dass ich das plane.

Autor: ClaudiaBerlin

Claudia lebt und gärtnert in Berlin und bloggt seit 2005 rund ums naturnahe Gärtnern. Folge dem Blog auf Twitter.com/gartenzeilen - da gibts Lesetipps und allerlei Infos rund um unser tolles Hobby.

7 Kommentare

  1. Wow,

    ich bin echt begeistert mit wieviel Liebe und Sorgfalt Du Umgang mit Deinen (selbst ausgesuchten) Schutzbefohlenen pflegst…

    …und in welch üppiger Art sie Dir das danken.

    Ganz wundervoll. Viel Freude weiterhin Dir mit Deinen Lieben.

  2. Hallo Claudia,

    in diesem Jahr musste ich meine Tomaten noch „normal“ kaufen. Aber nächstes Jahr möchte ich alte Tomatensorten selbst ziehen. Wo hast du deine Samen her?

    Gruss

    Wolfgang

  3. Woooah, sind die Tomaten toll! :) Machst Du dann dieses Jahr bei meiner Samen-Rotation mit Tomatensamen mit? Das wäre ja ganz famos. Die Reisetomate ist lustig. :) Und eine schwarze Sorte? Wie abgefahren!!

  4. Herzlichen Dank für Eure Kommenare!

    @Wolfgang: z.B. beim VERN e.V. einem Erhalterverein. Oder auch bei bio-saatgut.de, da steht bei den Sorten dabei, um was es sich handelt, z.B. „Erhaltersorte“.

    @Lina Luna: mal sehen… ich bin ja der Meinung, dass man Pflanzen passend zum Standort wählen muss. Zumindest gilt das bei uns: was auf unserem sandigen Boden wächst, wächst auf einem lehmigen in aller Regel nicht und umgekehrt. Aber Tomaten könnten eine Ausnahme sein….

  5. Reisetomaten? Die kannte ich ja noch gar nicht. Dein Balkon ist wirklich toll geworden, und das ohne, dass du es wirklich geplant hast, super! Ich wünsche dir noch viel Spaß und eine ertragreiche Ernte ;-) Liebe Grüße, Maral von „Mach mal“

  6. Danke schön Claudia für die Links. Vern kannte ich noch gar nicht. Nächsts Jahr bestelle ich dort meine Tomatensamen. Super!

  7. Von solchen Tomaten habe ich auch noch nie etwas gehört. Könntest ja später nochmal drüber berichten. Habe dieses Jahr zum ersten mal Monatserdbeeren ausprobiert. Dieses sollen wohl über den ganzen Sommer, immer mal wieder Früchte tragen. Mal schauen, bis her hatte ich erst eine Blüte :-)

    Aber meine Tomaten haben schon viele kleine Tomaten dran :-)

    viele grüße

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