Sommerblüher im wilden Garten: Ureinwohner, Neulinge und ein Flop

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KresseDieser Sommer ist ja mein erster „Gartensommer“ – alles, was blüht, lerne ich erst jetzt so richtig kennen. Und ich merke: Pflanzen, die wir gesetzt haben, betrachte ich deutlich kritischer als die, die bereits da waren. Von den „Ureinwohnern“ erwarte ich problemloses Wachsen und Blühen, bei den Neulingen freut es mich, wenn es so ist, wundere mich aber nicht, wenn sie kränkeln.

Die Kapuzinerkresse ist eine, die wir eingeführt haben. Sie wächst sogar am Hang inmitten der „wilden Hecke“ problemlos und hat sich vom Hopfen und den Brombeeren nicht niedermachen lassen. Den Blick in die Blüte finde ich wundervoll!

HibiskusStockrose

Ebenso beeindruckt mich der Hibiskus, eine noch gar nicht so alte Erwerbung des Vorbesitzers. Der wollte ihn eigentlich mitnehmen, war dann aber doch zu sehr Pflanzenfreund, als dass er ihn dafür ausgegraben hätte! Daneben eine der schon öfter gezeigten Stockrosen: diese hier liegt mittlerweile auf einer Astgabel, um nicht umzufallen, was sie aber nicht am Blühen hindert.

Prachtspieregelbe Blume

Die Prachtspiere hab‘ ich gepflanzt, als das Beet noch ein kahles Stück Erde war. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass da schon bald ein Dschungel aus Giersch, Brennesseln und Pfefferminze stehen würde, den man entweder konsequent bekämpfen muss (was faule Gärtner nicht gerne machen!), oder aber man pflanzt Gewächse, die sich durchsetzen. Die Prachtspiere hab‘ ich erst immer wieder frei gerupft, doch im Juni damit aufgehört. Sie ist jetzt groß genug und hat ihren „Platz an der Sonne“ gefunden!
Die gelb blühende Pflanze im Bild rechts mussten wir gelegentlich aus den Fängen von Labkraut und Zaunrübe retten – wie alles, wonach diese greifen. Ich erlebe sie als problemlos und robust, sehe sie in diesem Leben nicht zum ersten Mal, kenne aber ihren Namen nicht.

Nicht wild genug für den wilden Garten

Zu guter Letzt der Flop in Sachen Blüte: Weil ich Lilien immer schon mochte, hatten wir an verschiedenen Stellen unterschiedliche Arten gepflanzt – ohne uns abzusprechen, also gleich „doppelt“. Doch schon lange vor dem Anblick der ersten Blüte wusste ich: die passen nicht! Ich hatte sie ja nur als Schnittblumen gekannt, kunstvoll mit passenden Begleitgewächsen einzeln oder als Strauß in der Vase arrangiert – wow, was für ein Auftritt! Wie sie gleich die Räume belebte, die Stimmung hob, manchmal betörende Düfte verströmend…!!

Lilie

Tja, nun lernte ich sie in Alltagskluft im wilden Garten kennen und das bedeutete sofortige Ernüchterung: hier ist sie ein Fremdkörper in feindlicher Umwelt, mittlerweile sieht man ihr das auch an. Sowohl ihr minimales Blattgrün als auch jede bisher gesehene Blüte war schon bald vielfach angefressen, doch selbst im unverletzten Stadium wirkt sie wie ein zerzauster Pudel, aus seinem Salon-Leben gerissen und in Berliner Hinterhöfen verirrt, umgeben von ungehobelten Straßenkötern, die ihm auf die Pelle rücken..

Sicher ist es möglich, mit einigem Aufwand der Lilie ein etwas ungestörteres Wachsen zu ermöglichen – aber will ich das? Nein! Ich will hier entspannen und innere Ruhe finden, was schlecht möglich ist, wenn ich gestresste Pflanzen um mich habe, an deren Elend ich auch noch schuld bin. Es sollen sich hier Pflanzen versammeln, die miteinander auskommen. Den Hopfen und die Schlinggewächse im Zaum halten, gelegentlich gießen, mehr Solidarität sollten sie für ihr Glück nicht benötigen – dann herrscht Harmonie und ich hab‘ meine Ruhe!

Autor: ClaudiaBerlin

Claudia lebt und gärtnert in Berlin und bloggt seit 2005 rund ums naturnahe Gärtnern. Folge dem Blog auf Twitter.com/gartenzeilen - da gibts Lesetipps und allerlei Infos rund um unser tolles Hobby.

6 Kommentare

  1. Zum Flop: Klar, Lilien sind keine Gewächse, die man mal eben irgendwo hinsetzt. Dafür sind sie zu königlich. Aber in Nähe von hochwachsenden Rosen oder umsäumt von Lavendel, vor allem in Gruppen, haben auch Lilien in jedem Garten ihren Platz verdient.

    Wobei ich (ehrlich gesagt) Eure Pflanzwut im neuen Garten nicht so ganz verstanden haben. Eigentlich guckt man doch erst einmal im ersten Jahr, wenn man einen bereits bestehenden Garten übernimmt, was wo wie überhaupt schon wächst? Im Winter sieht man davon ja nur 50 % …

    Die gelbe Blume, hat was von einer Dahlie.

