Glanzmispel als Heckenstrauch?

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Kennt Ihr Glanzmispeln? Es sind Büsche mit wundervoll rötlichem Blattwerk, die sich in jeder Hecke gut machen, die auf optische Abwechslung statt Einheitslook setzt. Wir entdeckten sie in einem Pflanzencenter, wo sie gleich in mehreren Größen zu besichtigen waren. Nicht gerade billig, aber danach sollte es nicht gehen, wenn man Pflanzen mit hoffentlich langer Lebensdauer kauft – für eine Hecke eigentlich das Normale (wie wir als naturnah Gärtnernde immer noch denken!).

Glanzmispel Photinia fraseri

Da wir nur mit den Fahrrädern da waren, kam ein Spontankauf nicht in Betracht. „Erst mal googeln“ ist immer eine gute Idee, schließlich haben wir keinen einfachen Standort: lange Winter mit viel Frost, lange Trockenzeiten in Frühjahr und Sommer, sowie der sand-lastige Berlin-Brandenburger Boden schränken die Auswahl an Gewächsen, die das vertragen, deutlich ein.

Schön anzusehen, aber nicht winterhart!

Bei der Beforschung der Glanzmispel fand Matthias nun heraus, dass sie zwar von vielen Shops und Gärtnereien angeboten wird, jedoch alles andere als winterhart ist. In einem Dossier der Gartenakademie Reinland Pfalz über den „Modestrauch Glanzmispel“ werden die hauptsächlich verkauften immergrünen Sorten deutlich als „nicht winterhart“ bzw. „frostempfindlich“ aufgeführt. Und selbst für die dort noch als winterhart gelistete sommergrüne Sorte „villosa“ empfiehlt ein Video der Baumschule Horstmann (runter scrollen!) einen „geschützten Standort“, da sie doch recht frostempfindlich sei.

Da bei uns auch schon Rosen, Buddlejas und Himbeeren ganz oder teilweise im Winter erfroren sind, werden wir auf diesen schön anzusehenden Busch also verzichten.

Ex und hopp?

Wer kauft aber all diese Glanzmispeln aus dem Gartencenter? Machen sich die Leute gar keine Gedanken über die Bedingungen, die eine Pflanze braucht, um zu wachsen und lange zu leben? Pflanzen sie einfach alles ein und wenns nicht klappt, kommt’s halt weg?

Mir tut es in der Seele weh, wenn eine Pflanze stirbt, weil wir ihr keine günstigen Bedingungen bieten konnten. Schließlich sind es doch Lebewesen, nicht nur Ausstattungsmaterial rund um Terasse und Grillecke.

Autor: ClaudiaBerlin

Claudia lebt und gärtnert in Berlin und bloggt seit 2005 rund ums naturnahe Gärtnern. Folge dem Blog auf Twitter.com/gartenzeilen - da gibts Lesetipps und allerlei Infos rund um unser tolles Hobby.

Ein Kommentar

  1. Deine Ansicht freut mich, auch wenn das Thema traurig ist. Für mich sind Pflanzen genauso Lebewesen, wie Tiere. Forschungen ergaben mittlerweile, dass Pflanzen auch ein Erinnerungsvermögen haben. In Afrika gibt es Pflanzen (Schirm-Akazien), die untereinander kommunizieren, wenn sie angegriffen werden und Gifte freisetzen. Manchmal töten sie damit hunderte Antilopen auf einen Streich. In Indien gibt es eine Pflanze, die zu Musik tanzen kann. Sie leben nicht nur, sie empfinden.

    Die Leute haben oft keine Ahnung und werden in Gartencentern zudem sehr schlecht beraten. Es ist ja nicht nur die Glanzmispel, auch die Portugiesische Lorbeerkirsche (Prunus lusitanica) oder der Mittelmeerschneeball (Viburnum tinus) und mittlerweile sogar echte Zypressen werden seit einigen Jahren überall als winterhart verkauft. Zum Schaden der Kunden und zum Leid der Pflanzen. Ich bedaure das schon seit Jahren und versuche über meine Gartenseite (http://www.mein-garten-ratgeber.de/) dem etwas entgegenzusteuern, ist aber viel Arbeit.

    Liebe Grüße und weiterhin viel Erfolg
    Paul

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