Die erste Woche im neuen Garten

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Seit einer guten Woche fahren wir nun täglich in den Garten. Mit dem Fahrrad sind es gut 20 Minuten, was schon für sich genommen ein „täglicher Sport“ ist, an den man sich erst gewöhnen muss. Jedenfalls fuhr ich bisher nur selten Rad, der Fitnessgewinn ist bereits sehr deutlich!

Hinzu kommt das Gießen, womit wir locker zwei Stunden verbringen. Danach tafeln wir auf der Wiese hinter der „Laube“, da es vorne auf der Veranda zu düster ist: Dem Vorgänger war es wichtig, diesen Sitzplatz gegen alle Blicke abzuschirmen, also steht da eine Reihe großer Thuja, die auch das raus schauen verhindert. Man sitzt da und guckt auf eine dunkle, grüne Wand. Sobald wir den Vertrag haben und offizielle Pächter sind, kommen die weg!

neuer Garten

Gartengestaltung: Wenn nichts stimmt

Wie es wilden Gärtnern eigen ist, gehen wir die Veränderung des Gartens aber eher langsam an. Der erste Eindruck hätte durchaus die Idee aufkommen lassen können, gleich mal gewaltig umzuplanen und in einer Großaktion alles „ganz anders“ zu machen – so ähnlich, wie man eine neue Wohnung von Grund auf renoviert. Denn es ist fast nichts so, dass wir sagen könnten: SCHÖN, das soll so bleiben – im Gegenteil!

Auf den Beeten stehen beliebig nebeneinander gestellte Pflanzen, die weder von der Gestalt noch von ihren Bedürfnissen her zusammen passen. Die Beet-Einfassungen sind einfache Beton-Leisten und auch da, wo der Vorgänger sichtbaren Gestaltungswillen zeigte, hat er offenbar niemals nach links und rechts, geschweige denn aufs Ganze geschaut. Dem Garten fehlt Form, Gestalt, Struktur. Es ist alles irgendwie zusammen gewürfelt und unverbunden – und wo nichts wächst, ist die schon erwähnte offene Erde, die er auch noch regelmäßig von Unkraut befreit hat. Damit auch wirklich gar nichts verhindert, dass man bei Regen einfach im Matsch steht!

Erst fühlen, dann ändern

Wäre ich ganz neu in Sachen Gärtnern, würde ich wohl zuhause am PC einen Plan zeichnen und mir ganz ohne Blick auf das Vorhandene überlegen, wie eine solche Fläche mit allem zu versehen wäre, was mir in einem Garten gefallen könnte: hier ein Teich und da die Sitzecke, da ein Rosenbeet und dort der Steingarten… Zum Glück liegt mir das mittlerweile ferne: ganz abgesehen vom Material-, Geld- und Energieverschleiß, den so ein Herangehen bedeutet, macht es mich einfach nicht mehr an, die Sache im Geist des „Großreinemachens“ anzugehen.

Viel schöner und organischer ist es, sich viel im Garten aufzuhalten und so die tatsächlich vorhandenen Missstände und unerfüllten Bedürfnisse zu spüren. Die treten ja ganz schnell ins Bewusstsein, und zwar in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit, gemessen an den Nutzungswünschen und am ästhetischen Empfinden:

  • Wir wollen den Garten SEHEN, wenn wir uns zum Kaffee trinken vors Haus setzen – ALSO muss die Thuja-Hecke weg!
  • Die offene Erde staubt und ist sichtbar ausgelaugt: wir lassen also erstmal wachsen, was da wachsen will und sähen Bodenverbesserer und eine Magerwiesen-Mischung dazu.
  • Eine Hosta leidet im ganztägig besonnten Beet und hat teils verdorrte Blätter – wir setzen sie in den Schatten um;
  • Wir stapfen fortwährend „durch die Wüste“ und werden zu Schwarzfußindianern – also legen wir Wegeplatten von Stellen, wo sie gar nicht gebraucht werden, so um, dass sie in angenehmen Trittabstand das Begehen der zentralen Bereiche ermöglichen.
  • Eine Reihe kleiner Himbeersträucher ist eingezäunt mit dreifarbiger Wäscheleine, die zwischen grünen Eisenstangen gespannt ist. Wie hässlich, das kommt einfach mal weg! Wenn sie größer werden, nutzen wir die gedrehten Stahlstäbe aus dem alten Garten zum festbinden.

Im Moment sind wir mit alledem so beschäftigt, dass wir oft nicht mal zum Fotografieren, geschweige denn zum Bloggen kommen. Aber bald wird es Berichte und Bilder von einzelnen Gestaltungs- bzw. Verwilderungsmaßnahmen geben – VORHER haben wir ja zum Glück dokumentiert!

Kennt jemand übrigens diese Staude? Sie öffnet ihre Blüten erst gegen Abend.

Abendblüher

Unbekannte am Abend

Autor: ClaudiaBerlin

Claudia lebt und gärtnert in Berlin und bloggt seit 2005 rund ums naturnahe Gärtnern. Folge dem Blog auf Twitter.com/gartenzeilen - da gibts Lesetipps und allerlei Infos rund um unser tolles Hobby.

5 Kommentare

  1. Die unbekannte Blütepflanze hat den schönen deutschen Namen „Wunderblume“ Mirabilis jalapa, vielleicht kennt ihr die ja aus den Biologiebüchern Euer Jugend (Stichwörter:Uniformitätsregel, Aufspaltung in den folgenden Tochtergenerationen, Correns).Wie passend *grins* !

  2. Danke Sisa! Na, das ist ja eine interessante Pflanze, die wir da „geerbt“ haben! Über den Winter soll man also die Wurzel ausgraben und wärmer stellen – oder sie als Samen neu wachsen lassen.

  3. Hey, dann hat das ja geklappt mit eurem Garten-Neustart! Gratuliere und wünsche viel Erfolg
    für Eure Bestrebungen: gut und weise, dass ihr
    es langsam angeht…vielleicht wäre ein wenig Komposterde da und dort ein guter Anfang? Und eine Sträucherecke? Aber was sag’ich da. Gewiss habt ihr beim Kaffe trinken schon längst Ideen in rauhen Mengen ;-)
    Liebe Grüsse von Mylo

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