  2. Ja bei der gelben handelt es sich um eine Dahlie.
    Bei der Minze, welche den Blütenstand der Prachtspiere einrahmt, handelt es sich jedoch nicht um Mentha x piperita – Pfeffer-Minze, sondern um Mentha suaveolens – Rundblättrige Minze (Krone helllila, fast weiß) oder um den Bastard Mentha x villosa – Apfel-Minze bzw. Zottige Minze (Krone rötlich), auch Hain-Minze genannt.

  3. @creezy,

    das ist der „Macherwahn“, der auch faule Gärtner ergreift, wenn sie vor winterlich kahlen Beeten stehen… :-) Man möchte etwas einbringen und sehen, was daraus wird, traut sich locker zu, das Neue gegen das Spontangrün zu verteidigen, denn das sieht im beginnenden Frühling noch sehr harmlos aus. Wir kannten den Garten ja auch schon aus dem Spätsommer und Herbst, doch hatte ich da noch nicht so genau hingesehen und meinte, ein paar neue Kulturpflanzen inmitten der grünen Wildnis würden sich sehr nett machen.. Was es ist, das die Lilien so anfrisst, wüsste ich auch gerne, Schnecken sind es jedenfalls nicht!

    @Nixda,

    danke! Bald bring ich einen Beitrag mit allen Minz-Sorten im Garten.

  4. Beim Anschauen der Fotos der von Euch kultivierten Pflanzen, fällt mir die verbänderte Stockrose ins Auge, solche „Mutationen“ sammle ich… in Fotoform natürlich nur. Ich hoffe, Ihr habt sie noch nicht dem Kompost anvertraut. Wär nett, wenn Ihr noch einmal ein Nahaufnahmenfoto einstelltest!
    Dein Wunsch nach Harmonie im Garten, wo Pflanzen ungestört wachsen, wird nicht erfüllt werden. Du könntest aber kapitulieren,der Wildnis tatsächlich freien Lauf lässt und gelassen dabei zuschauen, wie Dein Stückchen Land sich dabei verändert, beobachtest, welche Pflanzen unter den gegebenen Standortbedingungen expandieren, welche verschwinden, welche Neuankömmlinge sind. Gärtnern bedeutet immer in natürliche Prozesse eingreifen,auch wenn Du das faule Gärtnern bevorzugst. Wenn es eine Skala beim Gärtnern von eins bis zehn gäbe, wobei 10 die Sorte von Gärtner beschreibt, die in ihrem Garten die Buchsbaumpaterres mit der Nagelschere mehrmals im Jahr bearbeiten, würde ich mich übrigens (auch) eher bei der Markierung vier eintragen ;)Da in letzter Zeit immer mehr Perfektionisten im Garten unterwegs sind, bin ich froh, dass es doch noch- wie auch dieser Blog beweist- noch Gärtner/innen gibt, die ihren GArten nicht zu dressieren versuchen.
    Vor ein paar Jahren hatte ich mich auch das erste Mal an Lilien herangetraut, ließ mich dabei auf dem Berliner Staudenmarkt von erfahreren Lilienhobbygärtnern beraten. Schon damals (vor drei Jahren?) erzählte mir die Dame etwas von Lilienfliegen, die besonders hier im Berliner Raum ihr Unwesen treiben ( die Lilienminierfliege Liriomyza urophorina), bisher kannte ich nur die doofen Lilienhähnchen. Inzwischen sehen auch meine Lilienblüten ähnlich zerfressen aus wie die in Eurem Garten, die Fliege ist also hier ebenfalls gelandet.

  5. @Sisah,

    was ist eine „verbänderte Stockrose“ – und inwiefern „Mutation“??? Die rote da oben haben wir für eine ganz normale Stockrose gehalten. Ich stelle gern mehr Bilder ein, doch wüsste ich gerne, was genau du sehen willst!

    Ich siedle mich auf deiner Skala bei 2-3 an: ganz „der Wildnis ihren Lauf lassen“ würde hier bedeuten, dass binnen kurzer Zeit die Schlingpflanzen alles zu einem einzigen großen „Verhau“ zusammen gebunden hätten und kaum eine andere Pflanze mehr hoch käme!!! (Zu den „Schlingern“ werde ich mal einen eigenen Beitrag machen!)

    Lilienfliege? Aha! Na, auch die wollen leben.. :-)

  6. Schau Dir doch einmal genau die untere Triebspitze ( auf dem Foto) Deiner Stockrose an, das sieht doch aus, als ob mehrere Stängel miteinander verwachsen sind, so ähnlich wie „siamesische Zwillinge“. Das nennt man Fasziation oder eben Verbänderung. Gib mal den Begriff bei Tante Google ein und lass Dir ein bei Bilder aufrufen, da gibt es schon reichlich Beispiele. Bei einer Stockrose habe ich es bisher noch nie gesehen. Hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Verb%C3%A4nderung
    findet man mehr über die biologischen Hintergründe.

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